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Katarina Sipple: Potenzial für Mischbetriebe

Meinung: Warum die EUHA auch für Augenoptiker interessant ist

Augenoptik und Hörakustik haben zunehmend Gemeinsamkeiten: Beide versorgen Menschen mit Sinnes-Beeinträchtigungen. Beide leben von Vertrauen, Präzision und persönlicher Beratung. Beide stehen unter wachsendem wirtschaftlichem Druck. Und beide müssen Antworten auf dieselben Fragen finden: Wie begegnen wir dem Fachkräftemangel? Wie nutzen wir Künstliche Intelligenz sinnvoll? Wie digitalisieren wir Prozesse, ohne den persönlichen Kontakt zu verlieren? Und wie schaffen wir ein Einkaufserlebnis, das Kunden dem Online-Handel vorziehen? Wer glaubt, diese Fragen seien ausschließlich Themen der jeweils eigenen Branche, denkt zu klein.

Katarina Sipple (BVHI) organisiert unter anderem die EUHA-Messe
Katarina Sipple (BVHI) organisiert unter anderem die EUHA-Messe (Bild: BVHI)

Der demografische Wandel macht die Gemeinsamkeiten noch deutlicher. Unsere Gesellschaft wird älter – und bleibt gleichzeitig länger aktiv. Mit zunehmendem Alter nehmen Seh- und Hörbeeinträchtigungen gleichermaßen zu. Kundinnen und Kunden wünschen sich kompetente Ansprechpartner für ihre Sinnesgesundheit – idealerweise an einem Ort.

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Diese Entwicklung verändert den Markt bereits heute. In Deutschland gibt es laut den Zahlen aus dem Jahr 2025 der Bundesinnung der Hörakustiker (biha) rund 7.500 Hörakustik-Fachgeschäfte, betrieben von etwa 2.700 Unternehmen und laut des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen 10.700 Augenoptikbetriebe. Gleichzeitig wächst die Zahl der Betriebe, die Augenoptik und Hörakustik miteinander verbinden. Große Filialisten haben dieses Potenzial längst erkannt. Doch gerade für inhabergeführte Unternehmen eröffnet die Verbindung beider Bereiche neue Chancen, wirtschaftlich und strategisch.

Die internationale Industrieausstellung im Rahmen des 70. Internationalen Hörakustiker-Kongresses vom 14.-16. Oktober in Hannover wird vom Bundesverband der Hörsysteme-Industrie (www.ausstellung-euha.org) organisiert. Ihr Aussteller- und Besucherspektrum ist weit größer als die „reine“ Hörakustik. Besucher aus der Augenoptik werden überrascht sein, wie breit die internationale Industrieausstellung aufgestellt ist. Über die Jahre hat sie sich nicht nur zur weltweiten Leitmesse für Hörakustik entwickelt. Zugleich nahm die Zahl der Aussteller zu, die beide Branchen bedienen.

52 Prozent der Aussteller kommen aus Deutschland, 48 Prozent sind international; darunter Software-Unternehmen, Ladenbau-Firmen, Versicherungen, Weiterbildungsinstitutionen, KI-Software-Anbieter, Marketing-Firmen. Auch bei den Vortragsthemen geht es um aktuelle Herausforderungen beider Branchen. Unter anderem um bessere und effizientere Organisation im Fachgeschäft (welche Tools und Kommunikationssysteme mache ich mir zunutze?) und KI-Anwendungen für Anpassung oder Kundenkommunikation. Experten aus der Praxis berichten, welche Synergien zwischen Augenoptik und Hörakustik möglich sind, wie man sich erfolgreich selbstständig macht oder einen Betrieb gegründet.

 

Zukunft entsteht nicht allein innerhalb der eigenen Komfortzone.

 

Ich bin überzeugt: Die erfolgreichsten Fachgeschäfte der kommenden zehn Jahre werden diejenigen sein, die sich nicht allein über ihre Produkte definieren, sondern über ihre Kompetenz als Gesundheitsdienstleister. Sie betrachten Sehen und Hören nicht isoliert, sondern ganzheitlich. Sie nutzen technologische Möglichkeiten und behalten den Menschen im Mittelpunkt.

Wie grundlegend sich unser gesellschaftlicher Blick auf Gesundheit und ein gesundes Leben verändert, zeigt die Zukunftsforscherin Anja Kirig in dem Whitepaper „Longevity und Prävention: Neue Chancen und Perspektiven für die Hörakustik“. Es entstand im Rahmen des Webinars „Longevity und Hörgesundheit“ des Bundesverbands der Hörsysteme-Industrie (BVHI). Ihre Beobachtungen zum gesellschaftlichen Wandel und zur veränderten Rolle des Fachhandels lassen sich dabei gleichermaßen auf die Hörakustik und die Augenoptik übertragen.

Alternde Gesellschaften und eine zunehmende Individualisierung rücken gesunde, selbstbestimmte Lebensjahre in den Fokus. Entscheidend ist weniger die Lebensdauer, der sogenannte Lifespan, sondern vor allem die möglichst lange Gesundheitsspanne, der Healthspan. Für Augenoptiker und Hörakustiker eröffnet diese Entwicklung neue Möglichkeiten: in der Kundenansprache, in der Beratung und bei der Erweiterung ihres Leistungsangebots.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft des EUHA-Kongresses 2026: Zukunft entsteht nicht allein innerhalb der eigenen Komfortzone. Sie entsteht dort, wo sich die Erfahrungen, Kompetenzen und Perspektiven verschiedener Branchen sinnvoll ergänzen.

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Katarina Sipple leitet seit September 2018 die Kommunikation und Events beim Bundesverband der Hörsysteme-Industrie e.V. (BVHI). Unter anderem ist sie für die Organisation der EUHA-Indu­strie-Ausstellung verantwortlich. Kontakt unter E-Mail: sipple@bvhi.org.

 

Artikel aus der eyebizz 5.2026 (September/Oktober)