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Produkt: eyebizz 2/2019
eyebizz 2/2019
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Designer-Portrait

Reframd aus Berlin: Brillendesign für Afropolitaner

Reframd Eyewear - Sharuff Vreugd und Ackeem Ngwenya
Reframd Eyewear, das sind Sharuff Vreugd und Ackeem Ngwenya (Bild: Reframd)

Reframd, ein Start-up aus Berlin Prenzlauer Berg, sorgt mit seinen Brillen für Aufsehen. Die Gründer Shariff Vreugd und Ackeem Ngwenya bringen Fassungen auf den Markt, die bislang vernachlässigte Nasenformen berücksichtigen und dabei auch Brillenträger aus Asien oder Afrika im Blick haben. Ihr Anspruch: (Brillen)Design soll auch die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegeln.

Gleimviertel, Prenzlauer Berg. Zu DDR-Zeiten verlief hier die Grenze zwischen Ost- und Westberlin. Jetzt ist es für Berliner Verhältnisse recht ruhig und beschaulich. Mit vielen Familien, vielen Kindern und Spielplätzen. Abseits vom Trubel der Großstadt entwickeln hier zwei Männer, Ackeem Ngwenya und Shariff Vreugd, in einer Wohnung in der Schwedter Straße Fassungen, die es so bislang noch nicht gab: „Integrative Brillenfassungen“ speziell für Menschen mit niedrigem und breitem Nasenprofil. „Wie Schwarze und Südostasiaten“, sagt Ngwenya. Er kommt aus Südafrika, Vreugd aus Suriname, einem kleinen Staat an der Nordostküste Südamerikas.

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„Das Start-up Reframd entstand aus einer persönlichen Frustration heraus“, erzählt Ngwenya. „Wann immer ich Brillen probierte, fühlte ich mich unwohl, wie sie auf meiner Nase und in meinem Gesicht saßen.“ So erging es auch Vreugd. „Wir hatten das Gefühl, dass unsere Gesichter schon lange nicht mehr für eine Brille gedacht und gemacht sind.“ Beide stellten fest, dass das Problem nicht ihre Gesichter sind, sondern die Brillen.

Reframd: Fassungen für jede Gesichtsgeometrie

Es ist der Startschuss für den Produktdesigner Ackeem Ngwenya. Er bastelt, formt und gestaltet drauf los. Schließlich studierte er „Innovation Design Engineering” am Royal College of Art in London und erregte damals Aufsehen mit seinem „Roadless-Projekt“. Er entwickelte spezielle Räder für Bauern in Afrika, mit denen sie schwere Lasten ohne Auto, Esel, Kuh oder Pferd transportieren können, um sie ins nächste Dorf oder auf den Markt zu bringen. Nun sind es integrative Brillenfassungen. In Berlin fertigt Ngwenya die ersten Prototypen an.

Reframd Eyewear - Planga Naemi 20
Reframd bietet Fassungen für jede Gesichtsgeometrie und hat auch Brillenträger aus Asien und Afrika im Blick (Bild: Reframd Eyewear)

Mit denen geht er zum „African Food Festival“ und trifft auf Shariff Vreugd. „Ich wollte dort schauen, wie meine Brillen ankommen. Und plötzlich steht Shariff vor mir.“ Die beiden werden Partner und Freunde. 2020 gründen sie Reframd. „Wir verbrachten eineinhalb Jahre mit der Entwicklung“, sagt Ngwenya, „stellten hunderte von Prototypen her.“

Intensiv beschäftigten sie sich mit Produktdesign, Rahmeneignung, Materialqualität, Nachbearbeitung und allen Produktionsphasen. Zudem entwickelten sie ihren eigenen Algorithmus zur Frame-Generierung mit parametrischem Design und können damit, laut Ngwenya, das Design an die Gesichtsgeometrie eines jeden Kunden individuell anpassen.

Mit Crowdfunding-Kampagne zum Erfolg

Der Aufwand zahlt sich aus. Gerade haben die beiden eine international angelegte Kickstarter-Crowdfunding-Kampagne erfolgreich abgeschlossen. Mehr als 100 Prozent des Finanzierungsziels wurde erreicht. Das zeige, dass Bedarf an besser sitzenden Brillen bestünde.

