Anzeige
Anzeige
Eyeditorial der eyebizz 2.2022

Von Glück, Myopie und des schillernden Käfers Blitz

Käfer Glück
Von Glück, Myopie und des schillernden Käfers Blitz … (Bild: Pixabay / fablegros)

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

glücklich sein ist anstrengend und gelingt nicht immer. Den Finnen leichter als den Deutschen, den Menschen in Schleswig-Holstein eher als in Niedersachsen, so steht’s im World Happiness Report und Deutsche Post Glücksatlas von 2021, ermittelt während der Pandemie.

Anzeige

Am kreuzunglücklichsten lebt Deutschland dort, wo laut Friedrich dem Großen eigentlich jeder nach seiner Façon selig werden sollte: Berlin. Wie glücklich Annette von Droste-Hülshoff war, die am Bodensee dichtete, wissen wir nicht, aber sie wusste Bescheid:

„Das Glück ist wie ein Brillengestell. Man sucht es, bis man darauf tritt, und dann ist es hinüber.“

Respektloser Vergleich, deprimierende Botschaft! Und das von einer Premiumpoetin! Hätte sie nicht wenigstens „Brillenfassung“ schreiben können? Doch Augenoptiker*innen dürfen nachsichtig sein. Drostes Kurzsichtigkeit lag von Jugend an zwischen –10 und –15 Dioptrien. Und ihre für die Nachwelt gerettete Brille – Baujahr um 1830 – sieht nicht danach aus, als wäre sie so viel Minus gewachsen gewesen. Da kam bei der Trägerin eben manchmal Unmut hoch.

Nur abgehobene Germanisten entdecken indes in Drostes Unglück Perlen des Glücks und behaupten, ihre meisterliche Detailschärfe von Naturbeschreibungen, etwa „des schillernden Käfers Blitz, wenn den Sonnenpfad er durcheilt“, sei ihrer reduzierten Fernsicht geschuldet.

Steile These! Das Einzige, was wir verlässlich wissen: Wäre die Dichterin ein Kind der Gegenwart, trüge sie nicht nur Brillengläser, die ihr Sehdefizit besser ausglichen, sie wäre auch geeignete Kandidatin fürs Myopie-Management.

Kühner Einstieg für das Thema? Vielleicht, aber überraschend. Für Annette zu spät, für die Nachwachsenden allerdings eine Hoffnung. Denn beim Myopie-Management ist derzeit viel Bewegung, wie Sie in unserem Extra Brillenglas lesen können; nach den Kontaktlinsen drängen jetzt die Glashersteller auf den Markt (S.32f).

Was uns zum nächsten Thema führt: Hoffte die Droste nach dem Malheur auf eine Ersatzbrille? Flunkerte sie beim Augenoptiker ihres Vertrauens ein bisschen bei der Ursache des Schadenfalls? Wie gehen Sie mit Reklamationen um? Mit dieser Frage beschäftigt sich unsere aktuelle eyebizz-Umfrage, an der 178 Fachleute teilnahmen. Die Ergebnisse überraschten uns, Sie vielleicht auch (S.20f).

Im Übrigen hat die Dichterin Recht: Glück ist flüchtig, und Scherben tragen nicht zwangsläufig dazu bei. Unser Gehirn reagiert auf Glückszustände übrigens so wie auf Suchtmittel. Das Belohnungszentrum wird aktiviert, körpereigene Opiate werden ausgeschüttet. Der Gewöhnungseffekt macht stumpf. Glück ist nicht als Dauerzustand angelegt.

Aber da hilft der gewitzte Philosoph Franz Josef Wetz und rettet das Glück für unseren Alltag. Er nennt es „erfüllte Leichtigkeit“. Diese wünsche ich Ihnen – auch bei der hoffentlich für Sie inspirierenden Lektüre der neuen eyebizz.

 

eyebizz Editorial Jürgen BräunleinHerzlichst,

Ihr Jürgen Bräunlein

(Chefredakteur eyebizz)

 

Artikel aus der eyebizz 2.2022 (Februar/März)

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.