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Augenoptik in der Welt

Augenoptiker: Branchenberichte international

Augenoptiker-Branchenberichte international
Augenoptiker-Branchenberichte international – vier Chefredaktionen berichten (Bild: Pixabay / Gerd Altmann)

Kleiner wird feiner, heißt es in den USA. In Norwegen sind acht von zehn diplomierten Augenoptiker*innen Frauen. In Großbritannien hat sich die Zahl der Universitäten mit Optometrie-Studiengängen innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelt. Und die Niederländer haben während der Pandemie sogar mehr Mut als sonst, neue Augenoptikgeschäfte zu eröffnen. eyebizz befragte Chefredaktionen von internationalen augenoptischen Fachzeitschriften zur Situation der Augenoptiker*innen in ihrem Land und erfuhr Erstaunliches. 

 

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7 Fragen – 4 Chefredakteure antworten

1. Was ist derzeit die größte Herausforderung für die Branche?

2. Welche Entwicklung lässt die Branche positiv nach vorne schauen?

3. Welches Ansehen haben Augenoptiker*innen bei Ihnen?

4. Wie beurteilen Sie die Gehälter (Azubi, Gesellen, Meister, Geschäftsführer) im Vergleich zu anderen Berufsgruppen?

5. Wie schwierig ist es, gutes Personal zu bekommen? Gibt es ein Nachwuchsproblem?

6. Welche Rolle spielen Filialisten?

7. Welche Fassungs- und Gläsertrends beobachten Sie?

 

Augenoptiker Magazin Optikeren NOR
Magazin Optikeren: Dag Oyvind Olsen

Dag Øyvind Olsen, Chefredakteur „Optikeren”, Norwegen

1. Die größte Herausforderung ist der Vertrieb von augenoptischen Produkten über andere Kanäle: der Online-Verkauf von Kontaktlinsen und teilweise Brillen, die direkt ins Haus geliefert werden. Mit der Covid-Pandemie sind die Umsätze von Einzelhändlern und Fachgeschäften zurückgegangen. Dennoch scheint es, dass die augenoptische Industrie in Norwegen die Pandemie recht gut gemeistert hat.

2. Die Ausgaben privater Haushalte sind nach wie vor hoch. Menschen, die arbeiten, haben jetzt mehr Geld zur Verfügung, das sie zu Hause ausgeben können, da Reisen immer noch nicht gut möglich ist. Außerdem sind sich die Politiker mittlerweile darüber im Klaren, dass das Potenzial, das der Beruf des Optometristen hat, in Norwegen zu wenig genutzt wird. Es könnte im öffentlichen Gesundheitssystem eine größere Rolle spielen.

3. Laut unserer letzten Umfrage (Januar 2020, Kantar) haben die Norweger eine hohe Wertschätzung für Augenoptiker*innen als Gesundheitsfachleute, die ihre Arbeit serviceorientiert und professionell ausführen. Allerdings sorgen sich Augenoptiker*innen, dass die harte Fokussierung in der Werbung auf Produkte und Preis dem Berufsstand schaden könnte.

4. Ein im Fachgeschäft angestellter Augenoptiker hat ein etwas höheres Gehalt als eine Krankenschwester (etwa 58.000 Euro pro Jahr). Einige Ladenbesitzer und Manager erreichen das Doppelte, im Durchschnitt etwa 70.000 Euro. Das entspricht vergleichbaren Berufen im Gesundheitswesen. Frauen haben in den letzten Jahren stärker zugelegt als Männer. Etwa acht von zehn diplomierten Augenoptiker*innen sind Frauen, vor einigen Jahrzehnten war es umgekehrt.

5. Da es viele freie Stellen gibt, ist es in Norwegen nicht schwierig, einen Job als qualifizierter Augenoptiker zu bekommen, vor allem wenn man bereit ist umzuziehen. Auch in kleineren und größeren Städten gibt es freie Stellen. In manchen Orten ist es sehr schwer, sie zu besetzen. Vor allem in Nordnorwegen wurden schon deutsche Augenoptiker*innen angeworben.

6. Die Ketten haben eine dominante Rolle auf dem norwegischen Markt, es gibt nur noch wenige völlig unabhängige Geschäfte. Allerdings ist immer noch ein Drittel der Geschäfte in lokalem Besitz und wird vom Inhaber geführt.

7. Die Norweger hatten schon immer ein großes Interesse, neue und fortschrittliche Produkte auszuprobieren, z.B. bei Kontaktlinsen. Bei Brillen ist der Markt sehr segmentiert. In Oslo gibt es neben dem Budget-Sektor auch ein breit aufgestelltes gehobenes Segment mit Schwerpunkt auf Premium-Marken. Lokal designte Brillenfassungen sind bei uns nicht so präsent wie in Dänemark und Schweden. Die Menschen geben in Norwegen mehr Geld für eine Brille aus als beispielsweise in Schweden.

