Produkt: eyebizz  4/2019
eyebizz 4/2019
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Feuchte Brillenputztücher

Zum Alltag der rund 40 Millionen Brillenträger hierzulande gehört die tägliche Reinigung der Brillengläser. Besonders häufig kommen dabei feuchte Brillenputztücher zum Einsatz. Eine schnelle und einfache Sache einerseits, andererseits herrscht Unsicherheit darüber, ob diese Art der Brillenpflege nicht auf Dauer Glas und Beschichtung beschädigen. Nicht zu Unrecht, wie aktuelle Untersuchungen zeigen. eyebizz-Redakteur Jürgen Bräunlein fasst den Stand der Dinge zusammen.

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Foto: Fotolia/Ralf-Udo Thiele

Die sich selbstreinigende Brille wurde noch nicht erfunden. Staub, Schmutz, Fettreste legen sich auf die Gläser, vernebeln die Sicht. Sehr beliebt, weil leicht zu handhaben, sind feuchte Brillenputztücher. Das Angebot ist nicht klein: Rund ein Dutzend Hersteller gibt es. In der Regel enthalten die jeweils einzeln verpackten Tücher Wasser, Duftstoffe (meist Citrus-Duft), Tenside (anionisch oder nichtionisch), sowie Alkohol. Unbedenklich oder nicht?

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Schlechte Beschichtung oder schädigendes Putztuch?

 „Feuchte Brillenputztücher reinigen absolut unbedenklich“, lautete jedenfalls das Fazit einer Pressemitteilung vom Juni 2016, bei der gängige feuchte Brillenputztücher, bevor sie in den Handel kamen, auf ihre Unbedenklichkeit hin getestet wurden. „Sämtliche Inhaltsstoffe sind unschädlich für Brillengläser“, hieß das Ergebnis. Durchgeführt wurde die Untersuchung vom Institut für Physikalische Chemie der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Leitung Prof. Dr. Helga Dunken) in Zusammenarbeit mit der Firma RCP Ranstedt, die jährlich mehrere Milliarden feuchte Brillenputztücher für unterschiedliche Unternehmen produziert. Getestet wurden Brillengläser sowohl aus anorganischen Gläsern, als auch aus Kunststoff.

Zudem wurden rund 220 Schadensfälle begutachtet, die durch feuchte Brillenputztücher entstanden sein sollen. Auch hier gab die Pressemitteilung Entwarnung: „In 85 Prozent der Schadensfälle“, so war zu lesen, „lag die Ursache in einer qualitativ schlechten Beschichtung von kostengünstig produzierten Brillengläsern.“

Alkohol greift Kunststoff an

Alles also nur eine Frage der Qualität der Beschichtung? Doch so einfach scheint die Sachlage nicht zu sein. Markt, das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin des NDR, hat sich kürzlich ebenfalls des Themas angenommen und feuchte Brillenputztücher von sechs verschiedenen Herstellern unter die Lupe genommen. Prof. Stephan Degle von der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena, der die Untersuchung durchführte, kommt zu dem Ergebnis, dass der Inhaltsstoff Alkohol, der in vielen feuchten Brillenputztüchern enthalten ist, Kunststoffe durchaus angreifen kann. Als Beispiel führt er Brillengläser aus Polycarbonat an, wie sie aufgrund ihrer Stabilität und schweren Zerbrechlichkeit häufig in Sport- und Kinderbrillen zum Einsatz kommen.

Problematische Tenside

Britta Hoffmann von der Deutschen Augenoptik AG sieht dieses Problem ebenfalls, es betrifft ihrer Meinung nach nicht nur die Gläser: „Brillengläser befinden sich in einer Fassung, die nicht selten aus Kunststoffen oder auch Naturmaterialen besteht, die durch Alkohol beschädigt werden. Das hochwertige und besonders bei Sportbrillen eingesetzte Material TR90 beispielsweise bricht bei Einwirkung von Alkohol sehr schnell, andere Materialien werden oberflächlich angelöst und matt.“

Möchte der Endverbraucher Brillenputztücher ohne Alkoholzusatz erwerben, steht er allerdings vor dem Problem, dass die Hersteller erst bei einem Anteil von 20 Prozent dazu verpflichtet sind, den Inhaltsstoff auch auf der Verpackung zu deklarieren. Einige wenige Hersteller, darunter Aldi oder auch Zeiss, weisen ausdrücklich daraufhin, dass ihre Tücher keinen Alkohol enthalten.


