Neue Studie mit besorgniserregenden Prognosen

Sehbehinderung und Blindheit: Negativer Trend bis 2050

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich auf die Fahnen geschrieben, bis 2019 vermeidbare Ursachen von Blindheit und Sehbehinderungen um 25 Prozent zu reduzieren. Jetzt schlagen Experten zum Welttag des Sehens in einer neuen Studie Alarm, die Zahl der Betroffenen könne drastisch steigen.

Neue Prognosen zur weltweiten Entwicklung von Sehbehinderung und Blindheit

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Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sei kaum noch erreichbar, berichte die International Agency for the Prevention of Blindness (IAPB) in ihrem Vision Atlas im Fachblatt „The Lancet”. Vielmehr werde der Anteil der Betroffenen bis 2020 um 5,6 Prozent steigen.

„Etwa drei Viertel der Sehbehinderungen sowie 55 Prozent der Blindheit sind von Grauem Star oder unkorrigierter Fehlsichtigkeit verursacht”, so Johannes Trimmel, IAPB-Direktor für internationale Beziehungen. Weltweit waren 2015 demnach 36 Millionen Menschen blind und 217 Millionen sehbehindert. 89 Prozent von ihnen lebten in Ländern mit niedrigem oder mittleren Einkommen.

Die WHO hatte im Aktionsplan 2014–2019 aufgrund einer anderen Methodik abweichende Zahlen genannt (39 Millionen Blinde weltweit und 285 Millionen Menschen mit Sehschwäche). Laut IAPB sei der Anteil der Blinden und Sehbehinderten von 1990 bis 2015 um vier Prozent gesunken, vor allem dank häufigerer Augenuntersuchungen in vielen Teilen der Welt.

Für Deutschland schätzt der Vision Atlas, dass die Zahl der Blinden zwar in diesem Zeitraum von 233.000 auf 221.000 zurückging. Die Zahl der Sehbehinderten sei aber von 1,7 Millionen auf 1,9 Millionen gestiegen. Das liege vor allem an der alternden Bevölkerung, so Trimmel. Von den 1,9 Millionen Betroffenen seien nach seinen Angaben fast 1,8 Millionen über 50 Jahre alt gewesen.

Neue Probleme

Weltweite Veränderungen zwischen 1990 und 2015: Mit Hornhauttrübungen lebten rund 39 Prozent weniger Menschen als 1990, mit altersbedingter Makuladegeneration (AMD) 31 Prozent weniger, mit Grünem Star zehn Prozent weniger und mit Grauem Star sieben Prozent weniger.

Dagegen seien Augenerkrankungen durch Diabetes um 25 Prozent gestiegen. Unter anderem wegen der erwarteten Zunahme der Diabetes-Fälle – nach Schätzungen von 415 Millionen im Jahr 2015 auf 642 Millionen im Jahr 2050 – dürfte die Zahl der Augenerkrankungen laut IAPB stark steigen. So müsse laut Trimmel ein Drittel der Diabetes-Kranken mit Augenproblemen rechnen.

Zudem altere die Weltbevölkerung, und Sehprobleme nähmen im Alter deutlich zu. Johannes Trimmel: „80 Prozent der Augenkrankheiten betreffen Menschen über 50 Jahren.” 2050 werde es laut Schätzungen fünfmal so viele über 80-Jährige geben wie im Jahr 2000, insgesamt 379 Millionen.

Und: Derzeit sei laut IAPB ein Drittel der Weltbevölkerung kurzsichtig. Wegen der veränderten Lebensgewohnheiten könne dieser Anteil bis 2050 aber auf 50 Prozent steigen. Ursache dafür sei unter anderem, dass Kinder „mehr Sehleistung in der Nähe erbringen” – also zu viel auf dem Handy, Tablet und am Computer lesen. „Wenn Kinder eine Stunde am Tag im Freien wären, würden sich Probleme mit der Sehschärfe schon bessern”, ist Trimmel überzeugt.

Anstrengungen massiv verstärken

Amir Bedri Kello, äthiopischer Augenarzt der Organisation „Licht für die Welt”, einer Teilorganisation der IAPB: „Diese neuen Zahlen zeigen, wie trotz der erfolgreichen Bemühungen für die Augengesundheit in den letzten zehn Jahren Blindheit und Sehbehinderung durch Kurzsichtigkeit, Diabetes und die alternde Bevölkerung massiv zunehmen werden. Wir müssen unsere Anstrengungen massiv verstärken, um die Gesundheitssysteme und das Fachpersonal in Entwicklungsländern fit für diese Herausforderung zu machen.”

Um den negativen Trend bis 2050 abzuschwächen, müsste laut Verband mehr Aufklärung betrieben werden, also auch das Risiko für die Augen durch Rauchen erläutern und regelmäßige Augenuntersuchungen bei Diabetes durchführen.

 

Der IAPB ist der Dachverband von weltweit etwa 150 Organisationen, die sich mit Blindheitsverhütung und Augengesundheit beschäftigen. Aus Deutschland sind neben „Licht für die Welt” auch die Entwicklungsorganisation CBM (Christoffel Blindenmission) und der Verein und „EinDollarBrille” dabei.

 

Quelle: Ophthalmologische Nachrichten

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