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Forscher erstellen Diagnose-Modelle

Studie erklärt Augen-Probleme nach Covid-Erkrankung

Laut einer Studie der Universität Linköping kann ein milder Covid-19-Verlauf schwere und lang-anhaltende Augenprobleme verursachen. Die Studie erklärt auch, warum es für Betroffene schwierig war, Hilfe zu erhalten: Die Auffälligkeiten im Sehverhalten lassen sich mit Standardmethoden nicht feststellen.

Prof. Neil Lagali: study covid-19 eye problems (c Berit Bystroem / University Linkoeping Sweden)
Forscht seit Jahren zu diesem Thema: Neil Lagali, Professor für experimentelle Augenheilkunde, neben Geräten zur Untersuchung der Augen (Bild: Berit Byström / Universität Linköping)

„Ich halte es für sehr wichtig, dass das Problem erkannt wird und dass wir zeigen, dass es durch objektive Tests gemessen werden kann. Patienten haben heute keinen Zugang dazu. Wir haben Menschen in Schweden untersucht, glauben aber, dass viele Menschen weltweit unter diesen Problemen leiden“, sagt Neil Lagali, Professor für experimentelle Augenheilkunde an der Universität Linköping, der die in „Nature Communications“ veröffentlichte Studie leitete.

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Ausgangspunkt der Studie waren Menschen, die nach einer leichten Covid-19-Infektion wegen Augenproblemen ärztliche Hilfe suchten. Sie litten unter starken Beschwerden, Lichtempfindlichkeit und in vielen Fällen unter starken Augenschmerzen, Schwierigkeiten beim Lesen und beim Fokussieren des Blicks.

Erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität

Nach der Untersuchung der Betroffenen stellte das Forschungs-Team fest, dass das Problem nicht nur hinsichtlich der Prävalenz, sondern auch hinsichtlich der Auswirkungen auf die Lebensqualität erheblich war. Unter den Betroffenen befanden sich Menschen, die ihr Studium oder ihre Arbeit fortsetzen wollten, dazu aber nicht in der Lage waren, da sie keine Texte mehr lesen konnten und unter Schmerzen sowie extremer Augen-Ermüdung litten. Medizinisches Fachpersonal konnte weder eine Augenfehlfunktion feststellen noch eine Erklärung für die Symptome liefern, geschweige denn eine Diagnose stellen.

In der aktuellen Studie untersuchten die Forscher 100 Personen mit Augenproblemen nach einer Covid-19-Erkrankung, die nicht ins Krankenhaus eingewiesen worden waren. Sie litten seit drei Monaten bis zu drei Jahren unter Augenproblemen, und jeder Dritte war ganz oder teilweise krankgeschrieben. Die Forscher verglichen die betroffene Gruppe mit einer Kontrollgruppe von 32 Personen, die ebenfalls einen leichten Covid-19-Verlauf hatten, jedoch keine Augenprobleme aufwiesen.

„Wir stellten fest, dass die bei den Betroffenen auftretenden Probleme mit Standardtests nicht nachweisbar waren. Wir mussten spezielle Untersuchungen durchführen, um Abweichungen festzustellen. Dann fügten sich die Puzzleteile zusammen, und wir fanden Erklärungen für die Symptome“, sagt Neil Lagali.

Covid: Entzündungen und Auswirkungen auf die Nerven

In ihrer Studie stellten die Forscher langfristige Entzündungen und eine Verschlechterung verschiedener Augenfunktionen fest, die von den Nerven im Gehirn gesteuert werden.

Einer der fortgeschrittenen Tests umfasste die Proteomik, bei der eine Vielzahl von Proteinen in der Tränenflüssigkeit analysiert wird. Bei Personen mit Augenproblemen stellten die Forscher ein abnormales Muster von Proteinen fest, die Nerven und Immunzellen, sogenannte T-Zellen, regulieren. Die Ergebnisse stimmten mit den Befunden der hochmodernen Augenmikroskopie überein, mit der sie die T-Zellen und Nerven im Auge gemessen hatten. Bemerkenswerterweise wurde dasselbe Proteinmuster in anderen Studien bei schweren und tödlichen Covid-Verläufen im Blut und im Gewebe festgestellt.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Menschen eine schwere Reaktion auf Covid-19 erlitten haben, die sich in den Augen manifestierte – mit einer langfristigen Entzündung und Auswirkungen auf die Nerven, die verschiedene Augenfunktionen steuern“, sagt Petros Moustardas, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Linköping und Hauptautor der Studie, der die Proteomik-Analysen durchführte.

Ungewöhnliche Symptome erklärt

Viele der Betroffenen reagierten sehr empfindlich auf Licht. Die Forscher können nun eine Erklärung dafür liefern: Ihre Pupillen ließen zu viel Licht ins Auge eindringen. Die beeinträchtigte Pupillenfunktion stand zudem im Zusammenhang mit Kopfschmerzen, Schwierigkeiten beim Lesen von Texten und bei der Fokussierung der Augen.

Eine weitere Erkenntnis war, dass beide Augen nicht normal zusammenarbeiten konnten. Dieses als Strabismus oder Schielen bezeichnete Phänomen tritt fast ausschließlich bei kleinen Kindern auf. Diese Form des im Erwachsenen-Alter auftretenden Strabismus ist ungewöhnlich. Laut Neil Lagali lässt sich dies dadurch erklären, dass die Nerven, die die Augenmuskeln steuern, beeinträchtigt wurden.

Ein Schritt in Richtung Diagnose

Die verschiedenen von den Forschern entdeckten Anomalien deuten auf ein Augensyndrom hin, das im Anschluss an eine Covid-19-Erkrankung auftritt. Um Diagnosekriterien zu entwickeln, die es heute noch nicht gibt, haben die Forscher zwei Diagnosemodelle entworfen. Ein Modell stützt sich ausschließlich auf Messungen mit Geräten, die üblicherweise in Augenkliniken größerer Universitätskliniken zu finden sind. Im zweiten Modell werden einige Proteinwerte aus der Tränenflüssigkeit hinzugezogen, wodurch es noch genauer wird.

„Diese Menschen haben im Alltag wirklich zu kämpfen. Jetzt wissen wir, was mit ihren Augen nicht stimmt, und haben mehrere Anhaltspunkte dafür, wie Covid-19 diese Probleme verursacht haben könnte. Wir hoffen, dass die Ergebnisse zu einer wirksamen Behandlung führen und dass sich ihre Probleme langfristig bessern werden, aber leider wissen wir das noch nicht“, sagt Neil Lagali.

Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit Helen Setterud und Björn Johansson von der Augenklinik des Universitätsklinikums Linköping sowie Partnern der Linnaeus-Universität in Kalmar durchgeführt. Finanziert wurde die Studie vom Schwedischen Forschungsrat.

 

Quelle: Universität Linköping

 

Article: Long-term ocular symptoms following COVID-19 linked to immune dysregulation, dysautonomia and peripheral neuropathy. Petros Moustardas, Helen Setterud, Helena Meijer, Gunnel Andersson, Jenny Roth, Ava Dashti, Björn Johansson, António Felipe Macedo and Neil Lagali, (2026), Nature Communications, published 8 July 2026, doi: 10.1038/s41467-026-74858-4