Die neue Funduskamera steht da, oder das brandneue OCT. Vielleicht auch das frisch gebrandete Multifunktionsgerät Ihres Glasherstellers. In den ersten Wochen war es das Gesprächsthema im Team. Es wurde ausprobiert, genutzt, gestaunt. Dann wurde es ruhiger. Heute wird es sporadisch eingesetzt. Nicht, weil es schlecht ist, sondern weil nicht alle richtig gut wissen, wann es wirklich dazugehört.
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Wie sprechen wir Gesundheitsleistungen und Screening beim Kunden an? Was, wenn Rückfragen kommen? Was passiert bei einem auffälligen Ergebnis? Und wie reagieren die Ärzte?
Viele Betriebe stehen gerade an diesem Punkt
Der Markt wird lauter. Screening wird sichtbarer. Neue Anbieter drängen mit Tempo und großen Versprechen in die Branche. Der Einstieg ins Augenscreening wirkt einfacher denn je.
Aber vielleicht stellen wir uns die falsche Frage. Sie heißt nicht: Wie kann ich Screening möglichst einfach und günstig einführen? Sondern sie sollte lauten: Wie gut kann ich es verantworten? Denn: Wer Screening anbietet, macht mehr als Marketing. Er greift in Gesundheitsbiografien ein!
Hinter jedem Fundusbild steht ein Mensch. Mit Erwartungen. Mit Sorgen. Mit Vertrauen. Screening ist nicht nur ein Zusatzmodul im Verkaufsprozess. Es verändert die Rolle des Betriebs.
Wenn man Patienten und Kunden heute zuhört, hört man etwas anderes als noch vor einigen Jahren: Unsicherheit. Orientierungslosigkeit. Den Wunsch nach Einordnung und Beratung.
„Ist das schlimm?“ – „Muss ich damit zum Arzt?“ – „Wie dringend ist das?“
Viele Menschen erleben Gesundheitsversorgung fragmentiert. Sie bekommen Daten – aber keine Einordnung. Ergebnisse und Befunde – aber zu wenig Begleitung. Genau hier liegt eine enorme Chance für Augenoptiker. Nicht als Ersatz für Augenärzte, sondern als erste verantwortungsvolle Instanz.
Screening kann dabei ein starkes Instrument sein. Aber nur, wenn es mehr ist als ein Bild. Es braucht Klarheit im Team:
Wann bieten wir es an?
Wie erklären wir es?
Was passiert bei Auffälligkeiten?
Welche Wege sind definiert
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, wird aus einer technischen Lösung eine verantwortungsvolle Haltung.
Und erst wenn Screening in die Abläufe integriert ist, wird es auch wirtschaftlich sinnvoll. Was routiniert eingesetzt wird, erzeugt Sicherheit. Sicherheit im Team schafft Souveränität im Gespräch. Souveränität erzeugt Vertrauen, und Vertrauen ist am Ende das nachhaltigste Geschäftsmodell.
Der Markt wird lauter, Screening sichtbarer. Der Einstieg wirkt einfacher denn je. Aber stellen wir uns vielleicht die falsche Frage?
Als Arzt und Unternehmer erlebe ich beides: den medizinischen Anspruch – und die betriebliche Realität. Ich bin überzeugt, dass Augenoptiker in Zukunft eine größere Rolle in der Gesundheitsversorgung spielen können. Vielleicht sogar spielen müssen. Die Verfügbarkeit von Augenärzten wird nicht wachsen. Der Informations- und Beratungsbedarf der Menschen aber schon.
Verantwortung entsteht aber nicht durch eine Software oder einen Anbieter. Sie entsteht durch Struktur.
Ein Screening, das nicht routiniert angewendet wird, bleibt Zufall.
Ein Screening ohne klar definierten Weg bei Auffälligkeiten erzeugt Unsicherheit.
Ein Screening, das nicht ins Beratungsgespräch integriert ist, wirkt wie ein Fremdkörper
Gerade jetzt erleben wir eine Phase, in der Screening schneller in die Betriebe kommt als je zuvor. Das ist zunächst positiv. Bewegung ist gut.
Aber wenn vor allem die Zahl neuer Installationen zählt, gerät leicht in Vergessenheit, was danach passiert.
Wie oft wird wirklich gescreent?
Wie sicher fühlt sich das Team?
Wie klar sind die Abläufe, und sind sie wirtschaftlich?
Und wie wird mit Auffälligkeiten umgegangen
Screening darf nicht nur daran gemessen werden, wie schnell es verbreitet wird. Sondern daran, wie verantwortungsvoll es gelebt wird.
Dr. Amir Parasta: Arzt und Mitgründer der epitop GmbH (Bild: epitop)
In der frühen Aufbauphase unseres Unternehmens bin ich auf zwei Gedanken des Schweizer Professors und Autors Fredmund Malik gestoßen, die mich bis heute begleiten: Als Unternehmer sollte man die Dinge tun, die richtig sind – nicht nur die, die möglich sind. Und wirklich gut wird man nicht in dem, was kurzfristig begeistert, sondern in dem, was so klar strukturiert ist, dass es im Alltag leichtfällt.
Vielleicht gilt genau das auch für Screening? Es ist möglich, es schnell einzuführen.
Richtig wird es erst, wenn es eingebettet ist. Und wirklich gut wird es, wenn es Routine ist.
Für uns bei epitop war deshalb früh klar: Verantwortung endet nicht an System- oder Anbietergrenzen. Wenn Screening getragen werden soll, müssen Lösungen zusammenspielen – unabhängig davon, wo sie herkommen. Entscheidend ist nicht, wer etwas liefert. Entscheidend ist, ob es dem Patienten und dem Kunden Orientierung gibt.
Screening wird bleiben. Die Frage ist nur, welche Rolle die unterschiedlichen Augenoptikbetriebe dabei einnehmen.
Wer Screening verantwortet, wird gebraucht. Wer es nur anbietet, wird austauschbar. Vielleicht entscheidet sich genau jetzt, was von beidem die Zukunft unserer Branche prägen wird.
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Dr. Amir Parasta: Arzt und Mitgründer der epitop GmbH, nennt sein Unternehmen „den Markt- und Innovationsführer für Telemedizinische und KI-gestützte Screenings“. Als Arzt und Unternehmer kombiniert er fundiertes Fachwissen aus Medizin und IT. In der E-Health-Branche und in der Ärzteschaft gilt er als Experte für praxisnahe Digitalisierung. Und in der Augenoptik ist Parasta jemand, der die Entwicklung des Augenscreenings seit über einem Jahrzehnt beobachtet, begleitet und auch bestimmt.