Beschädigungen am Brillenglas durch Putztücher mit Alkohol

oder aggressiven Inhaltsstoffen sind möglich.


Britta Hoffmann hat aber auch dann Bedenken, wenn die feuchten Brillenputztücher ohne Alkohol auskommen: „Wir wissen, dass die populären anionischen Tenside als Reinigungssubstanzen zumindest bei Polycarbonatgläsern, und damit bei den meisten Sonnenbrillen, bedenklich sind und zu Materialschäden führen. Sie sind daher zur Reinigung von Flugzeugscheiben nicht zugelassen. Üblicherweise wird erst im Gebrauch verkratzt, und dann löst sich am Kratzer die Schicht. Besonders schnell in Verbindung mit Hautschweiß und Spülmittel.“

Handhabung kann Kratzer verursachen

In der Handhabung können feuchte Brillenputztücher noch andere Probleme verursachen, wie Prof. Degle im Rahmen seiner Untersuchung festgestellt hat. Schmutzpartikel, die vom verdreckten Brillenglas nach dem Öffnen auf das feuchte Putztuch kommen, können Kratzer verursachen. Mareike Noé vom  Marketingmanagement bei visall erklärt: „Auf schmutzigen Brillengläsern befindet sich neben Fett vor allem Staub in unterschiedlichen Korngrößen. Wird das schmutzige, trockene Glas mit einem Tuch, egal welcher Art, gerieben, um es zu reinigen, so kratzen diese Staubpartikel über das Glas. So kommt es zu feinen Kratzern, deren Sichtbarkeit – mit bloßem Auge oder mit Vergrößerung – von der Größe und der Beschaffenheit der Staubkörner abhängt.“

Besser wäre es, so Noé weiter, man verwendet „ein hochwertiges, sauberes Mikrofaserbrillenputztuch.“ Der Vorteil: „So können sich die Staubpartikel in das Tuch eindrücken und zwischen den Fasern aufgenommen werden. Die auf das Brillenglas ausgeübte Kraft ist geringer. Dadurch fallen die Kratzer in der Regel geringer aus als bei einem dünnen Feuchttuch, bei dem die Staubpartikel auf der Oberfläche bleiben.“

Ein Hoch aufs Mikrofasertuch

Auch Prof. Stephan Degle von der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena favorisiert herkömmliche Mikrofasertücher. Bei seiner Untersuchung kam er noch zu einem weiteren, für Endverbraucher überraschenden Ergebnis: Feuchte Brillenputztücher beseitigen fettige Fingerabdrücke auf der Glasoberfläche nur unzureichend, herkömmliche Mikrofasertücher hingegen entfernen den Fettfilm nahezu komplett.


Feuchte Brillenputztücher sind nicht als Dauerlösung geeignet.


Fazit: Feuchte Brillenputztücher sind sicherlich bequem in der Anwendung, aber „als Dauerlösung nicht wirklich geeignet“, wie zum Beispiel auch von Zeiss offiziell erklärt wird. Zudem ist der oft starke Citrus-Duft dieser Tücher nicht jedermanns Geschmack. Wer also mit seiner kostbaren Sehhilfe auf Nummer sicher gehen will, sollte seine Brille zunächst unter Wasser abspülen und bei starker Verschmutzung einen Tropfen Spülmittel dazugeben. Danach mit einem weichen Tuch aus Baumwolle oder Mikrofaser trocken reiben. Dann Brille aufsetzen und gut ist.

(jueb)

 

Produkt: eyebizz  2/2019
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