Anzeige
Anzeige
Messe-Bericht

Silmo: Euphorischer Neustart

Paris, Ende September, Silmo 2021. Viele Besucher, besonders Asiaten und Amerikaner, blieben fern, Labels wie Andy Wolf, Jacques Marie Mage oder Etnia fehlten, Aussteller, nur rund 500, 2019 waren es 970. Doch so what? Die allermeisten Augenoptiker*innen, Aussteller und Brillenfreunde, die sich dazu durchgerungen hatten, Teil dieser ersten großen europäischen Präsenzmesse der Branche nach fast zwei Jahren Stillstand zu sein, waren euphorisiert. Und hatten Christos verpackten Triumphbogen betastet oder zumindest aus der Ferne bestaunt.

Silmo 2021 Eingang
Perfekter Empfang der Silmo 2021 (Bild: Silmo)

Comeback des Messefeelings

Die Erleichterung darüber, einander endlich leibhaftig treffen, Kollektionen zeigen, Geschäfte abschließen und Gossip austauschen zu können, entlud sich in ansteckend guter Laune. Daniel Haffmans von Haffmans & Neumeister hatte Recht: „Viele kommen nicht, es ist ein Fehler.“

Anzeige

Silmo 2021 Design
Silmo 2021

Kurz vor Start gab es noch bittere Absagen von namhaften Herstellern. Umgekehrt haderten einige Aussteller mit dem ihnen zugewiesenen Platz. Doch auch das Kleinigkeiten, wo dem Comeback des lang vermissten Messefeelings fast der Zauber eines Neuanfangs innewohnte.

Gesundheitszertifikate wurden am Eingang abgefragt, beide Hallen durch das Einziehen der Außenwände nach innen deutlich verkleinert, bei den Gesprächen am Stand fielen vielfach die Masken. In Anbetracht fehlenden Gedränges schien das vertretbar. Abermals bewunderte man den Esprit der Franzosen, Champagner so umstandslos fließen zu lassen.

Silmo 2021 Halle 6
Silmo 2021, Halle 6

Großes Thema: Restart

Das Thema Restart zog sich als roter Faden durch die Messe. Viele Aussteller stellten sich während oder kurz vor Corona neu auf, die Silmo war die Chance, das wirkungsvoll zu kommunizieren. So hat sich das Nürnberger Label Annu kürzlich umbenannt, aus dem ursprünglichen Claim wurde die Marke „Weareannu“.

Silmo 2021 Vinyl Factory
Silmo 2021, Vinyl Factory

Bei Markus T. brach im Corona-Jahr der Umsatz in Asien drastisch ein, wo die Gütersloher bislang gut verkauften. Doch wie in vielen Unternehmen nutzte man auch hier die geschenkte Zeit, um Neues zu entwickeln. Markus T. designte ein eigenes Möbelsystem, das auf der Silmo zu sehen war, und baute den Brandstore aus, der jetzt in der heimischen Manufaktur angesiedelt ist. „So haben wir den direkten Kontakt zum Endkunden. Auch das gehört zu unserer Idee des geschlossenen Kreislaufs“, so Sandra Rohrbeck, Head of Marketing.

Profilschärfung

Silmo 2021 - Neubau Daniel Liktor
Daniel Liktor, Neubau Eyewear

Um Restart ging es auch bei Neubau Eyewear. Der Slogan „Join the sustainable Avantgarde“ zeigt die Richtung. Seit Anfang des Jahres läuft der Vertrieb nicht mehr über Silhouette, auch wenn man immer noch in Linz produzieren lässt. „Die Marke wird erwachsen: mutiger, kantiger, experimenteller“, so CEO Daniel Liktor, der in Berlin-Mitte sitzt, „40 Prozent der alten Kollektionen haben wir nicht übernommen. Wir adressieren unsere Produkte jetzt an andere Verkäuferschichten. All das ist erklärungsbedürftig.“

Die Neupositionierung bedeutet auch selektiver Vertrieb. „Bislang belieferten wir rund 1.500 Augenoptiker*innen, ideal wären 600 und 700, die sich dann auch wirklich mit der Marke identifizieren.“ Neu in der Vertriebsleitung ist Roland Mittendorf, der von Mykita dazu stößt. Als nachhaltige Alternative zur 3D gefertigten Brille wird es in Zukunft auch eine 100 % Rizinus basierte Acetat-Kollektion geben.

