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Produkt: eyebizz 2/2019
eyebizz 2/2019
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Designer-Portrait eyebizz 1.2018

Veronika Wildgruber: Ästhetik der Kontraste

Wer sind die Menschen hinter den Brillen? Wessen Ideen beeinflussen das, was Hersteller produzieren, Außendienstler in Läden bringen, Augenoptiker verkaufen und Menschen auf der Nase tragen? eyebizz portraitiert die Kreativen der Branche. In der Ausgabe 1.2018 ist es Veronika Wildgruber.

Portrait von Veronika Wildgruber

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Entwerfen braucht Dreidimensionalität

„Vieles entsteht durchs Machen“, sagt Designerin Veronika Wildgruber, während sie beim Sprechen sichtlich nachdenkt. „Was am Schluss herauskommt, ist nicht unbedingt geplant, sondern entscheidet sich während des Prozesses.“ Aus der Schublade zieht sie das Modell einer Brillenfassung, das sie aus Pappkarton herausgeschnitten und geklebt hat. Das Entwerfen brauche Dreidimensionalität und die Haptik des Anfassens, das abwägende Drehen und Wenden mit den Händen, sagte sie. Damit fange es meistens an, wobei zunächst in der Regel eine Zeichnung steht.

Für die 36-Jährige besteht die Aufgabe eines Designers auch nicht darin, die Welt neu zu erfinden, sondern bereits vorhandene Dinge, Formen und Materialien überraschend und neu zusammenzubringen und dabei Produkte entstehen zu lassen, „die Menschen dabei helfen, alltägliche Abläufe besser zu machen.“ Wie überzeugend der ebenso kreativen wie unprätentiös auftretenden Designerin das gelingt, zeigt ihr Brillenmodell „Arthur“, mit dem sie den Silmo d’Or 2017 in der Kategorie Sonnenbrillen-Design errang.

Veronika Wildgruber Eyewear - hier Modell Arthur in Havanna-Mint
Silmo d’Or-Sieger 2017: Modell „Arthur“ von Veronika Wildgruber

Zwei geometrische Prinzipien ergeben in der Schnittmenge eine neue, höchst extravagante und zugleich harmonische Brillenform. Eine gerade Linie durchdringt die Gläser von beiden Seiten, um dahinter zusammenzulaufen. Der Balken ist dick, die Ränder der runden Gläser sind dünn. Auch die verwendeten Materialien sind verschieden.


„Brillendesign zwingt zur Präzision: sehr wenig verändert sehr viel.“


Veronika Wildgruber liebt ein solches Design-Spiel, bei dem eine Ästhetik der Kontraste entsteht, die angenehm ins Auge springt. Ähnlich verfährt sie bei ihren anderen Produktkreationen, zum Beispiel der minimalistischen Garderobe, die aus vier Kleiderhaken in Form eines Y besteht (IF Product Design Award 2011), der Neuinterpretation einer klassischen Hängeleuchte („Carrousel“) oder auch bei ihren kecken „Soft Wood“-Stühlen: Sie sind aus Holz, vermitteln aber optisch den Eindruck, sie seien mit Stoff und Polsterung überzogen. Die perfekte Täuschung.

Portrait von Veronika Wildgruber - hier die Stühle Softstool
Veronika Wildgruber – Softstool

Die ersten Brillen-Entwürfe

Eigentlich wollte Veronika Wildgruber Grafikdesign studieren. Dass ihr Studium neben dem Kommunikationsdesign auch Produktdesign beinhaltet, wie in Bozen, erwies sich als Glücksfall, denn es war die Richtung, in die sie dann doch wollte. Nach dem Studium verbrachte sie vier Jahre in Paris, arbeitete u.a. für den österreichischen Industriedesigner Robert Stadler, der sich an der Schnittstelle zur Kunst bewegt, und den Möbeldesigner Gabriele Pezzini. Dann kam Jacques Durand Occhiali, der Weggefährte von Alain Mikli, auf sie zu, weil er wissen wollte, wie jemand, der nicht direkt aus der Branche kommt, mit der Herausforderung Brillendesign umgeht.

Wildgruber besuchte Messen und Hersteller, fühlte sich in die neue Materie ein und stürzte sich ins Entwerfen. Bald schon machte die gebürtige Oberbayerin ihre eigene Kollektion, für die es dann 2011 auch schon einen Silmo d’Or gab. Die preisgekrönte Sonnenbrille entstand nach dem Prinzip Schneiden und Verformen: Aus einem einzigen Stück Acetat gefräst, entfaltete die Fassung eine fächerartige Anmutung, die Tiefe und Volumen erzeugte. Auch hier zeigte sich die Vorliebe der Designerin für die raffinierte Inszenierung von Kontrasten.

Für mutige Brillenträgerinnen

Die Preise für Veronika Wildgruber Eyewear liegen zwischen 370 und 450 Euro, Zielgruppe sind vor allem berufstätige Großstädterinnen zwischen 40 und 50. Aufmerksamkeit für das Label sei schon da, sagt sie, noch etwas mehr Öffentlichkeit wäre aber schön. Sie weiß, dass es ein Nischenmarkt ist und dass ihre Brillen den Trägerinnen etwas Mut abverlangen.

Veronika Wildgruber Eyewear - hier Modell Tati
Veronika Wildgruber Eyewear – hier Modell Tati

Veronika Wildgruber arbeitet in Berlin Kreuzberg in einem Fabrikloft, teilt sich den Raum mit einer anderen Kreativen. Sie hat eine Mitarbeiterin, um den Vertrieb kümmert sie sich nicht, und will vor allem nur eines: einfach nur entwerfen. Den Einstieg ins Brillendesign hat die zweifache Mutter offensichtlich nicht bereut, er hat sie auch insgesamt weitergebracht. In punkto Genauigkeit und Präzision, so sagt sie, wurde ihr Auge geschult. Eine ihrer neuen Erkenntnisse als Designerin lautet: „Bei Brillenfassungen und noch mehr bei den Gläsern verändert sehr wenig sehr viel.“

||| JUEB

 

Veronika Wildgruber

Jahrgang 1981

Studium Produktdesign an der Freien Uni Bozen, 4 Jahre Aufenthalt in Paris, Zusammenarbeit mit Designbüros, darunter Gabriele Pezzini, Pierre Charpin, Robert Stadler.

Seit 2011 Studio in Berlin, designt Lampen, Garderoben, aktuell künstlerische Leitung von „ Jacques Durand Occhiali“, eigene Linie: Veronika Wildgruber Eyewear.

Kontakt: eyewear.veronikawildgruber.com

 

 

Produkt: eyebizz 2/2019
eyebizz 2/2019
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