Vor ein paar Monaten produzierten die beiden nur eine kleine Anzahl von Fassungen, jetzt sind es hunderte, die sie in alle Welt versenden. Shariff Vreugd: „Das ist beängstigend, aber auch enorm spannend.“ In den Niederlanden studierte er internationale Betriebswirtschaft, beschäftigte sich mit der Gründung von Firmen und ging nach Berlin, um dort für Start-ups im Bereich „Business Development“ zu arbeiten.

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Reframd Eyewear: „Integrative Brillenfassungen“ speziell für Menschen mit niedrigem und breitem Nasenprofil (Bild: Reframd)

Was ist das Besondere an den Brillenfassungen? „Es gibt drei Dinge, die wir anpassen, um sie bequemer zu machen“, so Ngwenya. Erstens: die Brücke. Hier werde der Steg abgesenkt oder verbreitert, damit die Spanten auf der Nase aufliegen und nicht schweben. Dadurch gebe es keinen ungewollten Spalt zwischen Fassung und Nase. Zweitens: die Nasenpads. „Wenn der Nasenrücken, also das Nasenprofil, flacher beziehungsweise niedriger verläuft, wirkt sich das entsprechend auf den Winkel der Nasenpads aus“, erklärt Ngwenya. Und drittens: die pantoskopische Neigung. „Dabei reduzieren wir die Neigung der Fassung.“

Onlineshop, Virtual Try-on und ein Augenoptiker

Die Fassungen werden in Belgien hergestellt. „Wir haben uns mit dem führenden Hersteller von 3D-gedruckten Nylonbrillen in Europa zusammengetan, um die höchsten Qualitätsstandards zu erreichen“, so Vreugd. Die Scharniere kommen aus Österreich. Die Polyamid-Gläser liefert Zeiss.

Stationär wird derzeit nicht verkauft. „Wir sind als Start-up eine Direct-to-Consumer-Marke und verkaufen unsere Brillen über unseren Onlineshop direkt an unsere Kunden“, sagt Vreugd. Kunden können die Fassungen online ausprobieren, für das „Virtual Try-on“ kooperiert Reframd mit der Software-Firma Looc, die ebenfalls im Prenzlauer Berg zuhause sind.

Reframd arbeitet mittlerweile auch mit einem Berliner Augenoptiker zusammen und bietet neben Sonnenbrillen auch Modelle mit Einstärken- und Gleitsichtgläsern an. Die Kunden müssen dafür ihr Rezept online beifügen. Vreugd: „Unsere Leidenschaft ist es, vielen Menschen dabei zu helfen, endlich richtig sitzende Brillen zu bekommen und die Brillenindustrie ein bisschen integrativer zu machen.“

Vernachlässigte Gesellschaftsgruppen im Blick

Ackeem Ngwenya und Shariff Vreugd gehen noch weiter. Sie wollen nicht nur hochwertige Brillen verkaufen, sondern einen Lebensstil, ja eine Bewegung ins Rollen bringen. „Wir glauben, dass gutes Design stärkend ist und Designprodukte inklusiv sein und die reiche Vielfalt der Gesellschaft widerspiegeln sollten“, so Ngwenya. „Aus diesem Grund schaffen wir durch kreative Technologien eine neue Generation von Produkten, die Afropolitaner und andere bislang vernachlässigte Gesellschaftsgruppen berücksichtigen.“

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Das Design der Reframd-Brillen soll auch die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegeln (Bild: Reframd)

Das Brillen-Start-up aus Berlin bietet momentan vier verschiedene Modelle in vier verschiedenen Farben und mit drei verschiedenen Glastönungen an. Noch können sie die Bestellungen von ihrer kleinen Werkstatt in der Schwedter Straße aus bewältigen. Doch wie lange noch? ///

 

www.reframd.com

 

Sebastian SchulkeSebastian Schulke ist seit über 20 Jahren als rasender Reporter unterwegs, schreibt für Magazine und überregionale Zeitungen, in der „Wolkenkratzer Werkstatt“ macht er „Kinderbücher für Erwachsene“. Mit seiner Familie und zwei Kindern lebt er in München.

 

 

Beitrag aus der eyebizz 5.2021 (August/September)

 

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