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Optometrie-Masterstudiengang hält zusammen

Hochschule Aalen: Den italienischen Studierenden beistehen

Sie sind eigentlich weit weg, die Bilder aus den Krankenhäusern Italiens, wo das Gesundheitssystem an seine Grenzen stößt, aber schnell sehr nahe, wenn man Personen kennt, die unmittelbar betroffen sind. So auch für die Studierenden des berufsbegleitenden Masterstudiengang „Vision Science and Business (Optometry)“ der Hochschule Aalen, deren Kommilitonen auch aus Italien kommen. Genauer gesagt aus den Corona-Krisengebieten in Norditalien rund um Mailand.

HS Aalen - #togetherwearestronger
Bild: Eleonora Fatigati /HS Aalen

„Die Zustände hier sind einfach nur hart“, berichtet Studentin Eleonora Fatigati per E-Mail. „Alles hier hat geschlossen. Wir können nur zum Supermarkt in unserer Stadt gehen, dann aber auch nur eine Person pro Familie“, beschreibt sie die Situation vor Ort und ergänzt: „Wenn wir rausgehen, müssen wir Schutzmaske und Handschuhe tragen und beim Einkaufen müssen wir einen Einkaufswagen nutzen – um den vorgeschriebenen Mindestabstand einzuhalten. Wir sind alle sehr angespannt, aber wir unterstützen uns gegenseitig.“

Eleonora Fatigati schreibt wie Alessandro Protti gerade an der Masterarbeit; Emanuele Mocciardini und Max Aricochi befinden sich in der Präsenzphase des berufsbegleitenden Masters der Hochschule Aalen. Normalerweise hätten natürlich auch Emanuele und Max Mitte März am Modul „Kinderoptometrie“ in den Vorlesungen und praktischen Übungen in den Laboren an der Hochschule in Aalen teilgenommen. Aufgrund der Reisebeschränkungen konnten sie nicht dabei sein.

Das stellt natürlich auch die Lehrenden vor neue Herausforderungen. Lösungen mussten gefunden werden, sodass auch die Studierenden, die ihr Heimatland nicht verlassen können, weiterhin an der Lehre teilnehmen können. „Hier müssen wir gerade für unsere Studierenden aus dem Ausland mit teilweise bis zu zwölf Stunden An- und Abreise für jedes Präsenzmodul für die derzeit maximal mögliche Planungssicherheit sorgen und haben uns daher bereits jetzt entschieden, die für Mai geplanten Module online anzubieten“, erklärt Studiendekanin Prof. Dr. Anna Nagl die besondere Situation.

Studienaufenthalt in den USA verschoben

Auch der für Mitte April geplante komplett durchorganisierte 14-tägige Studienaufenthalt am College of Optometry an der Pacific University in Oregon und in mehreren weltweit führenden Augenkliniken über die USA verteilt, muss natürlich aufgrund der Pandemie verschoben werden. Im Sommer 2019 konnten noch alle Studierenden gemeinsam – egal ob aus Deutschland, Italien, Kroatien, Slowenien, der Schweiz und auch Thailand – ans New England College of Optometry in die USA nach Boston reisen.

Eleonora Fatigati am New England College of Optometry Boston
Eleonora Fatigati am New England College of Optometry Boston (Bild: Ekaterina Smuglova / Hochschule Aalen)

„Wir gehen derzeitig vorsichtig optimistisch davon aus, dass wir das Vor-Ort-Modul in den USA im Dezember dieses Jahres nachholen können“, blickt die Studiendekanin Anna Nagl in die Zukunft. „Früher wäre das Nachholen dieses US-Aufenthalts auch aufgrund der engen Taktung der Module in diesem berufsbegleitenden Masterstudiengang gar nicht möglich.“

Zum jetzigen Zeitpunkt sei es natürlich eine schwierige Situation. „Ich leide seit Wochen mit unseren Studierenden aus Norditalien und befinde mich in stetigem Austausch mit ihnen“, erzählt Anna Nagl. Erkrankt sei zum Glück noch keiner der Studierenden und Alumni, mit denen sie Kontakt habe.

Spendenaufruf für Krankenhäuser in Norditalien

Und während diese Studierenden weder zum Studium nach Aalen reisen noch die Wohnung verlassen können, haben sich sieben von ihnen zusammengetan, um Spenden für die Krankenhäuser in den in Norditalien am härtesten betroffenen Gebieten Bergamo und Mailand zu sammeln. „Es fühlt sich an wie ein zum Leben erwachter Albtraum! Im Moment geht unser Gesundheitssystem in die Knie“, berichtet Alumna Lara Porra. Studentin Eleonora Fatigati ergänzt: „Alle Bereiche der Krankenhäuser sind voll von Covid-19-Patienten, und es werden sogar Camps für neue Patienten aufgebaut.“

Loris Colombo - Prof. Bina Patel (NECO) - Lara Porra - Andrea Rapino
Studierende und Freunde der Hochschule Aalen (von links): Loris Colombo, Prof. Bina Patel (NECO), Lara Porra und Andrea Rapino (Bild: HS Aalen / Prof. Anna Nagl)

Das Geld, das gespendet wird, gehe direkt an zwei betroffene Krankenhäuser und würde zum Kauf von Beatmungsgeräten, Herz-Kreislauf-Überwachungssystemen und Atemschutzmasken verwendet werden. Eleonora Fatigati ist zuversichtlich, dass die Spenden helfen: „Ich persönlich hoffe, dass wir eines Tages wieder aufwachen können, ohne den ganzen Tag die Sirenen der Krankenwagen hören zu müssen.“

Die Resonanz innerhalb der Studiengänge Augenoptik/Optometrie sei überwältigend. „Nachdem wir den Spendenaufruf über die sozialen Medien (#togetherwearestronger) geteilt hatten, hat dieser innerhalb von 24 Stunden knapp 1.000 Personen erreicht“, so Nagl. Warum sie trotz der räumlichen Distanz und der ernsten Lage in Deutschland derzeit ganz besonders auch ihre italienischen Studierenden unterstützt: „Ich will nur ein klein wenig Hoffnung geben und sie wissen lassen, dass wir an sie denken. Auch wenn wir heute noch nicht sagen können, wann das nächste gemeinsame Präsenzmodul in Aalen stattfinden kann. Wir werden die die Situation Anfang Mai neu bewerten …“

Und so bleibe zum jetzigen Moment nur das, worauf es in der aktuellen Situation ankommt: „Auch in der Isolation zusammenzufinden, sich gegenseitig zu unterstützen und nicht diejenigen zu vergessen, die wir nicht mehr täglich sehen – was an der Hochschule Aalen dank des großen Engagements aller Beteiligten gut gelingt.“

 

Wer die Spendensammlung der italienischen Studierenden unterstützen möchte, kann dies auf folgenden Wegen tun:

Für Bergamo

Via GoFundMe:
https://www.gofundme.com/f/emergenza-covid-cesvi-per-bergamo

Oder als Überweisung:
Azienda Socio Sanitaria Territoriale Giovanni XXIII
IBAN IT52Z0569611100000012000X95
BIC/SWIFT: POSOIT22 (if requested)
Verwendungszweck: Covid-19 , Name Nachname

Für Mailand

Als Überweisung ans Sacco Hospital in Mailand:

Bank: UBI BANCA
Via della Moscova, 33 – 20121 MILANO
ABI: 03111 – CAB: 01603 C/C: 000000009130
IBAN: IT 57 W 03111 01603 000000009130
SWIFT : BLOPIT22
Verwendungszweck: Covid-19, Name Nachname

 

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