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Selbstbildnis

Herbert Ploberger: Der Maler als Augenarzt

In den 1920er Jahren sind Fotografien und Gemälde mit Brillenträgern keine Seltenheit. Die Technik, die sich seit dem Ersten Weltkrieg rasant entfaltet, beschert Rundfunk, Automobil, Grammophon, Schnellzüge, Elektrizität im Haushalt und Fortschritte in der Optik. Besonders das noch lange nicht erforschte Wunderwerk „Auge“ elektrisiert die Menschen, wie bei Herbert Ploberger.

Das Gemälde des österreichischen Malers Herbert Ploberger (1902 – 1977) aus dem Jahre 1928/30 ist Ausdruck davon. Ploberger thematisiert das Sehen – mit und ohne Brille. Der Mann im sterilen weißen Kittel hat das rechte Auge zugekniffen, als teste er das linke. Die dunkle, runde Fassung – vermutlich aus Horn und Metall – ist modisch auf der Höhe der Zeit. Auf dem Tisch liegt ein anatomisches Augenmodell, inklusive Knochenstück und Muskelfasern, und ein Augapfel mit durchbluteter Gewebehülle.

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Herbert Ploberger: Selbstbildnis mit ophthalmologischen Modellen
Herbert Ploberger „Selbstbildnis mit ophthalmologischen Modellen“ (1928) (Bild  redit: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, erworben mit Unterstützung der Münchner Rückversicherungs-Gesellschaft)

Ploberger war ein Vertreter der Neuen Sachlichkeit, ein Zeitgenosse von Otto Dix und George Grosz. Das Ölgemälde ist eines der wenigen Selbstportraits von ihm, und was hier gleichermaßen fasziniert wie überrascht: Es ist ein Selbstportrait des Malers als Augenarzt.

/// Jueb

 

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