Flug(ch)Rost

Korrosion: Problem bei Metallbrillen?

Metallbrillen sind beliebt, nicht nur bei Männern und Technikfreaks. Je nach verwendetem Material und Materialmix werden die Fassungen gerne mit dem Etikett „rostbeständig“ oder gar „rostfrei“ beworben und verkauft. Doch nicht immer kann die Werbung halten, was sie da verspricht. Denn auch hochwertig produzierte Metallfassungen können unter Umständen rosten, wenngleich das selten der Fall ist. eyebizz ging dem Problem „Fluch-Rost“ nach und fragte Augenoptiker und Hersteller.

Rost: Bei Metallbrillen mitunter ein Problem

Das Meer war Schuld

Sven Siehl ist Augenoptiker in Buxtehude. Mitunter wird er in seinem Geschäft mit sehr außergewöhnlichen Anforderungen konfrontiert, was jedoch nicht unbedingt immer an der Exzentrik der Kundschaft liegt, sondern auch mit der exzentrischen Witterung vor Ort zu tun haben kann. So hatte Siehl schon einen Kunden, der eine Fassung aus Metall wünschte, aber mit keinem der ausprobierten Modelle zurechtkam, auch nicht mit solchen aus Edelstahl. Der Grund: Alle Fassungen setzten früher oder später Rost an. „Der hohe Salzgehalt am Meer war Schuld“, erzählt Siehl, „Der Kunde, der unweit der Ostsee lebt, hat dann auf meinen Rat hin zu einer Kunststofffassung gewechselt.“

Das Beispiel ist extrem, und doch kennt – wie eine kleine Umfrage zeigt – fast jeder Augenoptiker mit langjähriger Berufserfahrung Fälle von rostenden Metallbrillen. Liegt es am Salzgehalt in der Luft? Ist es Flugrost durch Rückstände aus alten Wasserleitungen? Oder liegt es an einer fehlerhaften Verarbeitung des Materials? Als sicherer Risikofaktor gilt neben Salzgehalt vom Wasser Hautschweiß, der immer individuell zusammengesetzt, ebenfalls unter Umständen die Metallfassung auf der Nase angreifen kann. Ablagerungen von Kosmetika können ähnlich wirken. Doch oft kann die Ursache für die Korrosion nur vermutet werden.

Ausschwitzender Nickel

Selbst Edelstahl mit seiner hervorragenden Stabilität ist streng genommen niemals rostfrei, sondern allenfalls rostbeständig. Der für die Fassung oft eingesetzte Chromstahl bildet zwar durch Oxidierung auf der Oberfläche eine einheitliche, kompakte Schutzschicht, der ein „Ausschwitzen“ des Nickelgehaltes verhindern soll, doch eine zweifelsfreie Garantie dafür gibt es nicht.


Edelstahl ist nicht wirklich rostfrei, sondern höchstens rostbeständig.


„Metallfassungen, die rosten, das ist ein Problem, das auch uns bekannt ist, selbst wenn es wirklich sehr selten auftritt“, sagt Klaus Meier, einer der zwei Inhaber der „Brillenwerkstatt“ mit drei Geschäften in Berlin. Gerade hat er einen Kunden, dessen Metallbrille an einem Rand zwischen Glas und Fassung nach kurzer Zeit zu rosten begann. Auch die zweite, vom Hersteller gelieferte Fassung rostete. Es läge wohl an der spezifischen Zusammensetzung seines Körperschweißes, erklärte der Augenoptiker seinem Kunden.

Der eigentliche Verursacher des Problems ist für Klaus Meier jedoch das Material Nickel: „Das Problem lässt sich nicht wirklich vermeiden, weil Metallbrillen in der Regel Anteile von Nickel enthalten. Und das kann zu galvanischen Lokalelementen führen, das heißt, es kann zu kleinflächigen Roststellen kommen, die aber mit bloßem Auge gar nicht zu erkennen sind.“

Herausforderung Federstahl

Auch bei der Berliner Manufaktur ic!, deren Blechbrillen nicht zuletzt aufgrund des schraubenlosen Federscharnier-Stecksystems weltbekannt sind, kennt man das Problem der Rostanfälligkeit und hat es auch immer auf dem Beipackzettel für ihre Kunden formuliert. „Grundsätzlich muss sich jeder Hersteller, der mit Federstahl arbeitet, dieser Herausforderung stellen“, erklärt Marco Metternich von ic! berlin. Der Weg, das Problem zu minimieren, führt für ihn über immer bessere Beschichtungen.


Der Nickel-Anteil in Metallbrillen

ist nicht nur für Allergiker ein Problem.


„Bevor eine neue PVD-Schicht (Abkürzung für „physical vapour deposition“) freigeben wird, überprüfen wir sehr penibel, dass diese keinerlei negativen Einfluss auf das Korrosionsverhalten hat. Im Vergleich sind unsere Brillen im Laufe der Zeit durch stetige Optimierungen bei Stahl und Beschichtungen sehr viel weniger anfällig geworden.“ Bei den Berlinern liegt die Reklamations-Quote, so sagt er, im Promille-Bereich. Es sei demnach kein wirklich relevantes Problem, beträfe aber trotzdem immer mal wieder einzelne Kunden, doch man gehe dann sehr kulant damit um.

Metallwunder Titan

Das Rostproblem lässt sich weiter minimieren, womöglich gar lösen, durch den Einsatz von Titan als Fassungsmaterial. Titan als Werkstoff gilt als korrosionsfest, es bildet eine schützende, dünne Oxidschicht. Die Mechanisch-Optische Metallverarbeitungs (MOM) in Rathenow fing mit der Kupfer-Nickel-Legierung Neusilber an, kam vom Edelstahl zu Titan und ist mittlerweile fast nur auf Titanfassungen ausgerichtet. Mathias Schröder Junior, bei MOM für Produktion und Qualitätskontrolle zuständig, erklärt: „Wir selbst liefern nicht nur innerhalb von Europa, sondern auch nach Asien in verschiedene Klimazonen. Ob an der Küste oder in Gegenden mit sehr hoher Luftfeuchte – Rost ist nicht aufgetreten.“

Auch beim Premium-Anbieter Silhouette schwört man auf Titan als Werkstoff, der dem Fluch Rost bei Brillen den Garaus macht. Saskia Spahr von Silhouette Deutschland, Marketing ist sich sicher: „Sehr genau spezifizierte Beschichtungssysteme lassen Korrosionen bei unseren Brillen erst gar nicht auftreten. Auch verzichten wir auf Material-Mischungen mit anderen Metallen, womit auch Kontaktkorrosion ausgeschlossen ist.“

Rost: kann zu Problemen bei Metallbrillen führen

Bloß keine Restnässe beim Putzen

Nicht jeder Kunde aber ist bereit, in eine „echte“ Titanbrille zu investieren, oder wählt aus ästhetischen Gründen ein anderes Metall oder einen anderen Metallmix. In diesem Fall sei es ratsam, der Fassung eine besonders sorgfältige Pflege zuteil werden zu lassen, wie Klaus Meier von der Brillenwerkstatt empfiehlt. Werden Metallbrillen mit Wasser gereinigt, was sich im Fall von verschmutzten Gläsern schwerlich vermeiden lässt, sei etwa darauf zu achten, dass die Brille hinterher peinlich genau getrocknet wird. Insbesondere an den engen Spalten zwischen Glas und Fassung sollte keine Restnässe bleiben. Denn genau dort könne es dann, zumal wenn das Material schon etwas angegriffen ist, leicht zur Roststellen kommen.

||| JUEB

 

Redaktion
Hinterlassen Sie einen Kommentar