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Analyse des GTAI

US-Markt der Sehhilfen: Pandemie und Potenzial

Der US-Umsatz mit Brillen und Kontaktlinsen ist zwar Pandemie bedingt stark eingebrochen, erholt sich 2021 aber langsam. Doch gibt es laut GTAI in der Augenpflege, -optik und -medizin bei Sehhilfen etliche weitere Nischen mit Umsatz-Potenzial, die auch von deutschen Firmen genutzt werden.

USA-Markt Eyewear
Bild: Pixabay

Einbruch und Erholung

Zwar ist der Umsatz mit Sehhilfen im Zuge von Pandemie und Geschäftsschließungen 2020 gegenüber dem Vorjahr um etwa 17 Prozent auf 31,2 Milliarden US-Dollar gesunken. Die Rückgänge betrafen vor allem verschreibungspflichtige Brillen und Sonnenbrillen ohne Sehstärke. Umgekehrt legten rezeptfreie Lesebrillen und verordnete Sonnenbrillen sogar leicht zu.

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Andererseits erholte sich laut GTAI-Analyse (Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH mit Hauptsitz in Berlin) das Geschäft mit Augengläsern im ersten Quartal 2021 wieder – um ebenfalls rund 17 Prozent. „Die Verbraucher kaufen auch weiterhin Brillen, sie haben das nur in den ersten Monaten der Pandemie aufgeschoben“, so Steve Kodey vom Vision Council. Der Verband, der die Zahlen veröffentlichte, repräsentiert Hersteller und Lieferanten der optischen Industrie der USA.

Home Office und Office-Eye-Syndrom

Die längere Bildschirmzeit im Zuge des Homeoffice und der Lockdowns löste Änderungen im Konsumverhalten aus. Um trockenen Augen vorzubeugen, greifen mehr US-Amerikaner als vor der Pandemie zu Tränenersatzmitteln. Davon wollen auch deutsche Anbieter profitieren: So führt der Saarbrücker Pharmahersteller Ursapharm zusammen mit Scope Eyecare in den USA neuartige Tropfen gegen trockene Augen ein.

„Außerdem kaufen viele Menschen eine zusätzliche Brille oder lassen ihre Brillengläser mit Blaulichtfiltern beschichten“, so Tiffanie Burkhalter von VSP Ventures. Laut einer Umfrage des Optik-Einzelhändlers sind neun von zehn US-Amerikanern der Meinung, dass es wichtig ist, sich um die Sehkraft zu kümmern, besonders jetzt in der Corona-Krise, da sich vieles geändert hat.

Die Optikketten in der Pandemie

Die 50 größten Unternehmen im Brillen- und Optik-Einzelhandel büßten 2020 „nur“ rund 5 Prozent ein. Allerdings verlief das Geschäft der Top 50 alles andere als homogen: Während 30 Prozent von ihnen sogar höhere Erlöse erzielten als 2019, verzeichneten 60 Prozent rückläufige Einnahmen. LensCrafters zum Beispiel, eine Einzelhandelsmarke von EssilorLuxottica, musste im letzten Jahr 40 Geschäfte schließen, darunter viele in Filialen der US-Einzelhandelskette Macy’s.

„Covid-19 hat viele Trends, die die Branche in den letzten Jahren beobachtet hat, noch beschleunigt“, sagt Reade Fahs von der US-Optikerkette National Vision. Der Geschäftsführer spricht damit vor allem die Vertriebsstrukturen an. So schreite das Wachstum der größeren Ketten voran.

Außerdem setzten immer mehr Händler auf Omnichannel-Strategien. Zwar sind rein digitale Geschäftsmodelle bei Brillen schwierig. Die Konkurrenz durch den Internethandel nimmt aber dennoch zu. Ein Grund dafür dürften die gewaltigen Preisunterschiede sein: Laut Versant Health zahlten Verbraucher bei einem Optiker im Geschäft im Durchschnitt rund 234 US-Dollar für eine Brille, während der Preis bei reinen Onlinehändlern im Mittel nur 91 US-Dollar betrage. Beliebte Onlineshops sind Warby Parker und EyeBuyDirect.

 



Warby Parker wagt Börsengang

Warby Parker beendete Ende September sein Debüt an der New Yorker Börse mit 6,1 Milliarden Dollar Marktwert. Und ähnlich wie Mister Spex hierzulande, der auch in diesem Jahr den Börsengang wagte, begann der Brillenhersteller aus New York, der allerdings nur eigene Brillen und Gläser anbietet, als digitale Plattform und hat später seine Offline-Präsenz ausgebaut: Stand Ende September gab es 158 Läden in den USA und Kanada, Tendenz steigend.

