Produkt: eyebizz  2/2019
eyebizz 2/2019
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Am Guten festhalten

Resilienz-Training für Augenoptiker: Verbessern statt verändern

Dieser Beitrag des Augenoptikers, Optometristen und Resilienz-Trainers Thomas Müller wurde geschrieben, noch bevor das Coronavirus unser aller Leben von Grund auf verändert hat. Doch gerade jetzt bekommt der Text besondere Aktualität, auch wenn das C-Wort nirgendwo dort auftaucht. Ohne Resilienz kommt ein Augenoptiker-Team in Krisenzeiten nicht voran. Und: Die Welt ist im Wandel, auch wir müssen uns verändern, doch nicht jeder Veränderung sollte man blind folgen.

Best Practice - Augenoptiker- Resilienz
Augenoptiker und Resilienz: Verbessern statt verändern (Bild: Pixabay – TheDigitalArtist)

Einfach mal so lassen

Ich habe den Eindruck, unsere Politik und die hektische Online- und Community-Welt sind häufig zu schnell mit „wir wollen etwas verändern“, ohne genau zu hinterfragen, ob das Bisherige vielleicht sehr gut war und mit einer kleinen Verbesserung noch besser wird. Dinge, die schon über Generationen sehr gut waren, werden derzeit ruckzuck, ohne zu überlegen, in Frage gestellt, sobald ein Thema in Medien und Internet seine Runde gemacht und ein Abgeordneter in Brüssel oder Berlin seinen Senf dazu gegeben hat. Die Schnelligkeit und Oberflächlichkeit der digitalen Welt überhäuft uns mit ungefilterten Informationen.

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Nicht schon wieder etwas Neues

Veränderungen – darunter leiden auch wir „kleinen“ Augenoptiker tagtäglich sowie die Mitarbeiter und die Kunden. Wir werden überrannt von neuen Gesetzen, verunsichert von neuen Geschäftsideen und gestresst durch unsinnige Innovationen. Wir werden fast gezwungen, im Strom der Veränderungen mit zu schwimmen. Das hätten die Macher der Welt wohl gerne. Nicht mit uns! Lieber einfach mal so lassen.

Hinterfragen wir lieber, warum funktioniert unser Betrieb so gut. Bitte nicht einfach nur so hinnehmen, dass es gut ist. Wir müssen das Gute auch erkennen und überlegen, warum es gut ist und weshalb es ein Erfolgsgarant ist und bleibt. Und genau da setzen wir an: Verbessern statt verändern. Wir tun, was wir können, was wir gut können. In kleinen Schritten machen wir das Gute noch etwas besser, anstatt es unsinnig und unnötig zu verändern.

Augenoptiker: Verbessern statt verändern

Wir schauen auf uns selber – nicht nach den anderen. Wir vermitteln dem ganzen Team, dass wir in dem, was wir tun, sicher sind. Wir machen, was wir können und gerne machen, glaubwürdig und authentisch. So lebt jeder im Betrieb seinen Beitrag zum Erfolg und jeder fühlt sich auch noch wohl. Alle sind eingebunden, spüren Sicherheit, sind gut aufgehoben. Vom Chef geht keine Verunsicherung aus. Alle sind in ihrer Verantwortung und machen das, was sie gerne machen und gut können. Selbst- und Mitbestimmung erzeugen ein inneres „Ja“. Vergessen wir nicht, wie wichtig eine zeitgemäße Fehlerkultur heute ist.

Lernen, wieder Fehler machen zu dürfen

Sicherheit und das Gefühl, gehört zu werden, schafft Mitarbeitern ein angenehmes Arbeitsumfeld. Wie wichtig es ist, Mitarbeiter zu halten und dafür zu sorgen, dass sie gerne bei uns arbeiten, zeigt die angespannte Fachpersonalsituation.

Anders ist nicht falsch. Wer das Ziel erreicht – egal ob er dabei rechts oder links herum um das Hindernis geht – macht alles richtig. Es gibt nicht nur „entweder oder“, sondern auch „sowohl als auch“. Raus aus dem Schwarz-Weiß-Denken. Vermitteln wir das unseren Mitarbeitern immer wieder und auch uns selbst. Keiner macht absichtlich Fehler. Wenn wir Fehler machen, dann lernen wir daraus.

Der J-Effekt

Das alles funktioniert umso einfacher und glaubwürdiger, wenn wir nicht ständig etwas ändern. Der Mensch sehnt sich nach Sicherheit und Routine. Je besser die Abläufe im Betrieb eingespielt sind, umso mehr Sicherheit und Vertrauen entsteht. Der Spitzensportler erreicht seine Höchstleistung nur durch ständiges, tausendfaches Wiederholen und Üben von dem, was er bereits kann.

Verbesserungen entstehen durch Sicherheit und Routine und nicht durch zu große Veränderungen. Dirk Nowitzki hat tausendfach immer dieselben Würfe wiederholt und Tiger Woods wahrscheinlich millionenfach denselben Put in ein und derselben Bewegung geübt, um unter Druck den Ball sicher ins Loch zu spielen.


Resilienz kann man lernen!


Klar, dass auch Veränderungen zu ihrer Zeit notwendig sind. Bedenken wir aber, was Veränderungen zunächst bedeuten. Wie reagieren Mitarbeiter und Kunden auf Veränderungen? Respektieren wir den J-Effekt. (Dazu stellen Sie sich jetzt bildlich ein großes J vor. Vom linken Ende geht es erst nach rechts unten, bevor die Kurve wieder nach oben ansteigt.) Der J-Effekt bedeutet, dass nach einer Veränderung zunächst eine Verschlechterung gegenüber dem Ausgangswert stattfindet. Diese Regel ist ein Naturgesetz und gilt auch für Medizin, Sport und Team-Entwicklungen.

