Farbenfehlsichtigkeit, Evolution und Geschlechter

Die Welt in anderen Farben sehen

Meist unter dem Begriff Farbenblindheit bezeichnet betrifft die Farbfehlsichtigkeit in Deutschland immerhin rund vier Millionen Menschen. Während die wenigsten davon tatsächlich nur Grautöne erkennen können, hat die Mehrzahl Probleme mit den Farben Rot und Grün. Und dann gibt es da noch die evolutionäre Farbsicht der Geschlechter – und die Werbung.

Farbenprächtige Häuser in Burano
Farbenprächtige Häuser in Burano

Von Farbschwäche sind wesentlich mehr Männer betroffen

Wenn eine Farbschwäche oder Farbenblindheit vorliegt, sind bestimmte Farbrezeptoren degeneriert oder gar nicht vorhanden: L-Zapfen für langwelliges rotes Licht, M-Zapfen für mittellangs grünes Licht und S-Zapfen für kurzwelliges blaues Licht.

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Dass Männer zehnmal öfter betroffen sind als Frauen, liegt in der Regel an der Genetik: Die Farbfehlsichtigkeit wird über das X-Chromosom weitergegeben. Frauen können aufgrund ihrer zwei X-Chromosomen diesen Gendefekt besser ausgleichen.

Auge und FarbsehenSehr oft verbreitet sind Rotblindheit (Protanopie) und Grünblindheit (Deuteranopie), seltener zu finden ist die Blaublindheit (Tritanopie).

Schöne Beispiele dazu gibt es mit Schieberegler auf Spiegel online

Und die Evolution . . .

Die Lieblingsfarbe von Männlein und Weiblein ist Blau, da sind sich beide Geschlechter einig. Dass Frauen so auf Pink stehen, könnte an der Evolution, genauer an der „ökologischen Wertigkeit“ liegen: Die roten Beeren galten in der Steinzeit als besonders nahrhaft und waren daher für die Sammlerinnen sehr begehrt. Untersuchungen belegen: Noch heute können Frauen Rot besser vor einem dunklen Hintergrund erkennen, und rötere Lebensmittel werden als kalorienreicher eingestuft.

Wer die Zahl erkennen kann, hat keine Farbschwäche.

Die Farbspezialistinnen können laut Studien generell mehr Farben benennen und manche sogar mehr Nuancen erkennen. Besonders „Begabte“ – sogenannte Tetrachromaten – besitzen sogar einen vierten Zapfentyp. Wie die australische Malerin Concetta Antico, deren Bilder aufgrund dessen leicht an LSD-Trips erinnern können.

Hinzu komme laut Psychologen noch die subjektive Wahrnehmung: So seien die Farben von Frauen „komplex, abwechslungsreich, abstrakter und expressiv“, während Farben bei den Herren der Schöpfung „einfach, gerade heraus, konventionell und praktisch“ sind. Das erklärt dann auch, warum ein Mann lediglich Blau sieht und eine Frau da unterscheidet zwischen beispielsweise Veilchen-, Marine-, Stahl- und Himmelblau.

Der Hype um Pink

Dass Mädchen irgendwann so auf Pink abfahren, während Jungs weiterhin mehr auf Blau stehen, hat mit geschlechtsspezifischen Informationen und identitätsstiftenden Merkmalen zu tun, wie die „Zeit“ im Artikel „Pink als Wille und Vorstellung“ im August berichtete. Kleinkinder mögen demnach allgemein zuerst Primärfarben wie Blau und Rot. Erst später findet eine entsprechende Prägung, zum Beispiel durch Spielzeug statt.

Farbspiele

Der Pink-Hype habe seine Ursachen aber auch in den Möglichkeiten der heutigen Zeit mit neuen Färbetechniken und Werbepsychologie. Und das wird auch erst mal so bleiben. Versuche gegenzusteuern, sind in den letzten Jahren jedenfalls kläglich gescheitert.

Hier jetzt selbst einmal austesten, wie es ist farbenblind zu sein. Die Beispiele sind für jeden überraschend, der Farbensehen für selbstverständlich hält.

 

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