eyebizz sprach mit dem Inhaber Wolfgang Thelen

Hornbrillen: Nischenmarkt mit Zukunft

Lange Zeit galten Naturhornbrillen als eher konservativ. Und ihre Träger auch. Mittlerweile begeistern sich auch Jüngere dafür. Was ist so faszinierend an Brillen aus Naturhorn? eyebizz fragte Wolfgang Thelen, Geschäftsführer IVKO GmbH und Hoffmann Natural Eyewear.

eyebizz: Mit welchen Arten von Naturhorn wird bei Hoffmann Natural eyewear derzeit gearbeitet?

Wolfgang Thelen: Neben Büffelhorn auch Hirschhorn und Rinderhorn. Die Vielfalt aus fernen Ländern und auch die heimischen Hölzer bringen Spannung, Abwechslung und Geschichten in unsere Kollektion.

Worin unterscheiden sich die unterschiedlichen Hörner bei der Verarbeitung?

Büffelhorn und Rinderhorn sind das, was wir in unglaublich vielen Farbvarianten am häufigsten verarbeiten. Hirschhorn ist nicht ganz einfach, da es im Grunde kein Horn sondern Knochen ist. Das erfordert besonders viel Gefühl und Erfahrung bei der Verarbeitung.

Was ist der Reiz von (Büffel)Horn als Material für Brillenfassungen?

Für eine Hornbrille gibt es viele Argumente. Darunter haptische und optische Aspekte – aber auch genauso solche, die mit der persönlichen Einstellung und dem Wohlfühlen zu tun haben. Horn ist hautfreundlich und löst keine Allergien aus. Es fühlt sich warm und angenehm an – die Brille passt sich beim Tragen der Körpertemperatur an, man spürt kaum, dass man eine Brille trägt. Auch optisch ist Büffelhorn immer etwas ganz besonderes. Die sanften Farbnuancen und Maserungen strahlen eine unvergleichliche Natürlichkeit aus. Jedes Horn ist in seiner Struktur und Farbgebung anders beschaffen – und somit ist auch jede handgefertigte Brille ein echtes Unikat. Last but not least ist es das positive Bewusstsein beim Tragen einer Naturhorn-Fassung. Es geht um Natürlichkeit, Wertigkeit und Individualität. Ein Hand-Made-Produkt, in deutscher Handwerkskunst gefertigt, zeugt von Geschmack und einem hohem Qualitätsanspruch.

Wie wird das aus Indien stammende Horn zu Ihnen in die Eifel geliefert?Naturhornbrillen im Trend der Zeit

Das ist wirklich spannend! Unser Markengründer Joseph Hoffmann hat eine bahnbrechende Optimierung in diesem Bereich erfunden. Früher wurden ganze Hörner von Indien nach Deutschland verschifft. Joseph Hoffmann hat dann in den 80er Jahren eine Maßnahme entdeckt, mit der die Büffelhörner gleich in Indien vor Ort aufgebogen und zu Hornplatten verarbeitet werden können. Das bringt eine große Ersparnis, was Platz und Ausschuss anbelangt; zum anderen schafft das dort wichtige Arbeitsplätze, wo wir unser Rohmaterial her beziehen. Die Hornplatten kommen komplett roh und unbearbeitet hier bei uns in der Eifel an. In dieser Form kann man auch noch nicht genau die Farbe erkennen, die sich hinter der Hornplatte verbirgt – man sieht nur eine Hell- oder Dunkel-Tendenz. Es ist immer wieder sehr spannend zu sehen, welche genaue Farbnuance jede einzelne Platte enthüllt. Diese enttarnt man dann mit dem ersten Handwerks-Schritt – dem Herunterschleifen der Platten von ca. 5 mm auf ca. 1 mm.

Was für Persönlichkeiten sind Ihre Kunden? Sind auch Frauen dabei?

Natürlich haben wir auch eine große Anzahl von Kundinnen. Viele unserer Modelle sind unisex – sowohl in der Form als auch in der Farbgebung. Die Kundschaft ist durchaus vielfältig. Man könnte aber vermutlich sagen, als kleinster gemeinsamer Nenner handelt es sich immer um qualitätsbewusste Individualisten.

Grundsätzlich ist es so, dass unsere Fassungen die Persönlichkeit ihres Trägers bzw. ihrer Trägerin unterstreichen und weniger selbst im Vordergrund stehen. So stellen wir immer wieder fest, dass in unserer Klientel viele Macher/innen und Vorandenker/innen zu finden sind.

Was ist das Besondere an Ihren Hornbrillen?

Bei uns geht es um ein hochqualitatives, natürliches Handmade-Produkt mit hohem Designanspruch, dabei bleibt der Träger mit allen seinen Facetten im Fokus des Gegenübers. Bei unseren Fassungen verzichten wir auch auf ein Markenlogo an der Brillen-Außenseite. Wir sind bekannt für ein gewisses Understatement. Herausragend ist auch, dass wir mit unserer „horn & wood delights series“ die dünnste Hornfassung am Markt produzieren. Durch den geschützen „Triplex-Horn“ Kern – erreichen wir trotz dieser Leichtigkeit und geringen Materialstärke eine besonders hohe Stabilität und Langlebigkeit. Insgesamt stehen über 300 Farben zur Auswahl: Die unterschiedlichsten Horn-Nuancen, von Hell über Braun bis hin zu Anthrazit, aber auch kräftige Kontrastfarben durch natürlich coloriertes Holz oder Horn. Beliebt sind Fassungen mit feinen Echtgold-Akzenten: Unsere „Gold-Rush“-Kollektion ist besonders edel und im Horn-Segment einzigartig. Zusätzlich finden weitere Eyecatcher-Materialien Verwendung; so zum Beispiel Schiefer oder auf Kundenwunsch auch Seide oder Alpakahaar.

Welche Ihrer Hornfassungen sind derzeit im Trend?

Es gibt in unserer Kollektion Fassungen, die kommen nie aus der Mode. Um ein Beispiel zu nennen: Das klassische Modell in Pantoform, aus Büffelhorn in sanften Farbnuancen und mit Schlüssellochsteg darf und durfte zu keiner Zeit in unserer Kollektion fehlen. Andere Trends hingegen entwickeln sich. Dank kreativer Design-Ideen und einer sehr guten Forschungs- und Entwicklungsabteilung können wir regelmäßig mit trendgerechten Innovationen aufwarten. Büffelhorn, übrigens einer der ältesten Brillen-Werkstoffe überhaupt, ist eben wandelbar, und wir sind offen für Neues. Zum Beispiel kombinieren wir in einer aktuellen Serie Horn und Holz mit Titan. Unsere „Ti-line“ kommt dem aktuellen Trend nach sichtbarer Leichtigkeit, cleanem Design und kontrastreichem Materialmix entgegen.

Über das Unternehmen: Hoffmanns Natural Eyewear ist eine Hornbrillenmanufaktur mit Firmensitz in Kelberg in der Vulkaneifel. Sie hat rund 90 Mitarbeiter und stellt seit 1978 Hand-Made-Hornbrillen her. Der Vertrieb umfasst mittlerweile 62 Länder. Endverbraucher-Preise liegen  zwischen 700 Euro und 1400 Euro.

www.natural-eyewear.com

 

Alle Fotos: Hoffmann Natural Eyewear

 

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