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Kein Schaufenster? Kein Problem!

Fink Optik empfängt Kunden in einer Jugendstilvilla

Björn Albrecht hat seinen Betrieb Fink Optik dort hingebracht, wo manch anderer gern wohnen würde: zwischen kunstvollen Stuckdecken und Rundbögen – in einer prachtvollen Jugendstilvilla in Deggendorf.

Fink Optik: Vanessa und Björn Albrecht (c Unikat Agentur)
Björn Albrecht mit Ehefrau Vanessa, die ebenfalls im Betrieb arbeitet. Seine Ausbildung zum Augenoptiker beginnt Albrecht 1999 bei Fink Optik. Seit 2017 ist er Inhaber. (Foto: Unikat Agentur)

Bereits seit dem Jahr 1266 gilt Deggendorf als Heimat kluger Köpfe. Damals, so erzählt es die berühmte Knödelsage, rettete die Frau des Bürgermeisters den Ort mit einem simplen Trick: Während böhmische Soldaten die Stadt wochenlang belagerten, warf sie einen Knödel über die Mauern. Für die Angreifer ein klarer Fall: Wenn die Bewohner nach so langer Zeit noch Essen verschwenden können, dann lohnt sich das Warten nicht. Sie zogen ab. Die gute Frau wurde zur Heldin, Deggendorf zur „Knödelstadt“.

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Eine Villa mit Geschichte – und Geschichten

Einfallsreichtum zahlt sich also aus. Und während diese Lektion im kollektiven Gedächtnis der niederbayerischen Donaustadt als Mythos weiterlebt, stellt sie Fink Optik in der Gegenwart auf elegante Art erneut unter Beweis: Der Augenoptiker wagt etwas völlig anderes – und hat damit Erfolg. Ende 2025 ist der Betrieb in eine denkmalgeschützte Jugendstilvilla aus dem Jahr 1909 umgezogen. Keine Auslage. Kein Neonlicht. Keine Rabattschilder. Stattdessen: stuckverzierte Gewölbe, originale Kachelöfen, eine irisch inspirierte Kaffeebar, Designermöbel und ein Brillensortiment aus 3.500 Modellen. Ein Ladenkonzept, das es so in Deutschland nicht allzu oft gibt. Doch wie funktioniert das – wie überzeugt man den Kunden vom Eintritt, ohne Einblicke zu gewähren?

„Schaufenster der Zukunft“

Ein wesentlicher Faktor ist der Standort: Seit 117 Jahren steht die Villa an einer der meistbefahrenen Kreuzungen der Innenstadt und öffnet sich direkt zur Straße. Bereits von außen entfaltet sie ihre Wirkung, denn Jugendstil ist keine Epoche der Bescheidenheit. Sie zelebriert die Pracht. Das zeigt die Fassade in jedem Stuckornament, jedem Rankenmuster, jedem Rundbogen. Viele Jahre beherbergte das Gebäude ein Ärztehaus, später ein Kosmetikstudio, dann ein Dentallabor. Im Dezember letzten Jahres folgte Fink Optik. Kein Schaufenster? Kein Problem: Die wenigsten würden wegen der Auslage kommen, erklärt Inhaber und Augenoptikermeister Björn Albrecht. Man sehe ohnehin die sozialen Medien als „Schaufenster der Zukunft“.

Fink Optik in der Jugendstilvilla (c Unikat Agentur)
Bild links: Ein Hingucker seit 1909 – die denkmalgeschützte Villa an der Ecke Bahnhofstraße / Hans-Krämer-Straße ist das auffälligste Gebäude an einer der meistbefahrenen Kreuzungen Deggendorfs. Bild rechts: Ankommen und verweilen – die Lounge-Zone von Fink Optik mit Floral-Sofa, Terrakotta-Sesseln und Hängeleuchten lädt zum Innehalten ein – der Optiker als Wohlfühlort. (Fotos: Unikat Agentur)

Das frühere Budget für die Deko wird nun ins Online-Marketing und die Stammkundenbetreuung investiert. „Einen Rückgang an Kundschaft verzeichnen wir keineswegs. Im Gegenteil, es kommen nun viele Leute, denen der Parkplatz direkt vor der Haustür viel wert ist“, so Albrecht, seit 2017 Chef von Fink Optik. Zehn Stellplätze warten auf die Gäste – in der Innenstadt ein großer Bonus. Auch das sei neben der dringend benötigten doppelten Geschäftsfläche ein kritischer Faktor für den Umzug in die Jugendstilvilla gewesen. Kunden hätten nun weniger Stress mit der Parkuhr – somit bliebe mehr Zeit für eine ausführliche Beratung. Ein entscheidender Vorteil für viele.

