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Silmo Paris

Aufgespürt: Brillentrends & Chic für 2017

Paris ist eine Sehnsuchtsstadt. Sie hat viele Facetten und unendlich viele Geschichten zu erzählen. Die Silmo schreibt hier seit 49 Jahren die Historie um die Augenoptik fort. In einem nicht einfachen wirtschaftlichen und politischen Umfeld – gerade angesichts der immer wieder aufflackernden Terrorgefahr – bewies die Messe in Villepinte Ende September im Norden der Seine-Metropole mit nur 1,5% weniger Besuchern Stabilität. Verschärfte Kontrollen an den Eingängen sorgten für ein sichereres Gefühl.

Vor den Eingängen der Hallen 5 und 6 herrschte an den ersten drei Messetagen dichtes Gedränge bei hoch sommerlichen Temperaturen. Manche Aussteller in der Halle 5 waren froh, als sich am Sonntag der Himmel zeitweise bedeckte und der ein oder andere Regentropfen fiel. Dort, wo die Sonne ungehindert durch die Fensterscheiben in die Halle fiel, konnte es recht heiß werden. Die Silmo hatte bisher den Ruf, eine eher nationale Veranstaltung zu sein. Dieser Eindruck täuscht: Rund 900 Aussteller aus aller Welt buhlten um die Aufmerksamkeit der Besucher.

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EYEBizz_Silmo_2016_07Anything goes plus Geheimniskärmerei

Verwirrend vielfältig war das Spektrum der präsentierten Brillen. Trend 1 lautet deshalb: „Erlaubt ist, was gefällt.“ Trend 2 hingegen: „Geheimtipps bleiben under cover.“ Das gilt etwa für individuelle Augenoptiker, die sich nach Paris aufmachten, um auf „Trüffel-Suche“ zu gehen, aber nicht über ihre Funde sprechen wollten. Ganz ähnlich verhielt es sich bei manchen kleineren Herstellern, die zwar sehr erfolgreich sind, aber wenig interessiert waren, einem zu großen Fachpublikum bekannt zu werden. Klar, man will nicht gleich „Mainstream“ werden. Marcus Marienfeld aus der Schweiz gehört zu dieser Qualitätselite, die gut ankommt, aber auch Lieferzeiten von einen halben Jahr hat. „Der Freitag war phänomenal“, kommentierte er seinen Messeerfolg.

3D-Druck im Kommen

Trend 3: Der 3D-Druck für Brillenfassungen ist schwer angesagt. Die angewandten Technologien sind dabei sehr unterschiedlich, die Qualität auch, ebenso die Materialien. Teils sind es reine Kunststoffe (Polyamide), die pulverisiert mit Lasern beschossen werden, seit neustem aber auch Metalle. Die Ergebnisse dieser zukunftsweisenden Technologie faszinieren aus unterschiedlichen Gründen: Sie bietet ein Höchstmaß an Individualisierbakeit, man braucht kein Lager für fertige Brillen, denn es wird nur produziert, was tatsächlich gebraucht wird. Zudem ist das Ergebnis ultraleicht. Ob Hoet, Hoya oder You Mawo aus Deutschland, das Fachpublikum war höchst interessiert. Das Thema 3D-Druck beleuchtet unser Redakteur Jürgen Bräunlein in diesem Heft (ab Seite 58).

“Neue” Naturmaterialien und Farbe, Farbe, Farbe…

Nicht zu übersehen war: Naturprodukte bleiben gefragt. Holzfassungen finden sich bei zahlreichen Herstellern, viele Fassungen gibt es im Mix mit Acetat oder Metall. Neu auf der Silmo waren gleich zwei Hersteller, die mit Brillen aus Marmor glänzten: Budri und Mora (EYEBizz 5.2016 berichtete). Ebenfalls weiterhin im Trend sind Brillenfassungen, die auf Farbe setzen: Egal ob kräftig, nude oder kombiniert mit hornartiger Maserung. Und dann der Gegentrend: transparente Modelle. Außerdem ist eine nie dagewesene Formen-Vielfalt zu bestaunen – von rund bis eckig, in Lagen, mit Mustern, Applikationen, kleine Fassungen, große, das Portfolio ist überbordend und schreit es in die Welt: Die Brille ist Accessoire, etwas, mit dem sich spielen lässt, alles, nur nicht Sehkrücke. Das gilt schon für die Teenager, die mit Cateyes auftrumpfen können (gesehen bei Lafont). Gelegenheit macht Liebe, könnte man den Trend zur „limited Edition“ betiteln. Auf der Messe gab es einige Fassungen, die nur auf der Show verkauft wurden.

