Eyeditorial der Ausgabe 1.18

Queen of AppSolutism

Liebe Leserinnen und Leser, neulich rief mich wieder meine Freundin Gabi an. Ihrem Timbre im höchsten Sopran entnahm ich in der ersten Hundertstelsekunde, dass sie auf 220 war: „Wie ist es möglich? Ich bin so enttäuscht von meinem Optiker!“ Zack, sprang meine berufliche Neugierde an. Ich räumte die Tastatur beiseite und hörte gut zu. Er habe ihr eine Gleitsichtbrille verspochen – ihre erste – mit der sie sowohl Autofahren als auch am PC arbeiten und musizieren könne. Hui, dachte ich im Stillen, ein Gleiter für so viele Gelegenheiten, ob sie den Mann denn auch richtig verstanden hatte? Pointiert setzte die Gute den ersten Schlussakkord: „Ich habe die Brille zurückgegeben.“ Gar nicht gut habe sie gesehen. Wie es denn möglich sei, dass dieser „sogenannte Fachmann“ ihr erst das Blaue vom Himmel verspricht, dann aber mit einer Sehhilfe aufwartet, die nichts von seinen Vorhersagen hielt?

Ich versuchte, ihr klarzumachen, dass sie sehr viel verlangt. Dass es auf eine gute Beratung ankomme, auf die Anamnese, welche Sehsituationen für sie die wichtigsten seien, auf eine genaue Messung. Vielleicht brauche sie mehrere Brillen? Dann empfahl ich ihr einen anderen Augenoptiker.

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Zwei Wochen später. Erneut Gabi. Im Fortissimo: Welche Möglichkeiten ein Normalsterblicher hätte, um Brillen begutachten zu lassen. Sie solle jetzt über 1.000 Euro nur für Gläser ausgeben, die gar nicht funktionierten. „Wenn ich im Orchester spiele, muss ich die Noten schon im Voraus erkennen, da wende ich nicht den Kopf, das geht hin und her mit den Pupillen. Jetzt sehe ich mit dieser Brille in den Randbereichen alles verschwommen!“ Mir klingelten die Ohren.

Meine Liebe, säuselte ich. Habt ihr denn die Situation im Orchester besprochen? Weiß dein Optiker, wie weit du vom Notenständer entfernt stehst, wie breit das Notenblatt ist? Keine Reaktion. Nur im Stakkato: „Und im Auto ist die Ferne völlig unscharf!“ Dem Tinnitus nahe versuchte ich erneut zu deeskalieren. Der Augenoptiker wolle sie sicher nicht enttäuschen. Sie solle vertrauensvoll das Gespräch suchen.

Eine schickt sich nicht für alles. War hier zum zweiten Mal alles schief gelaufen, was bei Gleitsicht so dezentral verschleifen kann?

Drei Tage später ging mein Göttergatte allein zum Brillenfachmann. Sein Wunsch: eine Brille für den PC. Mir schwante Schreckliches. Der nächste R(h)ein-Fall in der Landeshauptstadt-NRW? Der Mann kehrte zurück und verblüffte mich anders, aber abermals: mit einer Einstärkenbrille. Das Gerät nutzt er jetzt – zu seiner vollsten Zufriedenheit: „Weit kann ich damit natürlich nicht sehen, am PC und am Schreibtisch ist aber alles gut.“ So individuell wie die Kunden sind die Lösungen.

Stephan Grünewald, der „Psychologe der Nation“ (Frankfurter Allgemeine), ordnet mangelndes Vertrauen von Gabi und ihresgleichen so ein: Im Zeitalter des „Digitalen AppSolutismus“ ist der Konsument digital verwachsen mit seinem Smartphone und hat das Gefühl, allmächtig und allwissend zu sein: „Er bestellt mit seinem magischen Zeigefinger Sachen, findet sogar Partner.“ Jürgen Bräunlein fragte den Kölner Marktforscher, wie mit solchen König-Kunden erfolgreich umzugehen ist (eyebizz 1.2018, Seite 18). Neueste Erkenntnisse einer internationalen Studie im Auftrag von Hoya zur Volkskrankheit Augenstress stellt Elke Dobisch ab Seite 30 vor.

Und Sie? Holen Sie diese Kunden-Kings and Queens da ab, wo sie surfen? Sicher gehören Sie nicht zu dem Drittel Augenoptiker, deren Website nicht Smartphone-optimiert ist: Mehr Ergebnisse im Ebner Digital Check von Online-Auftritten von 200 Augenoptikern lesen Sie in der aktuellen eyebizz ab Seite 84.

Bleiben Sie dran, mit eyebizz, der Brille & Co in Dortmund und natürlich dank der opti!

Herzlichst Ihre

Christine Höckmann

 

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