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Produkt: eyebizz 5/2019
eyebizz 5/2019
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Das Image der Augenoptik (Teil 4)

Traumberuf Augenoptiker*in? Wie Schulen und Verbände im Internet werben

Um junge Menschen für eine Ausbildung zum Augenoptiker zu gewinnen, müssen Schulen den Beruf möglichst attraktiv präsentieren, mehr denn je im Internet. Doch wie gut gelingt das? Im vierten Teil unserer Serie untersucht Uwe Hannig die Internet-Angebote von Berufs-, Meister- und Fachhochschulen sowie Verbänden. Exklusiv für eyebizz präsentiert der Autor die wichtigsten Ergebnisse seiner Bachelorarbeit im Studiengang Augenoptik/ Optometrie und stellt sie zur Diskussion.

Wie steht es um die Internetpräsenz unserer Berufs- und Meisterschulen sowie (Fach)Hochschulen? Welches Bild vom Augenoptiker-Beruf und welche Informationen über die Ausbildung, die beruflichen Chancen und Perspektiven vermitteln sie? Kann bei Interessierten Begeisterung für den Beruf geweckt werden?

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Die vorliegenden Ergebnisse basieren auf der Untersuchung der Internetangebote von rund zwanzig Berufs-, Meister- und Fachhochschulen in ganz Deutschland. Natürlich gibt es regionale und strukturelle Unterschiede, so bei der Frage der Trägerschaft und der Größe. Die meisten Berufsschulen sind Teil eines größeren Berufskollegs, nur wenige selbstständig; bei einigen Meister- und Fachhochschulen handelt es sich um private Einrichtungen, die kostenpflichtige und berufsbegleitende Angebote machen, andere sind kostenfrei und in Vollzeit zu absolvieren. Im Folgenden geht es darum, Schwächen aufzuzeigen, die bei den Webauftritten der Berufsschulen festgestellt wurden, aber auch um positive Beispiele von Interessenverbänden, die sich als zukunftsweisend und vorbildlich erweisen.

Mangelnde Auffindbarkeit im Netz

Die erste Hürde stellt häufig die mangelnde Auffindbarkeit und Sichtbarkeit der augenoptischen Berufsschulen dar. In den meisten Fällen handelt es sich um einen gemeinsamen Internetauftritt eines gesamten Berufskollegs, in dem eine duale und vollzeitschulische Berufsausbildung in verschiedenen Bildungsbereichen angeboten wird. Je nach Kolleg ist die Augenoptik unterschiedlichen Bereichen zugeordnet – mal findet man sie unter Gesundheit, mal unter Technik bzw. Medizintechnik, dann wieder unter Naturwissenschaften. Die Qualität der vermittelten Inhalte variiert stark: Manche Schulen bieten ausführliche Informationen über Beruf und Ausbildung, andere beschränken sich auf wenige Sätze. In einzelnen Fällen werden das Lehrpersonal und Fotos der Auszubildenden aus dem Schulalltag gezeigt, nur selten finden Interessierte Videos.


„Bedenklich ist, dass Berufsschulen, die junge Menschen ansprechen sollen, auf Soziale Medien größtenteils verzichten.“


Die Gestaltung der meisten Internetseiten ist sehr einfach, wenig attraktiv. Professionalität fehlt nicht nur beim Design und der grafischen Gestaltung, sondern auch hinsichtlich der technischen Seite, vor allem wenn es um die Mobile-Ansicht geht. Eine sachliche, oft langweilig klingende Sprache, ein ermüdendes Schriftbild sowie wenige und amateurhafte Bilder und Videos werden kaum positive Emotionen oder Neugier wecken. Unter „Aktuelles“ und „Nachrichten“ finden sich – ganz unabhängig von Corona – nur selten aktuelle und relevante Informationen.

