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Studie zur Sehgesundheit

Mehr Sehprobleme bei niedrigem Einkommen

In einer repräsentativen Studie wurde die Erblindung als schwerwiegendster Sinnesverlust bewertet: Jeder zehnte Befragte fürchtete Blindheit mehr als einen schweren Schlaganfall, eine Krebserkrankung oder Demenz. Einkommen und Bildungsstand spielen dabei eine wichtige Rolle. So gaben Menschen mit niedrigem Einkommen und Bildungsstand häufiger an, Sehprobleme zu haben.

Studie Sehprobleme und Einkommen - Deutsches Ärzteblatt Int 2022 - Tabelle 2
Studie Sehprobleme und Einkommen (Quelle: Deutsches Ärzteblatt 2022)

Stellenwert von gutem Sehen

Fast zehn Millionen Deutsche leiden an einer potenziell zu Sehverlust führenden Erkrankung, wie beispielsweise der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD), der Diabetischen Retinopathie (Netzhaut-Erkrankungen) oder einem Glaukom (Grüner Star). Laut Prognosen werden diese Augen-Erkrankungen bis zum Jahr 2050 um 15 Prozent zunehmen. Welchen Stellenwert Sehgesundheit im Vergleich zu anderen Erkrankungen in Deutschland einnimmt, wurde jetzt erstmals systematisch in einer Untersuchung erfasst.

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In einer im Deutschen Ärzteblatt erschienenen repräsentativen Telefonbefragung mit 10.869 Teilnehmenden im Alter von über 40 Jahren gaben fast 70 Prozent der Befragten Blindheit als den meist gefürchteten Sinnesverlust an. Jeder Zehnte hatte mehr Sorgen vor einer Erblindung als vor einem schweren Schlaganfall, einer Krebserkrankung oder einer Demenz. Etwa ein Viertel der Teilnehmer gab an, unter Sehproblemen zu leiden. Knapp vier Prozent der Befragten berichteten von großen Sehschwierigkeiten oder sogar Blindheit.

Augen-Erkrankungen werden zunehmen

„Die Studie zeigt eindrücklich, welch hohe Bedeutung gutes Sehen in der Allgemeinbevölkerung hat. Da durch die alternde Bevölkerung mit einer deutlich steigenden Anzahl von Augen-Erkrankten zu rechnen ist, muss sich das Gesundheitssystem auf diesen zunehmenden Versorgungsbedarf vorbereiten. Außerdem muss dringend mehr in die Prävention von Augen-Erkrankungen investiert werden“, so Prof. Dr. med. Frank G. Holz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Auge der DOG und Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn.

Woche des Sehens - Augenärzte - Praxis
Das Thema Sehgesundheit müsse dringend auf die gesundheitspolitische Agenda rücken: Augenärzte zum Thema Früherkennung, hier in der Kampagne Woche des Sehens (Bild: Woche des Sehens)

Vor allem ältere, männliche Personen, die in kleineren oder in Single-Haushalten leben, hatten mehr Angst zu erblinden. Ebenso jene mit geringerem Haushaltseinkommen und niedrigem Bildungsabschluss wie Volks- oder Hauptschule sowie Nicht-Berufstätige.

Sehprobleme und Einkommen

Die Befragung zeigte auch, dass Menschen mit niedrigerem Einkommen häufiger Sehprobleme haben: So gaben zwei Prozent der Befragten mit einem Einkommen von rund 3.500 Euro im Monat an, Sehprobleme zu haben. Bei Personen, mit einem monatlichen Einkommen unter 1.500 Euro waren es hingegen fast acht Prozent.

Studie Sehprobleme und Einkommen - Deutsches Ärzteblatt Int 2022 - Tabelle 1
Studie zur Bedeutung von Sehgesundheit (Quelle: Deutsches Ärzteblatt 2022)

„Diese Ergebnisse spiegeln unter anderem wider, dass gerade Menschen mit Sehproblemen und Seheinschränkungen erheblichen Unterstützungsbedarf haben – finanziell und auch bei der Bewältigung des Alltags“, so der Koordinator der Studie, Prof. Dr. Dr. med. Robert P. Finger von der Universitäts-Augenklinik Bonn. Denn Befragte, die nicht über diese potenziell benötigten Ressourcen verfügen, fürchteten Sehverlust und Blindheit sowie den damit einhergehenden Verlust von Unabhängigkeit und Selbständigkeit häufiger.

„Dass Augen-Erkrankungen, die potenziell zu Sehverlust führen können, auch in unserer Ambulanz stetig zunehmen, sehen wir mit großer Besorgnis“, so Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, Vorstandsmitglied der Stiftung Auge und Direktor der Augenklinik der Universitätsmedizin Mainz. „Die Eindrücke aus der Versorgungsrealität sowie die Studien-Ergebnisse zeigen einmal mehr, dass Sehgesundheit und gutes Sehen auch im hohen Alter von zunehmender Bedeutung sind. Wer gut sieht, kann seinen Alltag selbstständig meistern und ist beispielsweise weniger Gefahren ausgesetzt, wie etwa im Straßenverkehr oder vor Stürzen“, ergänzt Pfeiffer. Das Thema Sehgesundheit müsse daher dringend auf die gesundheitspolitische Agenda rücken.

Die Stiftung Auge empfiehlt, regelmäßig Vorsorgetermine bei einem Augenarzt oder einer Augenärztin wahrzunehmen. So könnten Augen-Erkrankungen frühzeitig erkannt und behandelt werden und dadurch Einschränkungen beim Sehen oder gar der Verlust des Sehvermögens verhindert werden. Allgemein sollten Personen ab dem 40. Lebensjahr mindestens alle zwei Jahre eine augenärztliche Vorsorgeuntersuchung wahrnehmen.

 

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Die Bedeutung von Sehgesundheit – eine Bevölkerungs-repräsentative Umfrage, 07.2022

 

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