Augenoptische Grundversorgung wichtig für Bildungserfolg

EinDollarBrille: Covid-19 nicht nur gesundheitliche Gefahr

Die Corona-Krise könnte Millionen von Kindern in Entwicklungs- und Schwellenländern vom Schulbesuch ausschließen – unbehandelte Fehlsichtigkeit ist ein hoher Risikofaktor, so Martin Aufmuth, Gründer der Organisation EinDollarBrille e.V. Deshalb fordert er Maßnahmen, die die Zukunftsfähigkeit der betroffenen Länder stärken und setzt den Fokus auf positive Netzwerkeffekte und Nachhaltigkeit.

EinDollarBrille - Mädchen in Malawi
EinDollarBrille – Mädchen in Malawi (Bild: Martin Aufmuth)

Organisationen wie die Deutsche Welthungerhilfe und Save the Children haben in ihren aktuellsten Berichten deutlich gemacht: Die Folgen der Corona-Krise für Entwicklungs- und Schwellenländer werden dramatisch sein. Vor allem aber könnte Covid-19 die Zukunftsperspektiven von Millionen von Kindern zerstören: Laut Save the Children könnten bis zum Jahresende fast 10 Millionen Kinder für immer vom Unterricht ausgeschlossen sein. „Millionen Kinder laufen Gefahr, als Folge der Krise wieder in die Kinderarbeit gestoßen zu werden“, hatten das Kinderhilfswerk Unicef und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) bereits im Juni anlässlich des Tages der Kinderarbeit mitgeteilt.

„Natürlich muss es jetzt erst einmal darum gehen, Entwicklungs- und Schwellenländer und vor allem deren überstrapazierte Gesundheitssysteme bei der Bekämpfung von Covid-19 zu unterstützen“, betont Martin Aufmuth, Gründer der Organisation EinDollarBrille e.V.

Letztlich könne man Covid-19 jedoch nicht isoliert als gesundheitliches Problem angehen: „Die Erfahrung in unseren Projektländern Burkina Faso oder auch Indien hat gezeigt, dass Lockdowns nicht lange durchzuhalten sind: Für viele Menschen waren Hunger und Arbeitslosigkeit größere Risiken als Covid-19; gleichzeitig sind viele Länder weltweit mit dem Schutz und der Unterstützung ihrer Bevölkerung überfordert. Entscheidend für die Überwindung dieser Krise wird es deshalb sein, ob es der Weltgemeinschaft in Kooperation mit den betroffenen Ländern gelingt, erfolgreich Maßnahmen zur Prävention von Armut und Arbeitslosigkeit sowie für den Erhalt von Zukunftsperspektiven umzusetzen.“ Und dazu gehöre zwingend, vor allem Kindern und Jugendlichen Wege zur Bildung zu eröffnen beziehungsweise zu erhalten.

EinDollarBrille: Gesundheit und Bildung gehören zusammen

Die untrennbare Verbindung zwischen Gesundheit und Bildung erleben die Teams der EinDollarBrille selbst jeden Tag: Laut eines Berichts der Weltgesundheitsorganisation WHO von 2019 leiden rund 950 Millionen Menschen an einer korrigierbaren Sehschwäche, können sich jedoch keine herkömmliche Brille leisten oder haben keinen Zugang zu augenoptischer Versorgung. Betroffen sind auch viele Kinder: „In der Schule werden sie oft abgehängt – und oft ist weder ihnen noch Eltern oder Lehrern bewusst, dass der Grund für den mangelnden Lernerfolg einfach eine Sehschwäche ist“, berichtet Aufmuth.

Vor diesem Hintergrund baut der EinDollarBrille e.V. mit einem ganzheitlichen System in seinen Projektländern eine augenoptische Grundversorgung auf. Im Rahmen von Schulprojekten führen lokale Teams Schulungen zum Thema Augengesundheit für ganze Klassen durch und beziehen dabei auch die Eltern und Lehrkräfte eng mit ein.

Nachhaltige Entwicklung und positive Netzwerkeffekte

Das Konzept des EinDollarBrille e.V. basiert auf Aufklärung und Sensibilisierung, lokaler Produktion der Brillen und damit der Schaffung von Arbeitsplätzen sowie der Ausbildung von lokalen augenoptischen Fachkräften. „Damit setzen wir gleichzeitig auf den Feldern Gesundheit, Bildung und sozialer sowie wirtschaftlicher Entwicklung an, und die Menschen vor Ort profitieren nachhaltig von der Kombination verschiedener positiver Effekte“, betont Aufmuth. „Gleichzeitig kooperieren wir vor Ort mit gut vernetzten Partnern wie der Siemens Stiftung, der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), aber auch mit lokalen Kliniken, Schulen, Gesundheitsinstitutionen und Kirchen, und können so die Wirkung unserer Arbeit verstärken.“

Der Erfolg gibt EinDollarBrille recht: Seit Bestehen hat die Organisation über 262.000 Menschen mit individuell angepassten, robusten und günstigen Brillen versorgt und 220 Arbeitsplätze geschaffen. Diese wurden in der Krise auch gehalten, um von der Expertise und Erfahrung der lokalen Fachkräfte auch beim Wiederanlauf der Projekte profitieren zu können. Vor diesem Hintergrund fordert Aufmuth die internationale Gebergemeinschaft daher auf, nicht-staatliche Akteure bei der Vergabe von Mitteln stärker zu berücksichtigen, die Vernetzung lokaler Akteure zu stärken sowie das Hauptaugenmerk auf positive Netzwerkeffekte und Nachhaltigkeit zu richten.

„Unsere Erfahrung zeigt: Unbehandelte Fehlsichtigkeit verbaut Perspektiven in Schule, Beruf und Alltag; sie ist deshalb ein hohes Risiko für zukünftige Armut“, erläutert Aufmuth. Zunehmend mehr Menschen in den Projektländern des EinDollarBrille e.V. sei das bewusst: „Die Nachfrage in der Bevölkerung war enorm, als wir in Burkina Faso unsere Shops wiedereröffnet haben“, berichtet Aufmuth. „Wir freuen uns deshalb gerade jetzt über weitere Unterstützung, werden gleichzeitig aber auch vor Ort sinnvolle Kooperationen mit lokalen Partnern speziell aus den Bereichen Gesundheit und Bildung verfolgen.“

 

Quelle: EinDollarBrille

 

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