Rupp + Hubrach: Wissenschafts-Preis für Vanessa Marie Brauer
von Redaktion,
Der diesjährige Wissenschafts-Preis für Augenoptik von Rupp + Hubrach (R+H) geht an Vanessa Marie Brauer von der Ernst-Abbe-Hochschule Jena. Ausgezeichnet wurde ihre Bachelor-Arbeit „Kurzzeit-Auswirkungen von LED-Rotlicht auf relevante okuläre Parameter im Myopie-Management zu unterschiedlichen Tageszeiten“.
Rupp + Hubrach Wissenschafts-Preis 2026 zum Thema Rotlicht-Therapie: Vanessa Marie Brauer mit Lichtbox (Bild: Rupp + Hubrach)
Darin untersucht sie eine Fragestellung, die angesichts der weltweit steigenden Myopie-Prävalenz zunehmend an Bedeutung gewinnt: Kann der Zeitpunkt einer Rotlicht-Therapie deren Wirksamkeit beeinflussen?
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„Die Arbeit greift ein hochaktuelles Forschungsthema auf und verbindet wissenschaftliche Sorgfalt mit einer klaren klinischen Fragestellung. Die Ergebnisse liefern wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung des Myopie-Managements und zeigen, wie wichtig wissenschaftlicher Nachwuchs für die Zukunft der Augenoptik ist“, so Christian Pflaum, Geschäftsführer von R+H.
Tageszeit als möglicher Schlüsselfaktor
Die Prävention und Kontrolle einer fortschreitenden Myopie gehört heute zu den zentralen Aufgaben der Optometrie. Neben etablierten Maßnahmen wie speziellen Brillengläsern, Kontaktlinsen, Atropin oder vermehrtem Aufenthalt im Freien rücken auch chromatische Licht-Interventionen zunehmend in den Fokus der Forschung. Diese stellten eine Alternative zum nachgewiesen riskanten Einsatz der laserbasierten „Repeated low-level red-light Therapy“ (RLRL) dar.
Vanessa Marie Brauer untersuchte in ihrer prospektiven Studie erstmals systematisch, welchen Einfluss die Tageszeit einer LED-Rotlicht-Exposition auf zwei zentrale okuläre Parameter hat: die Achslänge des Auges sowie die Aderhautdicke. Insgesamt nahmen 34 Probandinnen und Probanden an der Untersuchung teil, die sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag unter identischen Bedingungen mit rotem LED-Licht beleuchtet wurden. Vor und nach jeder Belichtung wurden die Achslänge sowie die Aderhautdicke präzise vermessen.
Unterschiedliche Wirkung je nach Tageszeit
Die Ergebnisse zeigten einen signifikanten Einfluss der Tageszeit auf kurzfristige Veränderung der Achslänge moderat myoper Augen ab –3 dpt. Während eine Belichtung am Vormittag zu einer leichten Verlängerung der Achslänge führte, wurde nach einer Belichtung am Nachmittag eine Verkürzung beobachtet. Für die Aderhautdicke konnte hingegen kein signifikanter Einfluss der Tageszeit nachgewiesen werden. Ebenso ließ sich kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Veränderungen der Achslänge und der Aderhautdicke feststellen.
„Auf das Thema wurde ich durch meine Betreuerin Josefine Dolata aufmerksam, deren Forschungs-Schwerpunkt im Bereich Licht liegt. Die Verbindung zwischen Licht und Myopie-Prävention hat mich sofort fasziniert. Die Ergebnisse meiner Arbeit sind aus meiner Sicht besonders relevant, weil sie darauf hindeuten, dass die Wirkung von Licht sowohl von der Tageszeit als auch vom Grad der Myopie abhängen könnte. Daraus ergeben sich neue Ansätze für einen noch gezielteren Einsatz chromatischer Licht-Interventionen im Myopie-Management“, so Brauer.
Relevanz für Forschung und Praxis
Die Arbeit verdeutliche, dass nicht allein die Lichttherapie selbst, sondern möglicherweise auch der Zeitpunkt ihrer Anwendung entscheidend für den therapeutischen Effekt sein kann. Die Ergebnisse legen nahe, dass künftige Studien zur Rotlicht-Therapie die Tageszeit der Licht-Intervention stärker berücksichtigen sollten.
Die Preisträgerin kommt daher zu dem Schluss, dass die Tageszeit der Rotlicht-Exposition maßgeblich über den potenziellen Erfolg einer LED-Rotlicht-Therapie im Myopie-Management entscheiden könnte. Gleichzeitig zeige die Studie, dass weitere Untersuchungen erforderlich sind, um die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen sowie mögliche Langzeit-Effekte besser zu verstehen.
Auch ihre Betreuerin Josefine Dolata, M.Sc., hebt die wissenschaftliche Entwicklung der Preisträgerin hervor: „Aus einer zunächst eher zurückhaltenden Studentin entwickelte sich im Laufe ihrer Bachelor-Arbeit eine selbstbewusste Fachkollegin auf Augenhöhe. Die Aufnahme von Vanessa in unser Forschungsteam ‚Licht‘ war wissenschaftlich, fachlich und menschlich ein großer Gewinn. Sie hat Ideen nicht nur hervorragend umgesetzt, sondern kritisch hinterfragt und konsequent weiterentwickelt. Umso mehr freue ich mich darauf, sie auch im Rahmen ihrer Master-Arbeit und weiterer Forschungs-Projekte zu chromatischen Licht-Interventionen im Myopie-Management begleiten zu dürfen.“
Beitrag zur Weiterentwicklung des Myopie-Managements
Mit ihrer Arbeit leiste Vanessa Marie Brauer einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Forschung rund um innovative Ansätze der Myopie-Kontrolle. Gerade weil das Myopie-Management in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen hat, können neue wissenschaftliche Erkenntnisse dazu beitragen, bestehende Therapiekonzepte weiterzuentwickeln und zukünftig noch gezielter einzusetzen, so Rupp + Hubrach.
Die feierliche Übergabe des Wissenschafts-Preises von Rupp + Hubrach findet am 27. Oktober 2026 in der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena statt.