Megatrend Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist das zweite große Thema, das die Messe prägte. Egal, ob bei Dick Moby, wo man sich den Zusatz „sustainable eyewear“ zugelegt hat, oder bei Rolf Spectacles. Schon zum dritten Mal gewann die Tiroler Brillenmanufaktur einen Silmo d’Or, diesmal in der Kategorie „Korrektionsfassungen Technologie“. Die Fassung „Amur 02“ wird im 3D-Druckverfahren in einem Arbeitsgang hergestellt, was die Zahl der externen Fertigungsprozesse reduziert. Der pflanzliche Rahmen hat hautfreundliche Eigenschaften. Bereits im April bekam das Label den „European Green Award“ verlieren.

Silmo 2021 - Gigi Studios Patrica Ramo
Patrica Ramo, Gigi Studios

Einen Neustart, aber auch einen Abschied, der viele bewegte, gibt es bei J. F. Rey. Die Unternehmensgründer Joëlle und Jean-François Rey ziehen sich aus der operativen Verantwortung zurück. Übernehmen wird ein Manager-Trio, das auf internationaler Ebene seit Jahren erfolgreich zusammenarbeitet: Walter Pirinoli, Dan Levi und der in Deutschland gut bekannte Ralf Kmoch.

Einen großen Auftritt hatte Gigi Studios, mit der wie immer glamourösen Patricia Ramo im Zentrum. Ramo führt das Label aus Barcelona in dritter Generation und legt konsequent alle drei Monate eine neue Kollektion von Metall bis Acetat vor. Mit der Messe war sie sehr zufrieden und freut sich auf die opti im Januar.

Neues Brillenglas aus Basel

Optiswiss machte einen Schritt nach vorn. Die Schweizer launchten auf der Silmo ein neues biometrisch errechnetes Brillenglas. In Zusammenarbeit mit Oculus Wetzlar entstanden, werden hier nicht nur das Auge vermessen und die Refraktionswerte festgestellt, sondern auch der Pupillendurchmesser. Claudia Fahrer-Kopp und Silvain Risser vom Marketingteam waren sichtlich stolz auf das noch individuellere Brillenglasdesign.

Silmo 2021 - Mido Giovanni Vitaloni - Juergen Braeunlein
Giovanni Vitaloni, Präsident der Mido, mit Jürgen Bräunlein, Chefredakteur von eyebizz

Präsenz auf der Messe zeigte auch Giovanni Vitaloni, der Präsident der Mido. Zufrieden zurückschauen kann er auf das digitale Eventformat, das die ausgefallene Präsenzmesse in Mailand erfolgreich zu kompensieren half. Sichtlich freute er sich über das Comeback der Silmo: „Eine gute Silmo 2021 ist der Garant für eine gute Mido, die im Frühjahr 2022 wieder stattfinden wird.“

Silmo d’Or auf der Messe

Die Verleihung der insgesamt elf Silmo d’Or Awards zelebrierten Silmo-Präsidentin Amélie Morel im glitzernden Abendkleid und ihre Mitstreiter erstmals direkt am Messegelände im Parc des Expositions.

Silmo d'Or 2021 Stimmung
Silmo d’Or 2021

Herzerfrischend war, wie das gesamte Team von Eschenbach Optik (Frankreich) um Frédéric Rainjonneau freudig die Bühne stürmte, um den Silmo d’Or für das Modell „Mini Eyewear“ in Empfang zu nehmen. Diese Begeisterung für das, was die Branche gemeinsam leistet, eine Begeisterung, die dann von so vielen kollegial im doch noch familiären Rahmen geteilt wird, auch wenn man selbst vielleicht leer ausging, auch das macht Messen wie diese so wertvoll.

/// JUEB/ DS

 


Stimmen zur Messe

Wolfgang Reckzeh, Colibris, Stockelsdorf

Silmo 2021: Colibris, Wolfgang Reckzeh

„Wir haben uns früh entschieden, auf die Silmo zu gehen und es nicht bereut. Eine Reihe von Marken haben wir vermisst, dafür drei neue entdeckt und aufgenommen, von Firmen, die wir bislang nicht auf dem Schirm hatten. Vermisst haben wir Besucher aus Amerika, Kanada. Doch wussten wir das vorher und reagierten frühzeitig. In einem eigens eingerichteten Filmstudio mit drei Kameras machen wir schon länger Videocalls mit Kunden in Übersee, die das toll finden. Ein Augenoptiker aus New York sagte beim zweiten Videocall: „Sie sind die einzigen Deutschen, die sich melden, dabei kommen aus Deutschland so schöne Brillen.“ Ein bisschen Schmunzeln mussten wir über die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen, wie das Einziehen von Trennscheiben oder Maskenpflicht, die dann doch wenig eingehalten wurden. Alles in allem war die Atmosphäre auf der Messe entspannt.“

