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Interview mit dem Heidelberger Augenarzt

Dr. Katlun: Über Sportmedizin und Augengesundheit

Dr. Thomas Katlun hat sich seit 35 Jahren als Augenarzt und Sportmediziner einen Namen in der Augenheilkunde gemacht. 2005 erfolgte der Einstieg und die Übernahme einer augenärztlichen Praxis in Heidelberg. Für das Sport-Extra hat eyebizz mit ihm unter anderem über die Wichtigkeit guten Sehens im Sport und die Augengesundheit in der Sonne und beim Sport gesprochen.

Dr. Thomas Katlun Augenarzt Heidelberg Augengesundheit Sportmedizin
Seit 35 Jahren sammelt Dr. Thomas Katlun als Augenarzt Erfahrung in Sachen Augenheilkunde. Im Juni ist er einer der Referenten bei der eyebizz Conference in Mannheim (© Dr. Thomas Katlun)

Schon vor 2005 – mit dem Ende der Facharzt-Ausbildung – beschäftigte sich Katlun immer mit den aktuellen Möglichkeiten der Ophthalmologie. „Dies waren und sind neben der Excimer-Behandlung von Fehlsichtigkeiten über Weiterentwicklungen von Untersuchungs-Methoden natürlich auch die Behandlungs-Methoden von unterschiedlichen Erkrankungen“, sagt der erfahrene Augenarzt.

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Seit einiger Zeit liegt der Schwerpunkt in der Heidelberger Praxis in der Kinder- und Sportaugenheilkunde, die vom Säugling über die Myopie-Behandlung bei Jugendlichen bis hin zu Untersuchungen bei Sportlern aller Leistungsklassen und unterschiedlicher Sehvermögen (Sehbehinderte- und Blindensport) reicht. Katlun: „Selbstverständlich werden aber auch alle anderen gängigen Untersuchungen von der Vorsorge bis hin zur Makuladegeneration in unserer Praxis angeboten.“

Individuelle Betreuung

An der Ophthalmologie gefalle ihm besonders die „Mischung aus physikalischen Grundlagen, die schon seit Jahrzehnten bekannt sind, und den faszinierenden Möglichkeiten, die uns Medizinern mit der Entwicklung der Algorithmen – also Künstliche Intelligenz – geboten werden.“ Dabei stehe immer eine individuelle Betreuung der Menschen im Vordergrund.

Für das Extra der Ausgabe 3.2024 hat eyebizz mit Dr. Thomas Katlun unter anderem über die Wichtigkeit guten Sehens im Sport und die Augengesundheit in der Sonne und beim Sport gesprochen. Mehr ins Detail geht der Augenarzt mit seinem Vortrag am 16. Juni in Mannheim auf der Bühne der eyebizz Conference zu den Themen Myopie-Management und Augengesundheit. Darauf dürfen sich die Konferenzbesucher gewiss freuen!

/// IR

 


 

„Auf dem Fahrrad ist häufig die Bifokalbrille eine bessere Wahl“

eyebizz: Herr Dr. Katlun, angenommen, Sie stellen bei einem 12-Jährigen eine Kurzsichtigkeit von –1,25 dpt auf dem einen und –0,25 dpt auf dem anderen Auge fest. Thematisieren Sie bei den Eltern dann die Wichtigkeit guten Sehens auch und gerade im Sport oder überlassen Sie das lieber einem Augenoptiker?

Dr. Thomas Katlun: Das ist ein interessantes Thema, weil natürlich das binokulare Sehen im Sport von Bedeutung und sehr wichtig ist. Ich würde in diesem Fall eine einseitige Kontaktlinsen-Versorgung anbieten, was aber auch gerne der Augenoptiker machen darf. Dem Jungen bleibt dann nichts anderes übrig, als das auszuprobieren. Beim Schwimmen, wo er die Linse ohnehin nicht tragen sollte, kommt er sicher ohne Probleme klar, aber wie sieht das bei anderen Sportarten aus? Auf jeden Fall sollte er nach sechs Monaten zur Kontrolle reinschauen.

Was ist eher wahrscheinlich, dass eine Fehlsichtigkeit die Sicherheit oder die Leistungsfähigkeit beim Sport mindert?