 

Augenoptiker Magazin 20/20 USA
Magazin 20/20: James Spina

James Spina, Chefredakteur „20/20“, USA

1. Das Szenario der Post-Covid-Welt wird zunehmend virtuell sein. Ob virtuelle Fassungs-Anproben, Telemedizin oder Online-Bestellungen im B-to-B- und B-to-C-Bereich – alle Alternativen zum Businessmodell Face-to-Face werden derzeit in der Augenoptik in einem fast wahnwitzigen Eiltempo angenommen und befürwortet.

2. Kleiner scheint plötzlich besser zu sein. Das gibt unabhängigen Brillenanbietern und unabhängigen Brillengeschäften großen Auftrieb.

3. Ich habe keine Möglichkeit, das zu beurteilen. Diejenigen, mit denen ich in Kontakt komme und mit denen ich zusammenarbeite, haben den besten Ruf. Alle anderen müssen sich etwas einfallen lassen, am besten jenseits ausgetretener Pfade.

4. Ich bin Journalist. Wir verdienen kein Vermögen, machen aber das Leben besser und werden fair bezahlt. Nach meiner Erfahrung gilt diese Prämisse auch in der Augenoptik. Davon abgesehen, scheinen die Verdienstmöglichkeiten hier derzeit relativ zahlreich und ziemlich lukrativ zu sein.

5. Wenn man gut ist, in dem, was man tut, sollte es kein Problem sein, ein Team aus guten Mitarbeitern und engagierten, intelligenten Teamplayern aufzubauen.

6. Für viele Menschen in Amerika, die Dienstleistungen im Bereich Augengesundheit benötigen, sind die Ketten eine sehr preisgünstige Einrichtung. Solange Krankenversicherungen ein Teil dieses Versorgungssystems sind, profitieren besonders die Ketten davon.

7. Der Online-Versand ist auf dem Vormarsch. Wenn die Regierung die Pandemie unter Kontrolle gebracht hat, wird sich das vermutlich einpendeln. Doch die damit verbundenen Geschäftsmodelle werden in ihrer fortgeschrittenen Form weiterhin Bestandteil der Augenpflege und der Versorgung mit Brillen sein. Blaues Licht und Blaulichtfilter bleiben ungebremst ein Thema.

 

Augenoptiker Magazin Optician UK
Magazin Optician: Simon Jones

Simon Jones, Chefredakteur „Optician“, Großbritannien

1. Vor der Covid-19-Pandemie hätte ich geantwortet, dass die größte Herausforderung für Augenoptiker*innen die anhaltende Dominanz der Ketten ist. Die Anzahl unabhängiger Augenoptikgeschäfte ist in Großbritannien schon lange rückläufig, das Tempo hat sich im letzten Jahrzehnt nochmals erhöht. Ironischerweise hat die Pandemie die Filialisten am härtesten getroffen, da ihr Geschäftsmodell auf einer hohen Frequenz beruht, was aufgrund der Maßnahmen zum Infektionsschutz unmöglich geworden ist.

2. Die Entwicklung, die meiner Meinung nach in Zukunft den größten Einfluss haben wird, ist die erweiterte Anwendung von künstlicher Intelligenz. In der Augenoptik wird sie ein echter Vorteil sein. Die Möglichkeit, ein OCT-Bild oder ein Netzhautfoto zu analysieren und auf Daten aus Hunderttausenden von Bildern zurückzugreifen, wird den Standard der Patientenversorgung erhöhen und die Abläufe bei der Behandlung beschleunigen. KI spielt bereits in vielen virtuellen Fassungs-Anproben eine Rolle, die während der Pandemie eine zunehmende Akzeptanz erfahren haben.

3. Leider gibt es in Großbritannien wenig Wertschätzung für die unterschiedlichen Berufsfelder, d.h. Optometristen, Dispensing Opticians und Optical Assistants. „Augenoptiker“ werden oft als Verkäufer gesehen, die nur darauf erpicht sind, Upselling zu betreiben. Es überrascht nicht, dass bei den Markt- und Verbraucheruntersuchungen nicht Gleiches mit Gleichem verglichen wird. Während eine Brille online billiger sein mag, werden umgekehrt Fachwissen und Service des Augenoptikers hier kaum gewürdigt.

4. In Großbritannien variieren die Gehälter je nach Region; dort, wo gutes Personal schwer zu bekommen ist, sind die Gehälter höher. Augenoptiker können im Allgemeinen zwischen £20.000 und £40.000 verdienen (ca. EUR 23.170/ EUR 46.300), Optometristen zwischen £30.000 und £60.000 (EUR 34.750/ EUR 69.500), je nach Erfahrung und Arbeitsort. Die Gehälter erfahrener Optometristen liegen auf dem gleichen Niveau wie die von Zahnärzten und Ärzten der mittleren Ebene.

