Produkt: eyebizz  2/2019
eyebizz 2/2019
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Dieter Funk

Der Acetat-Enthusiast

Wer sind die Menschen hinter den Brillen? Wessen Ideen beeinflussen das, was Hersteller produzieren, Außendienstler in Läden bringen, Augenoptiker verkaufen und Menschen auf der Nase tragen? eyebizz portraitiert die Kreativen der Branche. Diesmal ist es Dieter Funk, Gründer und Designer von Funk Eyewear.

Funk Eyewear-Dieter Funk-Fertigung
Dieter Funk in der Fertigung seiner Brillenmanufaktur (Foto: Funk/Felix Baab Photography)

„Das Gesicht ist die Präsentationsfläche, die man als Erstes bei Menschen sieht, und dafür ein Produkt zu schaffen, ist doch großartig“, sagt Brillendesigner Dieter Funk. Schon während seiner Ausbildung zum Augenoptiker in einem eher konservativ-klassisch ausgerichteten Betrieb in Kaufbeuren bastelte der 50-Jährige an eigenen Entwürfen und kreierte eine erste Acetat-Fassung. Bis heute ist das Naturprodukt Acetat sein Lieblingsmaterial. Schließlich böte es schier grenzenlose Gestaltungsmöglichkeiten bei Zuschnitt, Schichtung, Bearbeitung, Färbung, Politur . . . , schwärmt er.

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Modell Alboin aus dem Lieblingsmaterial Acetat (Foto: Funk)

Funk ist ein quirliger Selfmade-Unternehmer, der auch als DJ und Eventveranstalter von sich reden macht. Dabei beließ er es nie bei bloßer Schwärmerei. Gedanken sind frei, das sei das eine, die technische Machbarkeit beim finalen Weiterentwickeln zu berücksichtigen das andere. Für den Designer gehören Pragmatismus und Marktanalyse zum Geschäft dazu. So führte er sein unabhängiges Label Funk zum internationalen Erfolg und bleibt bis heute offen auch für abgefahrene Trends.

Zuerst hat Dieter Funk Brillenetuis designt, dann widmete er sich dem Inhalt. Funk-Sonnenbrillen, 1993 lanciert, sorgten für großes Aufsehen, doch erst nachdem sie auf der Londoner Modemesse gezeigt wurden. Extravagante Fassungen, die mit schräger 70er-Jahre Ästhetik spielten und so verrückt daherkamen, dass sie ans Untragbare grenzten. Das war beabsichtigt. „Wir hatten kein Geld für Werbung, das Kreativ-Verrückte was das Konzept.“ Das funktionierte. Bis nach Tokio schaffte es die Kollektion in großer Stückzahl. Auch auf der Love Parade in Berlin waren die Kreationen in den folgenden Jahren viel zu sehen. 2004 folgte die erste optische Kollektion, 2008 mit „Funk Food – always fresh eyewear“ die Trendmarke mit größerer Reichweite.

Gemeinsam mit Ehefrau Sashee Schuster, die unter ihrem Namen eine feminine, sehr extravagante Brillenlinie beisteuert, hat Dieter Funk ein – laut Dorfchronik – 1469 erbautes Gehöft in Kinsau im Pfaffenwinkel zu einem imponierenden Optiker-Paradies umbauen lassen: 1.300 Quadratmeter stehen zum Wohnen und Arbeiten zur Verfügung. Nicht nur ein Funk Optik Store ist hier untergebracht, sondern seit 2006 auch eine Brillenmanufaktur im oberen Stockwerk. Dort ist der Brillendesigner in der Regel schon in aller Herrgottsfrühe anzutreffen.


„Ideen kommen nicht auf Knopfdruck.“


Wie kommt der schöpferische Prozess in Gang? „Mit einer Flasche Rotwein“, sagt Funk halbernst. Nein, auf Knopfdruck sei Kreativität nicht abrufbar. Man könne sie jedoch befördern mit angenehmer Umgebung und entspannter Grundhaltung. Skizzen stünden immer am Anfang. Seine größte Stärke: Vorstellungskraft. So habe er die Fähigkeit, sich einen Entwurf auf dem Papier sofort auch als dreidimensionales Objekt vorstellen zu können. Sind die Daten einprogrammiert, liefert eine CNC-Maschine die ersten Modelle.

Mit Vorliebe gibt Funk seinen Brillen Namen von altertümlichen Herrschern und Gestalten aus der Mythologie. Die neuesten Acetat-Modelle mit sehr filigran gestalteten Fronten und Bügeln aus Federbronze heißen wie die Langobardischen Könige. Entwürfe, bei denen der Designer auf einen Titan-Acetat-Mix zurückgreift, tragen die Namen von römischen Kaisern wie Nero, Hadrian oder Lucius. Kürzlich arbeitete Funk mit dem Sattler und Schuhmacher Mauro Testella zusammen. Entstanden sind Brillen, die – wenn man von einem dünnen Metallkern absieht – komplett aus Kalbsleder bestehen.

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Titan-Acetat-Mix bei Modell Antinoos (Foto: Funk)

In Skandinavien kommt Funk Eyewear besonders gut an, auch in der Schweiz, überhaupt in Mitteleuropa. „Meine Brillen brauchen ein aufgeschlossenes Publikum, und das ist in der Regel eher in Städten als in ländlichen Gebieten zu finden“, sagt Funk und schwärmt wieder. Brillen seien nicht nur schöne Produkte, sondern auch imagesteigernd. Die These überzeugt: Joko Winterscheidt, Kultmoderator und Brillenträger des Jahres 2015, hat Funk auf der Nase, ebenso Oscar-Gewinner Steve McQueen („12 Years a Slave“) und Rockstar Lenny Kravitz.

Dass ihm nach über 25 Jahren Brillendesign Inspiration und Spirit ausgehen, glaubt Dieter Funk nicht. Im Gegenteil. Was sich bei ihm an Ideen angestaut habe, reiche locker für die nächsten zwei Jahre. Wie gut. Im Lager warten ja auch rund 8.000 Kilogramm Rohmaterial auf ihn.

(jueb)

 

Dieter Funk:

  • Jahrgang 1966
  • Ausbildung zum Augenoptiker in Kaufbeuren
  • 1992 Gründung von Funk International GmbH
  • 1993 erste Kollektion mit Funk-Sun-Brillen
  • seit 2006 eigene Brillenmanufaktur
  • drei eigene Labels: Dieter Funk, Funk Food und Sashee Schuster
  • Funk Optik Stores in Berlin, München und Kinsau
  • Kontakt: www.funk-eyewear.com

 

 

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