Grundsätzlich liegt das in der Eigenverantwortung eines Sportlers, aber es gibt natürlich auch Sportarten, bei denen ein gutes Sehen noch mal wichtiger für die Sicherheit ist: Klettern zum Beispiel oder auch Segeln. Fraglich ist aber, ob ich einem Fußballer bei entsprechenden Werten mit einer Brille etwas Gutes tue, wenn er keine Kontaktlinsen tragen kann.

 

Perspektivisch wünsche ich mir eine bessere Zusammenarbeit, die nach klaren Regeln funktioniert.

 

Pauschal betrachtet, steigert gutes Sehen sicher die Leistungsfähigkeit, aber ich habe schon Profisportler kennengelernt, die ziemlich hohe Anisometrien locker weggesteckt haben. Man kann das nur individuell von Fall zu Fall beantworten.

Sport bei Tages- und Sonnenlicht ist wohl unbestritten gut für die Seele. Auf welchen Schutz für die Augen sollten Sportler dann aber keinesfalls verzichten, und welche Features einer Sportbrille sind möglicherweise aus medizinischer Sicht eher zu vernachlässigen?

Grundsätzlich ist der UV-Schutz wichtig. Segler, Bergsteiger oder Skifahrer zum Beispiel benötigen in ihren besonderen Situationen auch einen besonderen Schutz vor seitlich einfallender Strahlung. Generell ist hier der Augenoptiker der bessere Ansprechpartner, denn es geht ja auch um den richtigen und guten Sitz einer Sonnenbrille, um die Anpassung und um die richtige Korrektur. Zur zweiten Frage. Auf die Gleitsichtbrille fürs Wandern könnte man wohl verzichten, und auf dem Fahrrad ist auch häufig die Bifokalbrille eine bessere Wahl.

Arbeiten Sie derzeit mit Augenoptikern in der Augengesundheits-Vorsorge zusammen?

Nein, eine offizielle Zusammenarbeit gibt es derzeit nicht, aber einige Augenoptiker melden sich bei uns, wenn sie Fragen haben. Aus Gesprächen mit Kollegen weiß ich, dass vor Ort in der Regel eine gute Zusammenarbeit zwischen Augenärzten und Augenoptikern und Optometristen möglich ist.

Sie haben möglicherweise von dem Augen-Check-Up von Fielmann und Ocumeda gehört. Wie sinnvoll ist dieses Angebot aus Ihrer Sicht, wie werten Sie grundsätzlich Screening-Angebote bei Augenoptikern?

Diese Entwicklung aus meiner Sicht zu beurteilen ist schwierig. Aber als einer von 5.800 Augenärzten in Deutschland für 85 Millionen Menschen verantwortlich zu sein, ist auch nicht befriedigend. Wir können nicht alle untersuchen. Perspektivisch wünsche ich mir eine bessere Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Optikern, die nach klaren Regeln funktioniert.

Können Sie in Ihrer Praxis einen direkten Zusammenhang zwischen einer vermehrten Nutzung digitaler Geräte und Kurzsichtigkeiten bei Kindern oder Jugendlichen erkennen? Anders gefragt, sind die Myopien Ihrer jungen Patienten mehr und stärker geworden in den vergangenen Jahren?

Gefühlt ja, aber es gibt keine empirische Untersuchung dazu. Es könnte genauso gut sein, dass sich unsere Myopie-Profilaxe, die wir bei uns in der Praxis anbieten, mittlerweile herumgesprochen hat, sodass mehr betroffene Kinder und Jugendliche diesbezüglich zu uns kommen.

Warum sollte jemand im Rahmen eines Myopie-Managements bei einem Augenarzt vorstellig werden?

Alleine schon, weil eine Myopisierung auch durch eine Erkrankung kommen kann oder nach sich zieht.

Welche für die Augengesundheits-Vorsorge relevanten Themen beherrschen derzeit die Ophthalmologie?

Einige. Digitalisierung und Vernetzungs-Möglichkeiten, die Entstehung von Medizinischen Versorgungs-Zentren, wobei wir beim nächsten Thema wären: dem Fachkräftemangel. Aber es dreht sich auch vieles um Implantationen, Linsenchirurgie und um die besseren Diagnose-Möglichkeiten bei einer Makuladegeneration. Natürlich ist auch die Myopisierung und die Myopie-Profilaxe bei den Augenärzten hierzulande längst angekommen.


/// Die Fragen stellte Ingo Rütten.

 

Artikel aus der eyebizz 3.2024 (April/Mai)

 

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