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eyeliner-Markenportrait

AM Eyewear: Brillen aus Down Under

Je länger sich der sechswöchige Gerichtsprozess zwischen Kino-Liebling Johnny Depp und seiner Ex-Frau Amber Heard hinzog, desto mehr langweilten sich die Fans und interessierten sich für anderes, etwa die außergewöhnliche Brille, mit der Depp im Gericht auftauchte. Glück für das australische Brillenlabel AM Eyewear, das seitdem in aller Munde ist. eyebizz stellt es vor.

AM Eyewear Sonnenbrillen
AM Eyewear: Brillen aus Down Under (© AM Eyewear)

Wenn Andhra-Kumar Ponnusamy gefragt wird, was die wichtigsten Meilensteine seit der Gründung seines Brillenlabels AM Eyewear 2003 waren, nennt der 44-Jährige den Moment, als er nach monatelangem Diskutieren und Ausprobieren seinen ersten Fassungsprototypen in der Hand hielt. Das zweite Highlight war ein Jahr später, als ein Freund erzählte, dass Weltstar Lenny Kravitz mit einer Brille von ihm gesichtet wurde. Zu diesem Zeitpunkt wusste der junge Gründer noch immer nicht, wie er seine nächste Miete bezahlen soll.

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Keine Frage: Der Weg vom frechen, jungen Label, dessen Brillen bis 2008 nur in Australien und Neuseeland zu bekommen waren, zu einer weltweit respektierten Kultmarke brauchte Zeit. Zunächst eroberte das Start-up den asiatischen Raum, ab 2012 Europa. In Deutschland ist die Marke, die auch Lady Gaga, Rihanna und Beyoncé nicht mehr missen möchten, seit 2015 erhältlich.

AM Eyewear IRWIN BLACK 2
© AM Eyewear

Andhra-Kumar wuchs als Sohn eines indischen Vaters und einer deutsch-italienischen christlichen Mutter mit jüdischen Wurzeln in Australien auf, die Religion der Mutter verhalf ihm zu dem nicht-hinduistischen Rufnamen Simon. Wie viele Brillendesigner vor ihm, kam er zu seiner Berufung, weil er vergeblich nach Fassungen suchte, die ihm zusagten.

Sozialisiert in den 80er-Jahren war Simon geprägt von Hip-Hop und Streetwear-Kultur. Er beschaffte sich Sonnenbrillen, die seine Lieblings-Rapper trugen, aus Secondhandläden und werkelte daran herum, bis sie zu seinem schmalen Gesicht passten. Am Ende war die beste Lösung, selbst zu entwerfen. Ihm schwebte eine gehobene Alltagsbrille für modebewusste Menschen vor, die Wert auf handwerkliche Tradition und Finesse legen und wissen, was mit Old-School-Stil gemeint ist – bis heute die Basis des Labels.

AM Eyewear: Sei freundlich zu anderen!

Simons Eltern waren Hippies, die Respekt für die Erde und die Umwelt vorzuleben versuchten. Das erklärt den Slogan des Labels („Sei freundlich zu anderen!“) und wohl auch die Art und Weise, wie der Sohn produzieren lässt. Die in Italien und Japan handgefertigten Sonnenbrillen bestehen aus einer Kombination von mit echtem Gold beschichtetem Titan und Acetaten aus Italien und sind mit Carl-Zeiss-Nylongläsern ausgestattet.

AM Eyewear Sonnenbrillen
© AM Eyewear

Simon arbeitet mit gut beleumundeten Rohstofflieferanten und traditionsreichen Manufakturen zusammen, ansässig etwa in der norditalienischen Lombardei. Bei den Zellulose-Fassungen wird Acetat auf pflanzlicher Basis verwendet, in den Büros und Lagerräumen in Sydney und in der europäischen Niederlassung in Amsterdam nutzt das Unternehmen grüne Energie. Den Anspruch, Brillen mit langen Lebenszyklen auf den Markt zu bringen, bekräftigt ein Rückkaufprogramm: Gebrauchte Fassungen werden zurückgenommen und gespendet.

