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Nachhaltigkeit in der Augenoptik

CooperVision und Plastic Bank: Wenigstens plastikneutral

Die bio-abbaubare Kontaktlinse aus nachwachsenden Rohstoffen, etwa Soja, wird so schnell nicht kommen. Hersteller versuchen, die Idee von Nachhaltigkeit anderweitig umzusetzen, auch um umweltbewusste Kontaktlinsen-Träger zu überzeugen. CooperVision z.B. macht seine Einmal-Kontaktlinsen in der DACH-Region neuerdings plastikneutral. Kooperations-Partner ist die Umweltschutz-Organisation Plastic Bank.

CooperVision und Plastic Bank kooperieren
Auf einer Online-Pressekonferenz wurde die Koperation von CooperVision mit Plastic Bank vorgestellt (von links): Johannes Zupfer (Geschäftsführer DACH), Jérôme Kuzio (Head of Marketing DACH bei CooperVision), Peter Nitschke (Plastic Bank) und Carina Freytag-Hafen (Augenoptikermeisterin) (Bild: screenshot)

Ohne Plastik läuft in der Medizintechnik gar nichts. Kontaktlinsen müssen steril und sicher verpackt werden, Blister sind aus reinstem Kunststoff, Pappkarton bietet keinen Ersatz. Doch die meisten Menschen hierzulande teilen den Wunsch nach Plastikvermeidung. Gar nicht so überraschend sind deshalb die Zahlen einer im April 2021 von CooperVision durchgeführten Studie, bei der 15.000 Konsumenten zwischen 16 und 65 befragt wurden.

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Demnach ist es 85 Prozent der Kontaktlinsenträger wichtig, die Plastikvermüllung der Meere zu stoppen. Und 88 Prozent gaben an, plastikneutrale Kontaktlinsen gegenüber vergleichbaren, nicht plastikneutralen Linsen vorzuziehen, sollten Augenspezialisten sie empfehlen.

Einmal-Kontaktlinsen für mehr Umweltschutz

Genau das ist der neue Nachhaltigkeitsansatz des Kontaktlinsen-Herstellers. „Mit dem Projekt Plastikneutralität wollen wir dem Nachhaltigkeits-Engagement des Unternehmens eine neue Dimension geben“, so Johannes Zupfer, Geschäftsführer DACH. Nach Norwegen, Finnland, Schweden, Dänemark und den Benelux-Ländern sind seit November auch alle Einmal-Kontaktlinsen, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz von dem Unternehmen vertrieben werden, plastikneutral. Egal ob Marke, Hausmarke oder Eigenmarke.

Plastik Gefahr Ozeane

Plastikneutralität werde erreicht, wenn ein Unternehmen (oder eine einzelne Person) dieselbe Menge an Plastik, die genutzt oder hergestellt wird, zurückgewinnt und recycelt, wie Jérôme Kuzio Head of Marketing DACH, auf der Pressekonferenz erklärte.

Verwendetes Plastik an anderer Stelle recycelt

„Wir erwerben Credits, die dem Gewicht an Plastik entsprechen, das wir in unseren Einmal-Kontaktlinsen, den Blister- und Umverpackungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz verwenden. Eine gleiche Menge an Plastikmüll wird von Plastic Bank in den Küstenregionen gesammelt, bevor dieser in die Meere gelangen kann.“

Plastic Bank, ein gemeinnütziges soziales Unternehmen, 2014 von dem Kanadier David Katz gegründet und mit mittlerweile 200 Mitarbeitern, hat bereits 34 Mio. Kilogramm Plastik gesammelt. Was auch dringend nötigt sei, wie Peter Nitschke, Direktor für kommunale Partnerschaften, erklärte. „Jedes Jahr wandern 13 Mio. Tonnen Plastikmüll in unsere Ozeane. Bis 2050 wird es mehr Plastik im Meer geben als Fische.“

Plastic Bank: Weniger Vermüllung, weniger Armut

Um gegenzusteuern, baut Plastic Bank Recycling-Ökosysteme in den Ländern auf, in denen das meiste Plastik in die Meere gelangt. Es sind Schwellen- und Entwicklungsländer mit zum Teil ungenügenden Abfall-Entsorgungssystemen wie Indonesien, die Philippinen, Haiti, Brasilien und Ägypten. Die Menschen an den Küsten vor Ort sammeln den Plastikmüll ein, erhalten dafür Prämien und können so die Lebensverhältnisse ihrer Familien verbessern.

CooperVision - Plastic Bank Weltkarte
Überall auf der Welt lässt Plastic Bank Oceanplastik einsammeln (Bild: screenshot)

Der Plastikmüll wird recycelt, der globalen Lieferkette wieder zugeführt und somit zur wertvollen Währung. Über eine Alchemy Blockchain Platform kann die Lieferkette verfolgt werden. Wer mitmacht, hat ein Konto, wo er sehen kann, wie viel Plastik er gesammelt hat und welche Prämien ihm zustehen, die ihm als virtuelle Währungseinheit (Token) weitergegeben werden.

Plastic Bank hat bislang 1,7 Mrd. Plastikflaschen recycelt und arbeitete mit Firmen wie Aldi, IBM und Henkel zusammen. Zwei Programme bietet die Umweltschutzorganisation an: Social Plastic – hier zahlen die Kunden die Prämien, und Impact Programme, gedacht für Unternehmen wie CooperVision, die kein recyceltes Plastik – sogenannte Rezyklate – bei ihren Kontaktlinsen verwenden können, aber trotzdem etwas zur Plastikreduzierung beitragen möchten.

Recycling-Programme für Kontaktlinsen-Blister

Für Jérôme Kuzio ist die Plastikneutralität bei den Einmal-Kontaktlinsen „ein sinnvoller und bedeutender Schritt auf dem Weg zu innovativeren Lösungen, die helfen, unsere Umwelt zu schützen. Jeder Kontaktlinsen-Spezialist und jede Kontaktlinsen-Spezialistin kann unsere plastikneutralen Einmal-Kontaktlinsen empfehlen und verkaufen und leistet dadurch einen kleinen Beitrag zum Schutz der Umwelt.“ Ab Dezember 2021 lanciert der Hersteller hierzu eine Endverbraucher-Social-Media-Kampagne.

Dass nicht nur große Hersteller im Globalen, sondern auch Kontaktlinsen-Anpasser im Kleinen und lokal etwas für mehr Nachhaltigkeit tun können, beweist die couragierte Carina Freytag-Hafen, Augenoptikermeisterin aus München, die ebenfalls zu Wort kam. Gemeinsam mit einem regionalen Entsorger entwickelte sie ein Recycling-Programm für Kontaktlinsen-Blister, das nach Anlaufschwierigkeiten immer mehr Anhänger findet (siehe eyebizz 6.2020). Engagement für die Umwelt ist eben ansteckend.

/// JB

 

Artikel aus der eyebizz 1.2022 (Dezember/Januar)

 

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