Wenig präsent in den Sozialen Medien

Eine Verlinkung zu Social-Media-Inhalten fehlt oft, nicht zuletzt deswegen, weil nur wenige Schulen in den Sozialen Medien vertreten sind. Bei manchen von ihnen handelt es sich dabei nicht um offizielle Accounts, sondern um von Schülern angelegte Facebook- oder YouTube-Seiten, auf denen sie Fotos und Videos von außerschulischen Veranstaltungen teilen. Dass sich darunter vielfach Inhalte finden, die nichts mit der Augenoptik zu tun haben, überrascht nicht. Im Falle von offiziellen Accounts ist das größte Manko die fehlende Aktualität; hinzu kommt auch hier mangelnde Professionalität im Umgang mit den Besonderheiten des jeweiligen Kommunikationsmediums sowie den Bedürfnissen der Zielgruppe.

Best Cases zum Ersten

Während die Internet-Angebote der Berufsschulen ausbau- und verbesserungsfähig sind, geben sich Meisterschulen und Fachhochschulen deutlich mehr Mühe. Manchen gelingt ein nahezu perfekter Internetauftritt. Die Höhere Fachschule für Augenoptik Köln (HFAK) überzeugt mit einer übersichtlichen, informativen Internetseite: Die eigenen Stärken – z.B. kostenfreier Schulbesuch und der Standort Köln – werden gut präsentiert und durch außergewöhnliche Angebote ergänzt (u.a. Hilfe bei der Wohnungssuche).

Augenoptiker Fachhochschule Köln - YouTube
Die Höhere Fachschule für Augenoptik Köln (HFAK) wirbt mit Statements von Studierenden

Neugierde weckt ein Video, in dem sich selbstbewusst auftretende Schüler und Dozenten über die Qualität und Vorteile der HFAK gegenüber anderen Meisterschulen äußern. Nachholbedarf hat die Kölner Fachschule bei der Mobile-Ansicht und den Sozialen Medien; auf Facebook versorgt sie die Nutzer nur sporadisch mit Inhalten.

Den attraktivsten, innovativsten Internetauftritt hat die Akademie der Augenoptik ZVA-Bildungszentrum e. V. Sie präsentiert ihr vielfältiges Angebot an Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten (u.a. Meisterkurse und Bachelorstudium) ansprechend und abwechslungsreich, übersichtlich und zielgruppengerecht. Die Internetseite ist modern und hochwertig, wirkt äußerst ästhetisch, nicht zuletzt dank des hervorragenden Bild- und Videomaterials.

Augenoptik Akademie ZVA-Bildungszentrum
Attraktiv und innovativ: der Internetauftritt der Akademie der Augenoptik

Bei der Präsentation der Räumlichkeiten, des Standorts, des Lehrangebots wie auch der Studierenden und Dozenten entsteht der Eindruck einer positiven Lernatmosphäre, optimaler technischer und personeller Ausstattung sowie einer angenehmen „Rundumbetreuung“. So gelingt eine positive Emotionalisierung, die zum Verweilen einlädt. Die Gestaltung wie auch die Inhalte der Internetseite, die Mobile-Ansicht sowie die Facebook- und Instagram-Auftritte der Akademie zeichnen sich durch hohe Professionalität aus.

Fehlende Vorstellung unterschiedlicher Berufsfelder

Da die Internet-Präsenz der (Fach)Hochschulen vom Referat Öffentlichkeitsarbeit der jeweiligen Hochschule gestaltet wird, wirkt diese in der Regel ebenfalls professionell. Dabei steht allerdings die Informationsvermittlung und weniger die ästhetische Gestaltung oder Übersichtlichkeit im Vordergrund. Dennoch versuchen die (Fach)Hochschulen, wie man es am Beispiel der Beuth Hochschule für Technik Berlin sehen kann, mit kurzen Statements ihrer Studierenden in Imagevideos für ein Studium an der dortigen Hochschule zu werben.

