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„Digitalisierung ist Sache von Profis, die Branche braucht uns!“

Turnaround und Generations-Wechsel bei Ipro

Dem Software-Anbieter Ipro steht in naher Zukunft gleich ein doppelter Generations-Wechsel bevor: Geschäftsführer Martin Himmelsbach wird mittelfristig in den Ruhestand gehen. Produktseitig wird bereits zuvor „Amiro“ in den Vordergrund treten: Die auf Cloud-Lösungen basierende Branchensoftware für Augenoptik und Hörakustik treiben Amparex und Ipro gemeinsam voran – seit einigen Monaten Partner.

Ipro und Amparex auf der opti 2022
Martin Himmelsbach (links) und sein „Nachfolger“ in der Ipro-Geschäftsführung Alexander Schröder (rechts) sprachen auf der opti über die gemeinsame Zukunft des Software-Anbieters mit Amparex, mit im Bild: Amparex-Geschäftsführer Stephan Förderung (Bild: Patricia Perlitschke)

Auf der opti stellten die Teamplayer gemeinsam eine erste App vor, die aber nur ein kleiner Schritt sein soll auf dem Weg der Augenoptiker*innen und Hörakustiker*innen hin zu einer umfassenden zeitgemäßen Digitalisierung ihrer Betriebsabläufe.

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Direkt gegenüber dem Ipro-Messestand präsentierten die Kollegen von Amparex in München auf der opti ihr durchaus ähnliches Angebot. Und es sind Kollegen, das darf man trotz getrennter Messeauftritte sagen, denn Ipro und Amparex gehören seit einigen Monaten zusammen. So feierte die Belegschaft bereits gemeinsam Teamevents, was sich angesichts der nur rund 15 Kilometer voneinander entfernten Firmenzentralen problemlos ergibt. Das vergleichbare Angebot, die örtliche Nähe und die spürbare Verbundenheit aller Mitarbeitenden lassen kaum einen anderen Gedanken zu, als dass hier zwei Firmen zu einer verschmelzen.

Amparex hat in etwa dieselbe Größe wie Ipro und ist mit den hauseigenen Softwarelösungen vor allem in der Hörakustik bekannt. Ipro hat sich in der Augenoptik in den vergangenen drei Jahrzehnten als Tochter von Haag-Streit nach eigener Aussage zum Marktführer entwickelt. Gründe für die Investoren von Flex Capital, warum sie im Herbst 2021 beide Softwarehäuser kauften, war die „marktführende Position beider Unternehmen“ und die Überzeugung, dass sich beide ergänzen.

Christoph Jost, Gründer und Managing Partner des Investors, sagte vor einigen Monaten über den Zusammenschluss: „Für die Kunden bedeutet das, dass sie künftig von den Stärken des jeweils anderen profitieren und durch stetige Investitionen in Technologie und Produkt entlang der Kundenwünsche immer die bestmöglichen Lösungen erhalten.“

Ipro-Unterstützung für den Mittelstand

Martin Himmelsbachs Worte nach dem Verkauf fielen etwas prosaischer aus: „Die Partner von Flex sind erfahrene IT-Entrepreneure, die ihre Unternehmen auf neue Anforderungen ausrichten und neue Kunden gewinnen wollen; davon profitieren unsere Mitarbeiter, Anwender und Partner.“

Himmelsbach scheidet in den kommenden Jahren offiziell bei Ipro aus, wird aber, das ist abgemachte Sache, im Hintergrund als Berater oder Netzwerker auch weiterhin wirken. Für den Branchenkenner ist die Herausforderung eine alte: „Wir können und wollen dem Mittelstand helfen auf dem Weg in die Digitalisierung, damit unsere Betriebe auch in Zukunft standhalten können.“

Unsere Betriebe, das sind für den Noch-Ipro-Chef die Augenoptiker*innen, und die stehen in Sachen Digitalisierung immer noch am Anfang eines längeren Weges. Anders lässt sich das auf der opti veröffentlichte erste Resultat der Zusammenarbeit von Amparex und Ipro kaum verstehen: Denn eine Smartphone-App für Terminvereinbarung, digitale Brillenpässe und die Kommunikation zwischen Anbieter und Kunden scheint auf den ersten Blick nicht gerade der große Wurf zu sein.

Early bird club testet die App

Alexander Schröder – seit geraumer Zeit schon von Himmelsbach als Nachfolger aufgebaut – nennt es ein erstes „Baby“, das vor allem deswegen besonders sei, weil sich die App als erste auf dem Markt vollumfänglich in die Branchensoftware von Ipro integrieren lasse. Ein „early bird club“ hat die App bereits getestet und für gut befunden. Für 45 Euro im Monat plus einmaliger Installation verfügbar, könnte sie für viele Augenoptiker*innen einen Versuch wert sein, noch näher am Kunden zu sein und ihnen eine Reihe von Serviceleistungen digital verfügbar zu machen. Indes, die Motivation dazu müssen sie schon selbst aufbringen, Ipro macht es ihnen nur einfacher, neue Services anzubieten.

Die App ist jedoch nicht der Grund, warum sich das Innovation-Lab aus zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Amparex und Ipro regelmäßig zusammenfindet. Hier steht die Entwicklung der Cloud-Lösung Amiro auf dem Programm, die als vollständiges und neues Produkt den notwendigen Generationswechsel in der Software voranbringen soll. Anwenderfreundlich, modern und sicher nennen die Geschäftsführer das, was sie auf opti 2023 vorstellen möchten.

Flex Capital kein „Sparinvestor“

Jedoch werden Ipro und Amparex dann vermutlich noch als zwei Firmen unter einem Dach und mit zwei getrennten Messeständen auftreten. Doch das gemeinsame Produkt und die neue Marke könnten auch bald eine einzige Firmierung zur Folge haben. Die Belegschaft „wünscht sich das im Gegensatz zum Investor“, verriet Amparex-Geschäftsführer Stephan Förderung. Flex Capital sei kein „Sparinvestor“, man wolle schon Gewinne und die ließen sich erst einmal besser getrennt realisieren.

Amparex - Stephan Förderung
Amparex-Geschäftsführer Stephan Förderung sieht die Hörakustik in puncto Filialisierung und der Digitalisierung der Augenoptik einen Schritt voraus (Bild: Amparex)

Doch auch wenn Amiro zunächst auf die Augenoptik abzielt und mobile Anwendungen und mobiles Arbeiten ins Zentrum stellt, könnte ein Zusammenwachsen beider Firmen ja auch organisch ohne Investor-Druck vonstatten gehen. Hierzu wird die Augenoptik in Sachen digitaler Beratung und Integration der neuen Möglichkeiten in die Branchensoftware gegenüber der Hörakustik noch ein wenig aufholen müssen.

Zudem wird die zunehmende Filialisierung – auch die der Softwareanbieter – eine Rolle spielen. „In der Hörakustik ist dieser Prozess fortgeschritten, der Augenoptik steht er noch bevor“, meint Förderung. Vermutlich sind wir aber schon mittendrin in dieser Entwicklung.

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Ingo Rütten ist fester freier Mitarbeiter bei eyebizz und kennt die Branche aus diversen Blickwinkeln. Der Augenoptikermeister ist nicht nur Autor, sondern auch als Webinar-Veranstalter in der Augenoptik aktiv: www.akademie.partnerauge.de.

 

Artikel der eyebizz 4.2022 (Juni/Juli)

 

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