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Dokumentation im Kino

M.C. Escher: Reise in die Unendlichkeit

Die Dokumentation „M.C. Escher – Reise in die Unendlichkeit“, die aktuell im Kino läuft, lässt Escher anhand von Briefen, Tagebuchaufzeichnungen, Notizen und Vorträgen selbst zu Wort kommen, und liefert ein faszinierendes Erlebnis und einen Einblick in das Schaffen eines der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts.

M.C. Escher - painting
Maurits Cornelis Escher (© 2018 Robin Lutz AV productions)

Treppen, die gleichzeitig aufsteigen und hinabgehen, um sich in einem Kreis zu verbinden. Figuren, die sich in 2D-Schablonen verwandeln, um wieder plastisch zu werden. Paradoxe Landschaften und surreale Stadtszenen. Metamorphosen, in denen sich Vögel zu Fischen und wieder zu Vögeln transformieren – M. C. Eschers Werk fasziniert Millionen von Fans. Der niederländische Grafiker (1898-1972) inspiriert auch heute noch Filmemacher, Maler und Musiker gleichermaßen. Escher ist en vogue, eine Ikone der Kunstwelt.

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Dokumentation M.C. Escher - Kinoplakat„Ich fürchte, es gibt nur eine Person, die einen guten Film über meine Drucke machen kann: ich selbst“, schrieb Escher an einen amerikanischen Sammler im Jahr 1969. Das ist genau das, was Escher in diesem Film tut: Er ist der Regisseur, nicht wortwörtlich, aber symbolisch. Maurits Cornelis Escher war nicht nur ein visionärer Grafiker, sondern auch ein scharfer Beobachter, der seine Beobachtungen in einer Vielzahl von Tagebüchern, Briefen, Vorträgen und Katalogen festhielt. „Das erlaubt uns, sein persönliches Leben anhand seiner eigenen Worte zu rekonstruieren. In seinen Beobachtungen finden sich all seine Ängste, seine Zweifel, seine euphorischen Momente, seine politischen Überlegungen, seine Begeisterung, die Beschreibung seiner künstlerischen Fortschritte und natürlich auch seine eigene Meinung zu seiner Arbeit wieder“, so der Regisseur Robin Lutz. (siehe Trailer zum Film unten)

Der Zuschauer kann so den Film mit den Augen Eschers erleben: Die Kamera ist Escher. M. C. Escher erzählt  in seinen eignen Worten, was er gesehen, gefühlt hat und was ihn inspiriert, in Staunen versetzt und verärgert hat. In der deutschen Fassung leiht Matthias Brandt (Polizeiruf 110) Escher seine unverwechselbare Stimme, in der Originalfassung Stephen Fry (Gosford Park).

Das Leben von M.C. Escher

Maurits Cornelis Escher wurde am 17. Juli 1898 in Leeuwarden in der niederländischen Provinz Friesland geboren. Er war der jüngste von fünf Söhnen. Sein Vater, der angesehene Wasserbauingenieur George Arnold Escher, lebte mit seiner Familie im Princessehof in Leeuwarden.

1903 zogen die Eschers nach Arnheim, Provinz Gelderland. Dort besuchte M. C. Escher auch die Schule. Escher war ein schlechter Schüler, selbst im Fach Kunsterziehung konnte er keine guten schulischen Leistungen vorweisen. Aber er kam mit der Technik des Linolschnitts das erste Mal während seiner Oberschule in Kontakt, als er in Kunst von F. W. van der Haagen unterrichtet wurde.

Nach einem erneuten Umzug der Familie Escher im Jahr 1917 nach Oosterbeek in der Provinz Gelderland begann M. C. Escher 1919 ein Architekturstudium in Haarlem. Allerdings brach er das Studium nach einer Woche wieder ab und beschäftigte sich danach mit grafischen Techniken. Gefördert wurde er dabei vom niederländischen Künstler Samuel Jessurun de Mesquita, der an der Kunstschule in Harleem lehrte und Escher z. B. die Holzschnitt-Technik beibrachte. De Mesquita, dessen Eltern portugiesische Juden waren, übte insgesamt einen großen Einfluss auf Escher aus. Er blieb seinem Lehrer zeitlebens verbunden und erlebte dessen Deportation ins KZ Auschwitz im Jahr 1944 als großes Trauma. Escher rettete rund 450 Werke seines Lehrers, die die Nazis beim Verwüsten des Ateliers auf die Straße geworfen hatten.