Da die Augenoptik und Optometrie nur einer von vielen Studiengängen an den jeweiligen Hochschulen ist, gibt es meist keine eigenen Accounts in den Sozialen Medien. Auf den gemeinsamen Accounts spielt – zumindest nach den hier erfolgten Stichproben – die Augenoptik so gut wie keine Rolle. Innovative Zugänge, aktuelle Forschungsergebnisse oder spannende Studien sucht man dort vergeblich, ganz im Gegensatz zu einigen anderen Studiengängen wie beispielsweise Elektromobilität oder Geoinformation.

Was bei allen untersuchten Schulen und Hochschulen fehlt, ist eine sinnvolle Repräsentation der unterschiedlichen Berufsfelder und somit die Vielfältigkeit des Berufsbildes für Augenoptiker und (Fach)Hochschulabsolventen. Gerade Videos, die sich in der Regel großer Beliebtheit erfreuen, weil sie kurz, prägnant und authentisch wirken, schildern oft nur Situationen aus dem Alltag eines augenoptischen Fachgeschäfts. Dies erzeugt ein einseitiges Bild vom Beruf.


„Manchen Meisterschulen und Fachhochschulen gelingt ein nahezu perfekter Internetauftritt.“


Fast widersprüchlich erscheinen dazu die Aussagen der Studierenden bei der Beuth-Hochschule wie auch der Akademie der Augenoptik, dass ihnen der medizinische Aspekt des Studiums besonders gut gefällt, obwohl dieser im Alltag weniger zum Tragen kommt. Wichtig wäre es auch, Themen wie Entwicklungsmöglichkeiten, Aufstiegschancen, Familienfreundlichkeit des Berufs sowie Fragen der Work-Life-Balance und des lebenslangen Lernens (offensiver) anzusprechen.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Qualität der Internetangebote von Bildungseinrichtungen stark variiert. Die Bandbreite reicht von simpel, amateurhaft und unattraktiv bis hin zu ansprechend, vielfältig und professionell. Emotionen werden wenig geweckt. Am meisten überrascht jedoch die Tatsache, wie wenig präsent die Bildungseinrichtungen für Augenoptik auf Social Media sind. Bedenklich ist vor allem, dass Berufsschulen, die junge Menschen ansprechen sollen, auf Soziale Medien größtenteils verzichten. Dabei ließe sich gerade für die Augenoptik mit attraktiven Bildern, Videos und Storytelling clever werben.

Best Cases zum Zweiten

Wie das gelingen kann, soll am Beispiel von zwei Interessenverbänden gezeigt werden: dem Zentralverband des deutschen Handwerks e.V. (ZDH) und dem Südwestdeutschen Augenoptiker- und Optometristen-Verband (SWAV). Seit 2010 wirbt der ZDH mit modernen bundesweiten Imagekampagnen, in denen er die unterschiedlichen Berufsfelder des Handwerks mit dem Ziel vorstellt, Jugendliche zu einer Ausbildung zu ermuntern. Die Augenoptik gehört zu einem der über 130 Handwerksberufe, die Teil dieser Imagekampagnen sind. Die Kampagnen greifen aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen wie Migration und Integration oder die jetzige Pandemie auf und vermitteln durch sympathische Menschen und witzige Wortspiele positive Botschaften.

Augenoptiker Handwerk.de Website
Die Kampagnenseite Handwerk.de mit Infos zum Beruf Augenoptiker*in und Lehrstellen-Radar

Die zentrale Online-Plattform ist die Kampagnenseite www.handwerk.de, aber mindestens genauso eine große Rolle spielen die Sozialen Medien (Facebook, Instagram, YouTube und Twitter), wo mit ansprechenden Bildern, Videos und altersgemäßen Texten ein modernes und weltoffenes Image des Handwerks kreiert und vermittelt wird. Das Angebot wird durch Apps wie „Lehrstellen-Radar“ sinnvoll ergänzt. Seit Januar 2021 sind neue Kampagnenbotschafter unter dem Slogan „Wir wissen, was wir tun“ in TV-Spots, im Internet, auf Infoscreens und Großplakaten sowie in Bussen zu sehen. Mit dieser gelungenen Kampagne zeigt sich das Handwerk nicht nur als „besonders krisensicher“ in Pandemiezeiten, sondern auch als kreativ, zukunftsweisend und vielfältig. Der Erfolg spiegelt sich in Zahlen wider: Die Facebookseite hat über 100.000 Abonnenten, bei Instagram sind es fast 40.000.