 

Karin Stehr, Bellevue, Hamburg

Silmo 2021: Bellevue, Karin Stehr„In den ersten beiden Stunden am Freitag dachte ich, ich wäre im falschen Film. Schwarze Vorhänge kaschierten große ungenutzte Flächen. Nicht angereiste Aussteller sorgten für trostlose Lücken. Nachmittags war das Messefeeling aber wieder da. Bei einem Cut wie diesem zeigen sich Flexibilität, Mut und Innovationskraft der Akteure. Zwischen „Einfach nicht kommen“ und „Business as usual“ gab es kreative Zwischenwege. Die Messegesellschaft der Silmo hat allerdings die Chance zur Weiterentwicklung nicht spürbar genutzt. Agile Independent Brands haben dagegen alternative Showrooms in der City organisiert – und zwar richtig gut. Das wird Schule machen, weil es finanziell so viel attraktiver ist und eine einzigartige familiäre und zeitgemäße Atmosphäre schafft. Es birgt allerdings auch die Gefahr, dass Newcomer aller Art, von Brillendesignern bis zu Technologieanbietern, Teile ihres Publikums verlieren, weil die Besucherfrequenz auf der Messe sinken wird. Ich bin sehr froh, mich für die Silmo entschieden zu haben. Wer dabei war, ob als Aussteller oder Besucher, hat dort viel über die Zukunft der Messe geredet und damit einen Teil zu Weiterentwicklung beigetragen.“

 

Michael Menig (Mitte, neben Iddo und Stephanie), Weareannu, Nürnberg

Silm 2021: We are Annu, Team

„Vor zwei Jahren sind wir mit sieben Leuten angereist, diesmal nur zu dritt. Da wir ein zweites Mal in der Start-Up-Area ausstellten, hatten wir den Vorteil, dass wir nichts aufbauen mussten und einfach nur mit Koffern voller Brillen kamen. Die Silmo ist viel internationaler als die opti. Das gefällt uns, auch wenn deutlich weniger Leute da waren als vor zwei Jahren. Schon nach zwei Tagen Messe konnten wir einige Neukunden akquirieren. Auch ein Augenoptiker aus Saudi-Arabien war an unserem Stand.“

 

Beate Leinz, Leinz Eyewear, Berlin

Silmo 2021: Leinz, Beate Leinz„Ich kenne die Silmo seit 20 Jahren, diesmal erschien sie mir wirklich klein, andererseits war sie übersichtlich, Besucher konnten sich besser zurechtfinden. Mein Stand war etwas abseits, was nicht so gut war. Trotzdem bin ich zufrieden, weil ich auf großes Interesse gestoßen bin. Der Samstag war der schlechteste Tag, der Montag viel besser. Ein Vertriebsleiter aus der Schweiz, der für mich arbeitet, ist von meinen neuen Modellen begeistert. Grundsätzlich finde ich es bereichernd, so eine Vielfalt an unterschiedlichen Brillendesigns zu sehen. Das ist nur auf einer Messe möglich. Den Silmo d’Or gleich im Messegelände stattfinden zu lassen, fand ich eine gute Entscheidung. Viel besser, als wenn ich abends noch durch ganz Paris fahren muss.“

 


Unsere Highlights

Kultfassungen reloaded

Die Design Eyewear Group läutet mit dem nächsten Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum ein. 1973 wurde Pro Design Denmark von Jørgen Vesterby gegründet, einem Visionär fesselnden Brillendesigns. Als Hommage an die eigene Geschichte legt die DEG vier der frühen ikonischen Fassungen neu auf. Die dänische Designerin Cathrine Colding Haugerud, die den Relaunch betreut, spricht von „einem wahren Schatz“. Behutsam übersetzt sie die legendären Kultfassungen von damals in die Moderne. Den Start machte die „Gail Spence“-Fassung, erhältlich in drei Ausführungen. Besonders Gail Thirteen begeistert uns. More to come!