Warby Parker - Mall at Millenia in Orlando / Florida
Warby Parker: Filiale in der Mall at Millenia in Orlando / Florida (Bild: Warby Parker)

Das Unternehmen verzeichnete in den ersten sechs Monaten des Jahres einen Nettoverlust von 7,3 Mio. US-Dollar bei einem Umsatz von 271 Mio. US-Dollar, verglichen mit einem Nettoverlust von 10 Mio. US-Dollar bei einem Umsatz von 177 Mio. US-Dollar im gleichen Zeitraum des Jahres 2020 (Quelle: Warby Parker). Im fragmentierten US-Markt seien die New Yorker laut Analysten damit auch elf Jahre nach der Gründung ein vergleichsweise kleiner Player, kamen im letzten Jahr auf einen Marktanteil von einem Prozent und damit auf Platz acht der größten US-Optiker. // PE



 

High-Tech in der Augenmedizin

Nicht nur der Markt für Pflege und augenoptische Erzeugnisse biete in den USA große Geschäftschancen. Auch die Medizin berge laut GTAI viel Potenzial durch die steigende Lebenserwartung, neue Einsatzmöglichkeiten von künstlicher Intelligenz (KI) und Gentherapien.

Die US-Zulassungsbehörde FDA habe bereits 2018 eine KI des Start-ups IDx Technologies aus Iowa zugelassen, die Fundusfotografien hinsichtlich möglicher Augenerkrankungen begutachten kann. Die südkalifornische Firma Eyenuk hat 2020 grünes Licht für eine KI-basierte Augen-Screening-Software bekommen. Innovationen kommen auch aus der Biotechnologie: So vermarktet Novartis in den USA bereits eine optogenetische Therapie des Pharmaunternehmens Spark Therapeutics.

Da sich immer mehr Patienten auch für Laser- und andere minimalinvasive Behandlungen entschieden, stehen Intraokularlinsen hoch im Kurs. Gerade in der Entwicklung hochwertiger Linsenimplantate gab es in den letzten Jahren große Fortschritte. Dadurch steige die Nachfrage nach modernen Linsensystemen wie Blaufilterlinsen. Alcon hat Anfang 2021 eine künstliche Linse auf den US-Markt gebracht, die Presbyopie (Alterssichtigkeit) verringern soll. Und mache damit heimischen Platzhirschen wie Johnson & Johnson und The Cooper Companies Konkurrenz.

An Bedeutung gewinnen auch elektronische Kooperationsportale: Dabei handelt es sich um webbasierte Plattformen, die Ärzten einen digitalen Zugriff auf patientenbezogene Daten ermöglichen. So hat der deutsche IT-Anbieter ifa systems im Oktober 2020 einen 80-Prozent-Anteil an Sophrona Solutions erworben, um sein US-Geschäft auszubauen: Die Portal-Plattform gilt mit fast 2.000 Installationen als eine der führenden in den USA für die Onlinekommunikation zwischen Patienten und Augenärzten.

Neue Technologien bei Sehhilfen

Neue Technologien halten auch Einzug in die Welt der Sehhilfen: Zwar blieben größere Erfolge in dem Bereich bislang aus, doch tüftelten die Technologiekonzerne aus dem Silicon Valley fleißig weiter an smarten Brillen. Facebook hat EssilorLuxottica als Partner für eine Datenbrille gewonnen.

Logistikdienstleister setzen bereits AR-Brillen des US-Anbieters Vuzix für Schulungszwecke ein. Ferner habe der Smart-Glasses-Anbieter einen namentlich nicht genannten Großkunden aus dem Bereich Versicherungen und Finanzdienstleistungen gewonnen, verlautet es aus Branchenkreisen.

Auch deutschen Technologie-Anbietern könnte dieser Markt Chancen eröffnen: Medienberichten zufolge werde Bosch, dessen Bewegungssensoren bereits in Apples iPhone stecken, auch in dem Bereich bereits als ein möglicher Zulieferer des Smartphone-Herstellers gehandelt – der ebenso wie Facebook, Google, Microsoft und andere Techgrößen an AR-Brillen arbeitet.

 

Quellen: GTAI, Warby Parker

 

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