Augenoptik - Be.Optcian
Die Website „Be Optician“, betrieben vom Südwestdeutschen Augenoptiker- und Optometristen-Verband, macht Spaß

Sicherlich noch wichtiger für die Branche ist die Internetseite „Be Optician“, die vom SWAV betrieben wird und eine sehr gute, informative Plattform für „angehende Augenoptiker“ bietet. Hier erfahren Interessierte alles über Ausbildungswege und Karrieremöglichkeiten und erhalten praktische Ratschläge zum beruflichen Alltag sowie Bewerbungstipps, und können ihre Ausbildungsplatzsuche direkt dort beginnen. Die professionelle Gestaltung und intuitive Bedienung, die hochwertigen Inhalte sowie unzählige lebensnahe Beispiele zeigen die Vielfalt, Chancen und Perspektiven, die der Beruf Augenoptiker*in bietet, auf optimale Art und Weise. Während die Einträge auf Facebook und Instagram aktuell sind, lässt die Aktivität auf YouTube und Twitter zu wünschen übrig.

Die Reichweite ist erwartungsgemäß nicht mit jener von www.handwerk.de zu vergleichen: um die 2.000 Abonnenten kann „Be Optician“ jeweils auf Facebook und Instagram verzeichnen. Wünschenswert wären deutlich mehr Nutzer und vor allem auch gegenseitige Verlinkungen mit den Seiten der Berufs- und Meisterschulen. Interessant wäre zu erfahren, welchen Effekt „Be Optician“ und die Imagekampagne des ZDH erzielen, ob dadurch mehr oder andere potenzielle Auszubildende erreicht werden? Vermutlich tragen sie dazu bei, das Image der Augenoptik moderner und vielfältiger erscheinen zu lassen.

Wachsende Bedeutung des Internets bei der Berufswahl

Beide Beispiele sind jedenfalls innovative und wichtige Ansätze, (junge) Menschen für den „Traumberuf Augenoptik“ mithilfe altersgemäßer und moderner Kommunikation zu interessieren. Als Medium ist das Internet hier wichtiger denn je. 30 Prozent aller Auszubildenden in der Augenoptik sind, laut Berufsbildungsbericht 2019 des ZVA, übers Internet auf den Beruf aufmerksam geworden. Die Zahl wird weiter steigen. ///

 

Image-Analyse der Augenoptik - Uwe HannigUwe Hannig (*1976) ist Augenoptiker aus Leidenschaft. Er hat den Meister in der „berühmt-berüchtigten Holzbaracke“ des ZVA-Fortbildungszentrums in Köln-Bayenthal gemacht und sich in der Funktionaloptometrie weitergebildet. Beim Sport kommen dem Crosstriathleten und Langstreckenschwimmer die besten Ideen, zum Beispiel die, noch ein berufsbegleitendes Studium in Augenoptik und Optometrie an der FH Aachen/Akademie der Augenoptik dranzuhängen. Mittlerweile hat er seinen Bachelor of Science (B.Sc.) in der Tasche und freut sich, die Ergebnisse seiner Abschlussarbeit einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen zu können.

 

Beitrag aus der eyebizz 4.2021 (Juni/Juli)

 

Das Image der Augenoptik, Teil 1

Das Image der Augenoptik, Teil 2 

Das Image der Augenoptik, Teil 3

Das Image der Augenoptik, Teil 5

 

Produkt: eyebizz 2/2019
eyebizz 2/2019
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