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Höher, besser, weiter

Welche Weiterbildung lohnt sich?

„Büffeln lohnt sich in jedem Alter“, sagt Professorin Esther Winther vom Deutschen Institut für Erwachsenen-Bildung in Bonn. Doch wie die Aufschieberitis überwinden? Christine Höckmann sprach mit Anja Burchardt aus Köln, Augenoptikermeisterin, und seit über zehn Jahren als systemische Coachin (K&T, Köln) tätig, über Hürden und Chancen auf dem Weg zu Fort- und Weiterbildung.

eyebizz: Frau Burchardt, wie überwinden wir den inneren Schweinehund, wenn es um Fort- und Weiterbildung geht?

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Anja Burchardt: Die Hürden, die es zu überwinden gilt, existieren eigentlich nur in unserem Kopf! Sicher, so eine Fortbildung kostet Zeit und Geld, aber daran liegt es oft nicht. Erstmal muss erkannt werden, worum es eigentlich geht.

Die Chance dafür ergibt sich meist, wenn es einen Konflikt gibt oder ich mich so mies mit meinem Job fühle, dass mir auffällt: Es passt nicht mehr zusammen. Der Einzelne steht ganz woanders, als er es sich wünscht. Dann ist der Leidensdruck so groß, dass er endlich ins Handeln kommt und z.B. eine Fortbildung startet.

Anja Burchardt: Augenoptikermeisterin und Coach
Die Kölnerin Anja Burchardt (51) ist Augenoptikermeisterin und seit über zehn Jahren als systemische Coachin (K&T, Köln) tätig

Fragt sich sofort: Welche Fortbildung soll es denn sein? Was hilft mir im jetzigen Stadium konkret, persönlich weiterzukommen? Insofern ist es gut, wenn schon die Auswahl des Themas vorab von einem Berater oder Coach begleitet wird. Gerade im Bereich Augenoptik sind viele stark gefordert, zum einen fachlich, zum anderen in ihrer Persönlichkeit. Kundenberatung ist ein komplexes Thema. Allein den alltäglichen Stress auszuhalten, erfordert viel.

Die entsprechenden Fortbildungsangebote insgesamt sind aber vielfältig. Die Entscheidung allein kann schwerfallen.

Sie sprechen damit eine ganze Bandbreite von Fähigkeiten an: Nicht nur Fachliches wie Anpassung, Gläser-Wissen, sondern auch das eigene Auftreten, Selbstbewusstsein, Zuhören können …

Ja, am besten ginge es damit unter Umständen voran, wenn es ein Training-on-the-Job gäbe. Ich könnte mir vorstellen, Klienten im Job zu begleiten. Das bringt sicher viel. Den Ansatz habe ich aber innerhalb der Augenoptik noch nicht umgesetzt. In anderen Branchen ist Coaching oder Teamentwicklung inzwischen häufig gefragt.

Tatsächlich ist dauerhaftes lebenslanges Lernen wichtig und leider noch lange nicht selbstverständlich. Erst damit entsteht Zufriedenheit.

Lernen wir mit 20 einfacher als mit 40?

Nein. Man lernt je nach Altersklasse anders. Der Fokus ist ein anderer, weil man eine andere Rolle ausfüllt. Als 20-Jähriger steht noch der Anfänger oder die Anfängerin da, die sich in ihrem Beruf erstmal einfinden muss. Mit 40 sind die Interessen breiter aufgestellt. Spätestens jetzt gilt es nicht nur, fachlich am Ball zu bleiben, sondern für sich voranzukommen, karrieregemäß, aber auch in der Persönlichkeitsentwicklung.

Bei 40-jährigen Müttern mit einem oder zwei Kindern sind Interessen und Bedürfnisse ja ohnehin besonders breit aufgestellt, wenn ich es mal etwas ironisch formuliere.

Leicht hat es eine Frau mit Kindern auch heute noch nicht, eine Weiterbildung durchzuziehen. Je nach Aufgabenverteilung in der Familie und Betreuung der Kinder braucht es gute Planung. Es gibt aber so viele unterschiedliche Weiterbildungs-Möglichkeiten, dass es dennoch gut für sie möglich ist. Sie muss die Familie gut organisieren und die Familie muss mitziehen.