EYEBizz_Silmo_2016_21Immer mit dabei: Retro

Was gab es sonst noch zu sehen? Future Retro an allen Ecken und Enden, einhergehend mit „Base 2“, flachen Scheiben. Je komplizierter unsere Welt wird, desto größer offensichtlich der Wunsch zurückzuschauen, den ständigen Fortschritt aufzuhalten. Slow Food, Handwerk, die vermeintlich gute alte Zeit werden beschworen. Die 90ies, 80ies und 60ies sind groß im Kommen (mehr dazu zum Bespiel ab Seite 16 im Heft). Sport bleibt der Augenoptik als locker-leichtes Thema erhalten.

Das sagen Besucher und Aussteller

Dass auch aus Russland hippe Eyewear kommt, beweisen Fjodor Smirnow und sein Freund, der Architekt Artjom Korowin, mit Brevno. Das junge Start-Up-Unternehmen lässt mit extravaganten Sonnenbrillen „Made in Siberia“ aufhorchen. Extravagant ist das verwendete Material – echtes Holz aus den sibirischen Wäldern. Die Sonnenbrillen sind eine liebevolle Hommage an eine Gegend, die viele immer noch für tiefste Provinz halten.

Eline De Munck von Odette Lunettes, einem Label aus Belgien mit Sitz in Antwerpen, zog mit ihren abwechslungsreichen Fassungen mit großen Gläsern und verspielten Details viele Besucher an. Ihre limitierten Brillen-Kreationen, die in rascher Folge entstehen, sind Sammelstücke für Eyewear-Junkies und werden bislang in Holland, Frankreich und Großbritanien vertrieben, die Eroberung des deutschsprachigen Marktes steht noch an. Die temperamentvolle Designerin nahm zum ersten Mal an einer internationalen Messe teil. Was ihr auf der Silmo missfällt: „Unter den Ausstellern würde ich mehr Offenheit wünschen. Viele schotten sich leider ab.“

Insider kennen sie schon: die minimalistischen Brillenfassungen in Schwarz, die das Gesicht exzentrisch dominieren. Kuboraum aus Berlin hatte in Paris einen denkwürdigen Nicht-Auftritt. Beim Silmo d’Or wurde das Label in der Kategorie „Sonnenbrille“ für das Modell „Maske E3“ nominiert, unterlag zwar, gewann aber völlig überraschend einen Spezialpreis der Jury. Leider war am Abend der Preisverleihung niemand aus der Crew um Brandmitbegründer und Marketing Manager Sergio Eusebi anwesend.

Dass Kuboraum angesagt ist, bezeugte auch Kovalskyi Dmitryi, Augenoptiker aus der Ukraine. Das Berliner Label gehört zu den Lieblingen in seinem Laden in Kiev. Der mit dunkler Sonnenbrille und Ziegenbart zunächst einschüchternd wirkende Mann erwies sich als sehr offen. Die unruhigen politischen Verhältnisse in seinem Heimatland haben bislang wenig Einfluss auf seine Umsätze, sagt er. Seine Klientel, die unabhängige Brillenlabels bevorzuge, gehöre allerdings zu den Bessergestellten.

Homer Ho ist Regional Sales Manager von chang’s und aus Hongkong angereist. Echte Innovationen hat er auf der Silmo keine gefunden, sagt er, doch rühmt er die ingesamt hohe Qualität der gezeigten Brillen. Sein Favorit: Dita Eyewear.

Für Yves-Jens Leipe von der Brillenschneiderei in Berlin ist die Silmo eine zwei Tage lange Inspiratiosnquelle. „Was kann man nach Holz und Gras oder Bambus noch Neues entdecken?“ Diese Frage interessiert den Augenoptiker vor allem. Schon am ersten Tag hat er „drei richtig spannende Aussteller“ gefunden, deren Name er allerdings nicht verraten wollte. Die Messe findet er prima, doch die opti mag er noch lieber.

Silmo d’OrEYEBizz_Silmo_2016_22

Wie jedes Jahr auf der Silmo wählte auch dieses mal eine internationale Jury aus nominierten Produkten in diesmal neun Kategorien die Gewinner der Silmo d’Or 2016. Zumindest in Frankreich gilt die Auszeichnung als eine Art „Oskar“ der Augenoptik. Die Gewinnner:

  • Kinderbrillen: KNCO mit der Kinderbrille „Bili“ aus der Kollektion Karavan Kids
  • Sport-Equipment: Demetz mit Lazer-Run
  • Low Vision: Go Vision von Visiole, My Eye von Essilor und NuEyes von CECIAA
  • Technische Innovation Fassung: Modell 77H aus der Kollektion Exalto von der Oxibis Group
  • Material/Equipment: Netlooks 3D von Netlooks
  • Vision/Brillengläser: Eye Protect System von Essilor
  • Sonnenbrillen: Anti Retro X von Parasite Design
  • Korrektionsfassungen: Khan von Blake Kuwahara
  • „Première Classe“: 305 BL von Pride Eyewear
  • Spezialpreis der Jury: Mask Z von Kuboraum

Nächstes Jahr feiert die Silmo ihr 50-jähriges Jubiläum. Merken Sie sich das Datum: 6. bis 9. Oktober 2017. www.silmoparis.com

 

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