 


Eine Deggendorfer Geschichte

Fink Optik gibt es seit 1985 – der Name ist in Deggendorf bereits mehr als 40 Jahre eine feste Größe. Gegründet von Hans-Peter Fink war das Geschäft jahrzehntelang nur wenige Häuser weiter stadteinwärts in der Bahnhofstraße 15 ansässig. Eigentümer Björn Albrecht kennt das Unternehmen von Grund auf: 1999 hat er hier seine Ausbildung begonnen. Nach Gesellenjahren im Allgäu, der Meisterschule an der FFA München und einer Filialleitung kehrt er 2007 nach Deggendorf zurück. 2017 übernimmt er Fink Optik – und zieht dann am 2. Dezember 2025 mit dem gesamten Team in die Jugendstilvilla in der Bahnhofstraße 27.


 

Beim Betreten zeigt sich: Das Innere hält, was das Äußere verspricht. 100 Quadratmeter im Erdgeschoss, 160 im ersten Stock. Albrecht schwärmt von „perfekter Raumaufteilung“ – lediglich kleinere Durchbrüche waren nötig. Jedes Zimmer wurde in Kooperation mit einem renommierten Innenausstatter individuell gestaltet – mit eigenem Farbkonzept, ausgewählten Möbeln und durchdachter Beleuchtung. Ebenerdig finden sich Prüfräume, Werkstatt, Büros und zwei Beratungstische, eine Etage darüber empfängt das Haus in beeindruckend historischer Ausprägung: grüne Wände, Kassettendecken mit floralen Bordüren, ein dunkelgrün glasierter Kachelofen, der schweigend Bericht erstattet aus einem anderen Jahrhundert. Bespannte Sessel, ein ovaler Designertisch, Orchideen auf dem Fensterbrett. Erlesene Brillen in beleuchteten Nischen. Cartier auf dem Treppenabsatz. Man fühlt sich nicht in einem Geschäft. Man fühlt sich zu Gast, man fühlt sich willkommen.

Fink Optik: Goldene Regalsysteme für Fassungen (c Unikat Agentur)
Kuratiert bis ins Detail: Die goldenen Regalsysteme präsentieren das Sortiment geordnet nach Marken – insgesamt bietet Fink Optik rund 3.500 Fassungen zur Auswahl. (Foto: Unikat Agentur)

Gleichzeitig haben die Planer dem Geschäft einen modernen Charakter verliehen: Beispielsweise sind die Beratungstische mit einer induktiven Ladestation für Smartphones samt ausziehbarem Handtaschenhalter ausgestattet. Handy ablegen – lädt. Auch an eine elek­trische Hebebühne für den barrierefreien Zugang wurde gedacht. Geschäftsführer Albrecht ergänzt: „Bei Stoffen, Tapeten und Farben haben wir uns am Jugendstil und an den denkmalgeschützten Deckenbordüren orientiert.“ Die Originalböden hingegen wurden aufwändig restauriert, Vertäfelungen nachgeahmt. Das Konzept scheint aufzugehen; seit der Eröffnung ist der Terminkalender voll.

Optometrie als Abgrenzungsmerkmal

Die technische Ausstattung darf der Wohlfühl-Atmosphäre dabei natürlich in nichts nachstehen. In zwei gleichwertig ausgestatteten Refraktionsräumen kommen jeweils aktuelle Spaltlampentechnologien und ein Keratograf 5 zum Einsatz. Zusätzlich stehen eine Funduskamera, ein Myopia Master zum Myopie-Management und ein Augeninnendruckmessgerät bereit. Fink Optik setzt verstärkt auf Optometrie – um sich vom Online-Handel und von klassischen Augenoptikern abzugrenzen. Entsprechende Leistungen könnten im Netz nicht erbracht werden, weshalb es für den stationären Augenoptiker heute wichtiger denn je sei, mit echtem Mehrwert zu punkten. „Viele Patienten müssen zu lange auf einen Termin beim Augenarzt warten. Hier ist der Augenoptiker gefordert, eine gute Einschätzung zeitnah zu liefern.“