Silmo 2021 Highlights - DEG Pro Design Gail Twelve col 9031
Auch nicht zu verachten: Gail Twelve

 

Fernsehröhre inspiriert „Emilio“

Den Silmo d’Or in der Kategorie „Technologische Innovation“ haben sie nicht bekommen, doch die Fassung ist auch ohne die Trophäe aus Paris ein Kleinod: Das Modell „Emilio“ von Haffmans & Neumeister. Die Berliner verwenden eine innovative Methode, bei der ultradünner Edelstahl mit klobigem Acetat verschmolzen wird. Das edle Nadelstreifen-Detail am Rand jeder Fassung ist raffiniert eingefügt. Verblüffend der starke Kontrast zwischen der eher wuchtigen Front und den Bügeln. Produktdesigner Michael Hüyng, seit zweieinhalb Jahren bei Haffmans & Neumeister, ließ sich von Fernsehbildschirmen inspirieren.

Silmo 2021 Highlights - Haffmans Neumeister Emilio
Spannungsvoll aufgeladen und edel: Modell Emilio

 

Eyebuzz Award für Herzblut Eyewear

Für die Leverkusener Claudia Hollergschwandtner und Jürgen Beier brachte der Messebesuch eine besondere Bescherung. Der Direktor der Silmo Eric Lenoir verlieh den Gründern von Herzblut den gemeinsam mit eyebizz initiierten eyebuzz Award. Zu den bislang zwei Linien – „Herzblut“ für die Dame, „Kraftherz“ für den Herrn – kommt im Januar 2023 eine dritte Kollektion hinzu, wie Hollergschwandtner verriet: „Geschwisterherz“ für Erwachsene mit kleinen Kopfgrößen. Jürgen Beier, zuständig für Logistik und Kundenbetreuung, erklärte das puristische Konzept: „Sinnvoll mit Maß“. Eric Lenoir und sein Kamerateam nahmen sich viel Zeit, die Gewinner zu feiern – auch mit Champagner.

Silmo 2021 eyebuzz award
eyebuzz Award für Claudia Hollergschwandtner (schwarzes Shirt) und Jürgen Beier (graues Jackett), überreicht von Silmo-Direktor Eric Lenoir

 

Mandelförmige Schönheit

Vor manchen Brillen möchte man sich verbeugen, dabei sollte man sie doch aufsetzen. Die Cloo15 von Vava Eyewear zum Beispiel. Das Design der Sonnenbrille ist mandelförmig, der 3D-gedruckte Rahmen mit biobasiertem Polyamidpulver aus Rizinusöl im schönsten Rot. Das Modell mutet futuristisch an, doch auch vertraut und entstand in Zusammenarbeit mit dem japanischen Architekten Kengo Kuma. Nominiert für einen Silmo d’Or, ging die Fassung leer aus, dafür erhielt das portugiesische Label für ein anderes Modell den Spezialpreis der Jury.

Silmo 2021 Highlights - Vava CL0015 Red
Die Cloo15 vom portugiesischen Label Vava

 


Die Silmo-d’Or-Gewinner 2021 in elf Kategorien

 

* JF REY mit dem Modell TRALALA 8750 in der Kategorie „Kinder“

* METAOPTICS mit METASPORT SHIELD in der Kategorie „Sport“

* ROLF Spectacles mit Amur 02 in der Kategorie „Korrektionsfassungen Technologie“

* MEI mit EasyFit Trend in der Kategorie „Geräte und Ausrüstung“

*TRANSITIONS Optical mit Transitions® XTRActive® Polarized™ in der Kategorie „Vision“

*HISTORIE DE VOIR mit FIL S8 in der Kategorie „Preis der Premiere Class“

*ESCHENBACH OPTIK mit MINI EYEWEAR 743012 60 in der Kategorie „Korrektionsfassungen – Brands & Labels“

*RIGARDS mit dem Modell RG2046WD in der Kategorie „Sonnenbrillen Eyewear Designer“

*MAISON SARAH LAVOINE X ATELIERS ROUSSILHE mit THYRA – MSL 04 C8 in der Kategorie „Sonnenbrillen – Brands & Labels“

*HENAU mit Lunam in der Kategorie „Korrektionsfassungen Eyewear Designer“

*VAVA EYEWEAR mit CL0016 in der Kategorie „Spezialpreis der Jury“


 

Artikel aus der eyebizz 6.2021 (Oktober/November)

 

OWP Signature Acetate Limited Edition 2021 2
OWP: Zeit für einen Farbrausch
Als Hommage an die erfolgreichsten OWP Signature Acetate Modelle der letzten 10 Jahre präsentiert OWP ein exklusives Trio in limitierter Auflage als Sonderedition. Kreativ, lebendig und einzigartig. Die extrovertierte Kombination aus den besten Acetaten aktueller und vergangener Kollektionen schafft ein kraftvolles Revival der Extravaganz.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.