Nach einer bestimmten Zeit sollte die Veränderung zu einer Verbesserung werden. Veränderungen sind überlegt zu planen und müssen gemeinsam ausgearbeitet und akzeptiert werden. Es ist wichtig, dass alle im Team erkennen, warum die Veränderung notwendig ist. Die Veränderung muss verstanden und leidenschaftlich umgesetzt werden. Wichtig: Die Umsetzung geht nicht nur vom Chef aus. Alle ziehen an einem Strang, gemeinsam in Richtung Ziel.

Hindernisse sind uns bewusst

Welche Hürden und Hindernisse wir auf dem Weg zum Ziel zu überwinden haben, muss uns vorher klar sein. Räumen Sie Hindernisse aus dem Weg und verlieren Sie das Ziel nicht aus den Augen. Wie verhalten wir uns, wenn wir auf unerwartete Hindernisse stoßen? Gibt es einen Plan B?
Wichtig ist, im Vorfeld Denkfallen zu erkennen und uns nicht von alten Mustern oder Katastrophenszenarien aus der Ruhe bringen zu lassen. Denkfallen sind zum Beispiel besondere Muster, die häufig unter Stress wirken. Oft wird Negatives maximiert und Positives minimiert.

Negative Schlagzeilen bestimmen die Welt und sind für den Sensationsjournalismus viel attraktiver als langweilige, positive Erfolgsmeldungen. Im Alltag werden diese negativen Dinge leider überbewertet. Bewerten wir Gutes besser als Negatives und lassen uns nicht von der Miesmacherei anderer verunsichern. Schreiben wir gemeinsam mit unserem Team auf ein großes Blatt Papier all die positiven und negativen Dinge im Betrieb, dann werden wir feststellen, dass das Positive bei weitem überwiegt, das Negative aber viel stärker bewertet wird.

Pareto-Regel

Es kann ja sein, dass etwas nicht zu 100 Prozent so ist, wie wir es vorher geplant haben. Aber lieber etwas zu 80 Prozent fertig machen als zu 100 Prozent nicht fertig werden. Ich lege Ihnen aus Überzeugung das Pareto-Prinzip ans Herz. Es besagt, dass mit 20 Prozent Einsatz 80 Prozent Erfolg erreicht werden. Im Gegenzug bedeutet dies, dass wir für die restlichen 20 Prozent noch 80 Prozent Aufwand betreiben müssen. Beherzigen Sie das nicht nur für Ihr Berufsleben, sondern auch für Ihr schützenswertes Privatleben. Seien Sie nicht pedantisch und erreichen Sie lieber 80 Prozent als unerreichte 100 Prozent!

Am Guten festhalten

Halten wir uns besser am Guten fest. Wir wissen jetzt, warum es gut ist und was wir daran in kleinen Schritten gemeinsam noch verbessern können. Als verschworene Gemeinschaft, in der jeder seinen Platz hat, alle individuellen Stärken eingesetzt und die gemeinsamen Ressourcen hilfreich genutzt werden. Als ein homogenes Paket schützen wir uns vor äußeren Einflüssen und unüberlegten Veränderungsprozessen. Ruhig, stressfrei und resilient.

Nutzen Sie Ihr Netzwerk von Freunden, Kunden und Kollegen. Sprechen Sie offen und ehrlich darüber, wie diese Personen Ihren Betrieb sehen und welche Stärken bei Ihnen am besten ausgeprägt sind. Das erfordert Vertrauen und die Fähigkeit, mit Kritik sachlich umzugehen.

Geht es den Anderen gut, geht es uns auch besser

Zum Schluss ein wirkungsvolles Beispiel, das uns so oder ähnlich jeden Tag begegnet. Morgens um halb neun auf dem Weg ins Geschäft gewähren wir einer gestressten Mutter, die gerade die Kids im Kindergarten abgegeben hat, einfach mal Vorfahrt und lassen sie vor uns einbiegen. Sie freut sich wie ein Schnitzel, bedankt sich mit Warnblinker und winke-winke. Das freut uns doch auch gleich, hebt die Stimmung und zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht. Genauso bei der Mutter und dem nächsten Autofahrer, dem die Mama gutgelaunt im Anschluss ebenfalls die Vorfahrt gewährt.

Die „Team als Cloud“-Strategie

Erarbeiten Sie mit Ihrem Netzwerk und Umfeld eine wirkungsvolle Resilienz-Strategie für ein einfaches und zufriedenes Miteinander. Nutzen Sie ihr Team als eine Art Cloud, in der Sie auslagern, was Ihnen nicht so liegt, und konzentrieren sich darauf, was Sie richtig gut können. Nehmen Sie für den kick-off der neuen Verbesserungsstrategie professionelle Hilfe in Anspruch. Verlieren Sie keine Kraft und Energie durch unnötige Veränderungen und die dadurch verursachte schlechte Team-Stimmung. Ärgern Sie sich nicht über Fehler oder Kleinigkeiten, die es nicht wert sind.

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Thomas Müller (57) ist psychologischer Managementtrainer, Agile Coach und Resilienztrainer in Obermaiselstein im Oberallgäu. Sein Unternehmen heißt Personality3 und steht für Persönlichkeit, Erfolg und Präsenz. Als staatl. gepr. Augenoptiker und Optometrist (MSc) kennt er die Branche aus dem Effeff. Kontakt: mail@personality3.de.

 

Beitrag aus der eyebizz 3.2020

 

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