5. Kommt darauf an, wen Sie fragen! Sowohl große als auch kleine Arbeitgeber werden antworten, dass es in manchen Teilen des Landes immer schwieriger wird, Optometristen zu rekrutieren, da junge Fachkräfte am liebsten in einem urbanen Umfeld arbeiten wollen. Dieses Problem könnte sich aber von selbst lösen, wenn der „Covid-Exodus“ aus den Großstädten anhält. Wenn Sie hingegen einen Optometristen fragen, ob es zu viele Optometristen gibt, wird er zustimmen, denn die Zahl der Universitäten, die Optometrie-Studiengänge anbieten, hat sich bei uns innerhalb von zehn Jahren verdoppelt.

6. Eine massive Rolle. Specsavers dominiert den Markt und hat sich im Bewusstsein der Öffentlichkeit festgesetzt. Die Übernahme von GrandVision durch EssilorLuxottica wird diesen Teil des Marktes jedoch aufrütteln, denn die zweitgrößte Kette in Großbritannien ist Vision Express – eine Marke von GrandVision. Hoffentlich können die Unabhängigen davon profitieren.

7. Brillengläser, die Blaulicht filtern, werden stark beworben, aber nicht über die traditionellen optischen Kanäle. Stattdessen versuchen neu gegründete Brillenmarken, aus der Besorgnis der Verbraucher Kapital zu schlagen. Sie verlassen sich dabei auf die Kommunikation der schlechten Auswirkungen von Blaulichtexposition und der angeblichen langfristigen Risiken für die Augengesundheit wofür es wenig oder keine Beweise gibt. Das birgt die Gefahr, den Ruf des Berufsstands der Augenoptiker*innen zu beschädigen. Direkt an den Verbraucher gerichtete Marken wie Ace & Tate und Cubitts expandieren in Großbritannien weiter mit einem Angebot, das speziell auf die Jugendmärkte abzielt.

 

Augenoptiker Magazin Oculus NL
Magazin Oculus: Myrthe Blazis

Myrthe Blazís, Chefredakteurin „Oculus“, Niederlande

1. Wie in anderen Ländern auch: die Corona-Krise. Doch die augenoptische Industrie schnitt 2020 insgesamt gut ab. Die Regierung hat Augenoptikgeschäfte als „essentiell“ eingestuft, sodass sie nicht schließen mussten. Trotzdem waren die Straßen leer, die Leute blieben zu Hause. Es war ein schwieriges Jahr.

2. Die Tatsache, dass die Geschäfte nicht schließen mussten, war ein positives Signal für die Branche. Erstaunlicherweise wurden in dieser Zeit viele neue Augenoptikgeschäfte eröffnet. Das zeigt das Vertrauen der Niederländer in den Berufsstand.

3. Da muss ich ausholen. In den Niederlanden braucht man keine Ausbildung/Diplom, um sich Augenoptiker*in zu nennen. Jeder, der will, kann sein eigenes Augenoptikgeschäft eröffnen. Wir von der NUVO, der Branchenorganisation für Augenoptikergeschäfte, sind deswegen sehr besorgt. Wir denken, dass jemand, der eine Augenmessung durchführt, ein Diplom haben muss (in der Regel ein dreijähriges Studium). Wir versuchen schon länger, die Regierung davon zu überzeugen, das zu ändern. Solange das nicht der Fall ist, haben wir unser eigenes Qualitätszeichen (genannt NUVO Keurmerk). Um es zu bekommen, müssen unsere Mitglieder nachweisen, dass sie geschulte Mitarbeiter haben. Anhand des Qualitätszeichens können sich die Verbraucher orientieren.

4. Das kann ich nicht sagen.

5. Es ist schwierig, gut ausgebildetes Personal zu finden. Der Beruf und die Ausbildung müssen mehr in die Öffentlichkeit gebracht werden. Unsere neue Website „Zie wat je kann“ („Schau, was du kannst“) informiert über die schönen Seiten des Berufs, Aspekte wie Mode, Medizin, Technik, Kundenkommunikation. So soll es jungen Menschen erleichtert werden, sich für eine Ausbildung zu entscheiden. Wir haben für dieses Thema sogar eine Stiftung gegründet.

6. Es gibt bei uns viele Ladenketten (Specsavers, Pearle, EyeWish, Hans Anders z.B.), aber auch jede Menge unabhängiger Augenoptikgeschäfte. Ich denke, es ist Platz für beides. Jeder hat seine eigene Zielgruppe, seine speziellen Kunden. Doch unabhängige Augenoptiker*innen haben die schönsten Geschäfte in den Niederlanden!

7. Myopie-Management ist ein klarer Trend. Augenoptiker*innen schenken diesem Thema immer mehr Aufmerksamkeit, informieren sich, denken nach, ob sie damit arbeiten wollen. In unserer Zeitschrift diskutieren wir regelmäßig darüber.

 

Beitrag aus der eyebizz 4.2021 (Juni/Juli)

 

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