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Prof. Dr.-Ing. Michael Prilla:

Der Erfinder der Pflegebrille

Forschungsprojekte an deutschen Universitäten sind nichts Außergewöhnliches. Mit der Erfindung einer digitalen Pflegebrille aber hat man am Institut für Informatik der TU Clausthal in Niedersachsen für Aufsehen gesorgt. Entwickelt wurde die Innovation, die Maßstäbe fürs Gesundheitswesen setzen könnte, unter der Federführung von Prof. Michael Prilla. [13341]

Pflegebrille - Anweisungen Wundversorgung
Die Pflegebrille leistet virtuelle Unterstützung z.B. bei der Wundversorgung (Bild: TU Claustahl)

Schon früh interessierte sich der 43-jährige gebürtige Westfale für das Zusammenspiel von Mensch und Technik und die zentrale Frage: „Wie lassen sich Virtualität und IT so ins normale Leben einbetten, dass Menschen einen echten Nutzen davon haben?“ Die Pflegebrille der TU Clausthal – der erste Prototyp entstand 2016 – ist eine zeitgemäße Antwort darauf. Sie dient der digitalen Anwendung in der häuslichen Intensivpflege.

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Über ein Display in den Gläsern können sich Pflegekräfte Anleitungsschritte für komplexe Behandlungen erklären lassen, beispielweise im Fall schwerer Lungenerkrankungen, wo unter großer Sorgfalt Luftröhren abgesaugt werden müssen und das unter Einhaltung strenger Hygiene- und Desinfektionsvorschriften. Über Nicken oder Kopfschütteln können sich Pflegekräfte, die die Brille tragen, durchs Menü klicken und haben doch beide Hände frei. Bei Problemen kann zudem eine zweite Person ins Display zugeschaltet werden.

Pflegebrille zur Unterstützung des Pflegepersonals

Die Pflegebrille leistet noch mehr. Man kann mit ihr scannen und Daten von Patienten abrufen. Und sie leistet virtuelle Unterstützung bei Vorgängen wie Wund- oder Schmerzmanagement. Für einige der Brillen gibt es sogar Korrekturlinsen. „Ausprobiert haben wir das aber noch nicht“, sagt Prilla, „da wir auch aus Kostengründen die Nutzung der Brillen durch mehrere Personen – bzw. im Schichtsystem oder geteilt auf einer Station – konzipieren.“

Pflegebrille - Nachrichten und Menü
Display der Pflegebrille mit Nachrichten und Menü (Bild: TU Clausthal)

Mit Kooperationspartnern wie Pflegediensten, Softwareentwicklern und drei weiteren Hochschulen ist die TU Clausthal effizient vernetzt. Fernsehbeiträge bei RTL oder NDR machten die Pflegebrille auch bundesweit bekannt. Mit einer Marktreife rechnet Prilla für 2022, der voraussichtliche Anschaffungspreis liegt bei rund 1.000 Euro.

Pflegebrille - TU Claustahl - Prof. Michael Prilla
Prof. Michael Prilla

Jetzt, wo das Thema Pflege verstärkt in den Fokus rückt, stehen die Chancen für einen breiteren Einsatz von Augmented-Reality-Technologie in der ambulanten Intensivpflege gut. Bislang war die Verbreitung von IT im Gesundheitswesen eher gering, stellt Prof. Michael Prilla fest.

Wichtig ist ihm, darauf hinzuweisen, „dass die Pflegebrille auf keinen Fall qualifiziertes Personal ersetzt, weil eine gute Ausbildung der erste Schritt ist, überhaupt Pflege durchzuführen: rechtlich und ethisch.“ Was die zukünftigen Möglichkeiten von IT und Künstlicher Intelligenz betrifft, hat er „eine optimistische Haltung“, versucht aber auch die „notwendige Distanz zu bewahren“. Entscheidend sei für ihn immer, dass Technik gemeinsam mit potenziellen Nutzern entwickelt werde.

/// JUEB

 

Beitrag aus der eyebizz 4/5.2020

 

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