Auch andere Ursachen möglich

Trockenheit im Auge: Zu wenig Tränenflüssigkeit?

Kontaktlinsen-Anpasser sehen die Tränenmenge bei Trockenheitsproblemen als Auslöser und empfehlen eine Nachbenetzung zur Linderung des Problems. Dabei gibt es viele Ursachen für Trockenheit am Auge beim Kontaktlinsentragen, die mit einer entsprechenden Fragetechnik, Untersuchungen oder Materialwahl verhindert werden können. Wie können Ursachen erkannt und das Trockenheitsgefühl vermindert werden?

Es gibt verschiedene Ursachen für Trockenheit am Auge

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Welcher Kontaktlinsenanpasser kennt das nicht: Der Kontaktlinsenträger klagt über trockene Augen und Unverträglichkeit der Linsen. Viele Anpasser empfehlen ihren Kunden ohne weitere Nachfrage, mal auf ein anderes Pflegemittel umzusteigen oder die Augen zwischendurch nachzubenetzen. Weitere Ursachenforschung wird oft nicht betrieben und das „trockene Auge“ als gegeben hingenommen.

Das Gefühl, trockene Augen beim Kontaktlinsentragen zu bekommen, kann mehr Gründe haben als nur wenig Tränenflüssigkeit. Eine nicht gut gereinigte und damit schlecht benetzbare Kontaktlinsenoberfläche, eine ungünstige Material- oder Systemauswahl oder nicht ausreichende Lidhygiene tragen deutlich zur Trockenheit am Auge bei.

Schlechte Pflege als Auslöser für Trockenheit

Die häufigsten Probleme machen schlecht gepflegte Silikonhydrogel-Materialien. Das Silikonhydrogel ist mittlerweile seit 20 Jahren auf dem deutschen Markt und hat die Sauerstoffdurchlässigkeit der weichen Kontaktlinsen revolutioniert, ist aber auch empfindlicher in der Reinigung und Pflege. Das Silikon in der Oberfläche der Linsen zieht die Fette aus dem Tränenfilm förmlich an und lässt die Oberfläche schnell unverträglich werden.

Das scheint vielen Anpassern jedoch nicht bewusst zu sein. Niemand achtet darauf, dass auch alle nötigen Inhaltsstoffe für eine vollständige Pflege der Silikonhydrogele vorhanden sind. Ganz wichtig sind Tenside zur Entfernung dieser Fette. Zu einem Wasserstoffperoxid-System gehört deshalb auch immer ein extra Oberflächenreiniger. Das Peroxid allein ist nicht in der Lage, die Fette und andere Ablagerungen zu entfernen. Die meisten All-in-one-Lösungen dagegen enthalten Tenside, werden dann jedoch bei Nachfrage von den Kontaktlinsenträgern nicht vorschriftsmäßig verwendet. Sie lagern die Kontaktlinsen in die Lösung ein, ohne sie zuvor gründlich abgerieben zu haben.

So gibt es bei beiden Pflegesystemen Empfehlungs- und Handhabungsfehler. Ohne diesen Umstand zu erkennen glauben viele Kontaktlinsenträger, sie hätten zu trockene Augen, um Linsen zu tragen und steigen womöglich aus. Hier kann der Anpasser ruhig wieder ein gut sauerstoffdurchlässiges hydrogeles Material auswählen oder gleich, wenn es die Fehlsichtigkeit erlaubt, auf ein Tageslinsen-System umsteigen. Bei den Tageslinsen wird der Fehler in der Pflege oder Handhabung vermieden.

Systemfehler: Mehr Tageslinsen – höhere KL-Quote

In Deutschland liegt der Anteil an Tageslinsen bei ca. 25 Prozent. In Nachbarländern, wie zum Beispiel in der Schweiz, liegt der Anteil bei 50 Prozent; gleichzeitig ist auch der Kontaktlinsenträgeranteil mit 13 Prozent fast dreifach so hoch wie in Deutschland. Ähnlich verhält sich das in den skandinavischen Ländern: Schweden hat einen Tageslinsenanteil von 70 Prozent und ein Kontaktlinsenträgeranteil von 17 Prozent. Das legt den Schluss nahe, dass auch in Deutschland mit mehr Tageslinsen ein Anstieg der Kontaktlinsenträger möglich wäre.

Digitales Leben – Hormone – Lidhygiene

Auch junge Kontaktlinsenträger klagen schon über das Gefühl, trockene Augen zu haben. Das liegt an der vermehrten Anwendung digitaler Geräte. Langes Starren auf den Bildschirm, sei es bei der Computerarbeit oder bei diversen Spielen, führt zur Austrocknung der Augen – das Blinzeln wird einfach vergessen. Zusätzlich können auch pubertäre Hormonumstellungen zur Beeinflussung der Meibom`schen Drüsen und des Tränenfilms führen. Das ist für den Anpasser bei der Spaltlampenuntersuchung schnell ersichtlich.

Die Empfehlung einer regelmäßigen Lidhygiene gewährleistet, dass die Drüsenausgänge der Meibom`schen Drüsen frei sind und ungehindert Fett in den Tränenfilm abgegeben werden kann. Durch warme Kompressen (z.B. Wattepads) werden mögliche verdickte Drüsensekrete der Fett-Drüsen wieder verflüssigt. Die Sekrete können nach der Erwärmung durch leichte Massage des Ober- und Unterlides und dann mit Hilfe einen sauberen Wattepads entfernt werden. Der Tränenfilm erhält seine Oberflächenspannung zurück, verdunstet weniger schnell und die Verträglichkeit der Kontaktlinse steigt.

Fazit

Gehen Sie bei den Beschwerden mit Trockenheit am Auge nicht immer gleich von zu wenig Tränenflüssigkeit aus. Die vollständige Pflege muss dringend durch regelmäßige erneute Unterweisung beim Kontaktlinsenträger verfestigt werden. Auch der mutige Schritt weg vom Silikonhydrogel und hin zu silikonfreien Materialien oder gleich der Umstieg auf die Tageslinse ist bei Beschwerdetyp „ich habe zu trockene Augen“ oft von Erfolg gekrönt.

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Sabine Strübing MSc. ist Inhaberin von „Eyecare & Correction Consulting“ und seit über 30 Jahren in der augenoptischen Branche tätig. Als Beraterin und Referentin gibt sie Seminare, Workshops, Trainings und hält Vorträge.

 

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