„Wir beten das Chaos an, weil wir es lieben, Ordnung zu schaffen.“ M. C. Escher


Ab 1921 bereiste M. C. Escher mehrfach Italien, wo er zu Fuß oder auf einem Esel die italienische Landschaft und die kleinen Ortschaften erkundete. Er besuchte auch Spanien und machte dort in der Alhambra mit der arabischen Ornamentik des wiederkehrenden Motivs Bekanntschaft. Eine Entdeckung, die sein Schaffen nachhaltig prägte.

Als Escher 1923 die Amalfi-Küste bereiste, lernte er in einer Pension in Ravello Jetta Umiker kennen. Die Tochter eines Industriellen, die mit ihren Eltern Russland nach der Oktoberrevolution verlassen musste, lebte in der Schweiz und war selbst künstlerisch begabt. 1924 heiratete Escher Jetta in Viareggio. Das Paar ließ sich in Rom nieder. In ihrem Haus in Monteverde kamen die drei Söhne George, Arthur und Jan zur Welt.

Während der 1920er Jahre erlangte Escher bereits eine gewisse Popularität und hatte 1929 gleich fünf Ausstellungen in den Niederlanden und der Schweiz. Bis 1937 entstanden überwiegend mediterrane Landschaftsbilder. Mit der Lithografie „Castrovalva“, einem kleinen Dorf in den Abruzzen, gelang ihm 1930 der Durchbruch. Dieses Werk wurde sogar von Kritikern in den USA gelobt.

M.C. Escher - waterval
„Waterval“ von M. C. Escher (All M.C. Escher works © the M.C. Escher Company B.V.- Baarn – the Netherlands/ Gemeentemuseum Den Haag, www.gemeentemuseum.nl)

1935 fällte die an sich unpolitische Familie die Entscheidung, das seit 1922 faschistische Italien zu verlassen. Die Eschers zogen nach Château-d’Œx in der Schweiz. 1936 bereiste Escher mit einem Frachtschiff den Mittelmeerraum. Die Fahrtkosten für sich und seine Frau bezahlte Escher mit Holzschnitten und Lithographien, die er während der Reise anfertigte. Nach einem zweiten Besuch der Alhambra 1936 veränderte sich Eschers Thematik. Er beschäftigte sich zunehmend mit Metamorphosen und versuchte die Illusion der Unendlichkeit in seinen Arbeiten zu erzeugen. Unmögliche Perspektiven und geometrische Figuren bevölkerten nun seine Werke.

1937 folgte ein weiterer Umzug in die Nähe von Brüssel. Als die Nationalsozialisten 1941 in Brüssel einmarschierten, zog die Familie nach Baarn in der niederländischen Provinz Utrecht.

Erst nach dem Krieg wuchs das Interesse an Eschers Kunst. M. C. Escher hatte die Mezzotinto-Technik erlernt und sich seit 1946 verstärkt perspektivischen Inhalten zugewandt. Er erhielt einige gut bezahlte Aufträge und verkaufte viele seiner Drucke. In den 50er Jahren war er in den USA bereits ein gefragter Künstler.

Sein großer Durchbruch in Europa erfolgte im September 1954, als ihm das Stedelijk Museum in Amsterdam eine Einzelausstellung anlässlich eines gleichzeitig dort abgehaltenen Mathematiker-Kongresses gewährte. 1955 erhielt M. C. Escher mit dem „Oranje-Naussau-Orden“ die Ritterwürde. Die letzten beiden Ausstellungen zu seinen Lebzeiten fanden 1969 im Rheinischen Landesmuseum Bonn und in der Kunsthalle Bern statt. In den 60er Jahren und mit dem Aufkommen der Hippiebewegung war der Name Escher weltweit bekannt und verschaffte dem Künstler ausreichende Einkünfte.

1964 erkrankte Escher und musste mehrfach operiert werden. Am 27. März 1972 starb M. C. Escher im Rosa-Spier-Haus in Hilversum, Provinz Nordholland.

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Trailer zum Film:

 

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