Frauen haben bei vielen Arbeitgebern immer noch mit alten Vorurteilen, auch eigenen, zu kämpfen. Aber umso besser, wenn sie sich um Fort- und Weiterbildung bemühen. Diese Mitarbeiterinnen sind in der Regel besonders motiviert, lernen sogar leichter. Sie sollten an sich glauben, fordern und etwas wagen. Wenn sie Klarheit darüber haben, welche Gewichtung von Arbeit und Familie für sie gut ist, und das deutlich sagen, ist es für die Arbeitgeber oft einfacher, sie darin zu unterstützen. Ich begleite gerne Frauen durch solche Prozesse.

 

„Oft liegt die Herausforderung darin, dass Frauen aber auch Männer unsicher sind, sich zu wenig zutrauen und damit glauben, sie hätten nicht das Recht oder das Zeug dazu, eine kraftvolle Veränderung anzustoßen.“

 

Oft liegt die Herausforderung darin, dass Frauen aber auch Männer unsicher sind, sich zu wenig zutrauen und damit glauben, sie hätten nicht das Recht oder das Zeug dazu, eine kraftvolle Veränderung anzustoßen. Wir verkaufen uns permanent unter Wert. Daher ist der Anteil der Persönlichkeits-Entwicklung im Coaching-Prozess so zentral. Mit Klarheit über das eigene Wollen, die eigenen Fähigkeiten und Potenziale ist der Weg hin zu etwas Neuem deutlich dynamischer, als die passive Sehnsucht, weg von einer unbefriedigenden Arbeits- oder Lebenssituation zu kommen.

Welche Unterstützung zur Weiterentwicklung sinnvoll ist, kann mit dem oder der Vorgesetzten gut ausgehandelt werden. Von der Arbeitgeberseite wünschen sich aber beide Geschlechter gerade in der Augenoptik mehr Flexibilität, was Arbeitszeiten angeht und bessere Gehälter.

So würde es vielleicht auch weniger Aussteiger in der Augenoptik geben. Aber welche Weiterbildung lohnt sich denn?

Jede! Man braucht immer Futter fürs Gehirn. Lebenslanges Lernen ist das Motto und hält jung. Selbst wenn man mal nicht begeistert ist, bringt einen ein Seminar oder Workshop letztlich weiter, weil man weiß, was einem nicht gefällt.

Wie findet man passende Fort- und Weiterbildungen?

Am ehesten über persönliche Weiterempfehlung und natürlich durch Beratung bzw. Coaching.

Was ist Ihnen als Trainerin besonders wichtig?

Ganz ehrlich: Ich bin keine Trainerin. Diesen Begriff verbinde ich mit dem Vermitteln von Inhalten. Als Coachin und Beraterin begleite ich vielmehr die Menschen bei ihren Themen. Je nach dem, worum es geht, habe ich einen ganzen Koffer voller passender Werkzeuge aus der Kommunikation, Persönlichkeits-Entwicklung und der systemischen Ausbildung , die dazu führen, dass der Coachee danach leichter mit seinen Themen umgehen kann.

Nehmen wir eine Bewerbung als Beispiel. Im Ausformulieren des Lebenslaufes merkt der Klient schon, was ihn ausmacht, welche Ressourcen er hat. Selbst wenn es um seine Schwächen geht, wird ihm bewusst, dass er diese nicht verheimlichen muss, weil er ja auch durch diese vermeintlichen Handicaps dazugelernt hat.

Was haben Sie sich als Lernende selbst gewünscht?

Genossen habe ich das Lernen in einer erwachsenen Lerngruppe – mit Gleichgesinnten im Austausch auf Augenhöhe.

/// Die Fragen stellte Christine Höckmann.

 


Informieren ist Trumpf

Die ersten Schritte zur Fort- und Weiterbildung

  • Betriebe bieten ihren Beschäftigten in Sachen Fortbildung häufig eine ganze Menge an – was da jeweils im Angebot ist, weiß die Personalabteilung.
  • Wer auf eigene Faust dazulernen will, dem hilft der Staat: mit Meister-Bafög, Bildungsprämie, Bildungskredit – und so fort. Einen praktischen Überblick gibt die Stiftung Warentest in einer Broschüre, kostenloser Download unter: test.de
  • Beim Bildungsministerium gibt es eine Hotline: Unter 030 – 20179090 kann man sich montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr in Sachen Weiterbildung beraten lassen.

 

Artikel aus der eyebizz 5.2023 (August/September)

 

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