Neben der Dry-Eye-Analyse auf wissenschaftlicher Basis ist Fink Optik zudem auf formstabile Kontaktlinsen, insbesondere die Keratokonus-Versorgung, und auf die Orthokeratologie spezialisiert. Ausführliche Prismen-Korrekturen nach MKH und Low-Vision-Beratung gehören ebenfalls zum Leistungspaket. „Dazu haben wir die nötigen technischen Voraussetzungen geschaffen“, so Albrecht. Zu allen Deggendorfer Augenärzten pflegt er mit seinem Team einen regelmäßigen und guten Kontakt.

3.500 Fassungen und eine klare Philosophie

Das Brillensortiment umfasst rund 3.500 Fassungen – von erschwinglichen Alltagsbrillen bis hin zu exklusiven Designerstücken von Cartier, Dior, Prada und Tom Ford. Alle Preiskategorien sollen bedient werden. Jedes Zimmer beherbergt, passend zu seiner Atmosphäre, bestimmte Marken: Die goldenen Regalsysteme im Erdgeschoss, die weißen Einbauwandregale im ersten Stock, der sportliche Bereich mit Fortis, Evil Eye und Oakley – jeder Raum erzählt seine eigene „Geschichte des guten Sehens“.

Fink Optik: Sportbrillen und Kachelofen (c Unikat Agentur)
Bild links: Sport trifft Stil – eine eigene Abteilung mit Marken wie Fortis, Evil Eye und Oakley bedient die sport-affine Kundschaft der Freizeitregion Bayerischer Wald. Bild rechts: Das grüne Zimmer – der prächtige Kachelofen ist das Herzstück des Raums – ein original erhaltenes Zeugnis aus der Gründerzeit der Villa. (Fotos: Unikat Agentur)

Welche Marken aufgenommen oder aussortiert werden, entscheiden Albrecht und sein Team gemeinsam, basierend auf Verkaufszahlen und Reparaturanfälligkeit. Es ist ein kuratiertes Sortiment in des Wortes bester Bedeutung. Auch Sportbrillen gehen gut, weil Deggendorf am Rand des Bayerischen Waldes liegt und das Freizeitangebot in der Region entsprechend vielfältig ist.

Bekenntnis zum „stationären Handel“

Das Ladengeschäft in einer Jugendstilvilla – der Kon­trast zum gesichtslosen Online-Shopping könnte größer kaum sein. Klar, dass das ein Bekenntnis darstellt: „Wir stehen zu der Überzeugung, dass der stationäre Handel nach wie vor erforderlich sein wird“, betont Albrecht. Noch könne kein Computer die Brille anpassen oder die genauen Glaswerte bestimmen, wenngleich bald eine KI-gestützte Funduskamera das Angebot von Fink Optik ergänzen soll. Kunden würden aber ähnlich wie bei einem Arzt weiter auf das Fachwissen und Können einer realen Person setzen.

Im Vordergrund steht entsprechend die ausführliche, typgerechte Beratung, das Erlebnis, das Gespräch und die persönliche Empfehlung. Auch besondere Serviceleistungen zählen dazu. Der Betrieb gehört zu den wenigen in der Region, die noch Hausbesuche anbieten. Nicht, weil sie sonderlich rentabel wären – sondern weil Menschlichkeit bei Fink Optik keine leere Phrase bleibt. Das schließt auch den Blick auf die 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, die das Haus mit Leben füllen – vom Augenoptikermeister über die Optometristin bis zur Auszubildenden. Albrecht unterstreicht: „Wir haben dieses Ambiente nicht nur geschaffen, weil uns der alte Laden zu klein geworden ist, sondern auch, damit wir und unsere Mitarbeiter, die wir einen Großteil unserer Lebenszeit im Job verbringen, dies in einem schönen Ort in Gemütlichkeit tun können.“ Ein Arbeitsplatz, der sich wie zu Hause anfühlt. So schreibt die Villa wieder Deggendorfer Geschichte – und das neue Kapitel mit Fink Optik hat gerade erst begonnen.

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Artikel aus der eyebizz 2.2026 (März/April)