AM Eyewear
© AM Eyewear

Beim kreativen Prozess ist Simon ganz Old School: Seine Entwürfe entstehen mit Skizzenblock und Bleistift. Jede Acetat-Fassung wird aus einer Platte Mazzucchelli geschnitten, bevor sie geformt wird. Die Vorliebe des Gründers für Acetat ist mit den Jahren gewachsen, dabei probiert er auch Neues. So entschied er sich, Frontteil und Bügel dicker zu machen als üblich. „Ich habe mich dabei darauf konzentriert, das Acetat zu fräsen, um verschiedene Ebenen zu schaffen, damit die Fassungen leicht und zugleich superstark sind.“

Königin der arabischen Meere

Anfang 2020, nur wenige Monate bevor die Pandemie das Reisen einschränkte, tourte Simon mit dem Motorrad durch Indien, tauchte ein in den farbenprächtigen Karneval der im Südwesten gelegenen Hafenstadt Kochi, auch „Königin der arabischen Meere“ genannt.

AM Eyewear MURIE DT
© AM Eyewear

Auf Märkten dort sah er Edelsteine und Kristalle im Überfluss. Eineinhalb Jahre später wurde die Kochi-Kollektion daraus. Sie führte fürs Label eine neue Farbpalette ein, inspiriert von Smaragd-, Jade-, Amethyst-, Rosenquarz- und Saphirtönen, einige mit Verzierungen, die an Mineralmarmorierung und Goldflocken erinnern.

„Heute ist es wichtiger denn je, sich an die majestätische Schönheit unserer Welt zu erinnern und sie zu feiern“, sagt der Designer zu seiner Inspiration. „Die neue Kollektion soll bei jedem, der sie trägt, die gleiche positive Einstellung verstärken, sie ist voller Farben, Texturen und Facetten, die an solche kostbaren Talismane erinnern.“

Corona brachte Strategiewechsel

Während der vielen Monate der Pandemie hat er das Unternehmen verkleinert, aber auch umstrukturiert. AM Eyewear führte eine B2B-E-Commerce-Plattform ein, die Einzelhändlern und Agenten neben anderem den direkten Online-Handel ermöglicht und ihnen größere Gewinnspannen eröffnet. Zwischenstufen des Handels fallen weg, das Unternehmen konnte seine Kosten senken. Nicht zuletzt, weil die Messen ausfielen und das Brillenlabel nicht so viele Vertriebsmitarbeiter vor Ort hat, nahm der Umsatz außerhalb Australiens in dieser Zeit ab, während er im Heimatland deutlich zunahm: Verbraucher schätzen wieder vermehrt lokale Marken – auch Down Under.

AM Eyewear
© AM Eyewear

So sehr Simon sein europäisches und indisches Erbe liebt, so sehr fühlt er sich doch jedes Mal „vollkommen“, wenn er wieder in Australien ankommt: „Meine Verbindung zu diesem Land ist überwältigend stark, und die Sicherheit, die man hier empfindet (trotz all der Kreaturen, die einen töten können), ist mit keinem anderen Ort auf der Welt vergleichbar.“

Johnny Depp mit seiner Brille von AM Eyewear vor Gericht
Johnny Depp mit seiner Brille von AM Eyewear vor Gericht (© AM Eyewear)

Die Brille, die Johnny Depp im Gerichtssaal trug, war übrigens das Modell Ava in der Farbe Mellow Yellow. Es kam 2014 in einer limitierten Auflage von nur 75 Stück auf den Markt und ist nicht mehr erhältlich. Brillenfans von überall in der Welt drängten Simon dazu, die Fassung neu aufzulegen.

Es spricht für seine Geradlinigkeit, dem Wunsch auch nach reiflicher Überlegung nicht nachzukommen. Eine Limited Edition neu aufzulegen, widerspräche dem Sinn einer solchen Kollektion, argumentiert er, plant aber, die gleichfarbige Fassung in einer limitierten Auflage eines neuen Modells zu reproduzieren. Das Unternehmen verpflichtet sich zudem, den Erlös an eine Wohltätigkeitsorganisation für häusliche Gewalt zu spenden, denn um dieses Thema ging es vor allem im Prozess Depp gegen Heard.

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„Brillen, die beim Dinner Gespräche auslösen“

Interview mit Andhra-Kumar Ponnusamy, alias Simon, Gründer von AM Eyewear

Simon, was fasziniert Sie am Design einer Brille?

AM Eyewear - Andhra-Kumar Ponnusamy alias Simon
Andhra-Kumar Ponnusamy alias Simon (© AM Eyewear)

Mir gefällt, dass beim Entwerfen kleinste Verschiebungen von einem Millimeter eine Fassung von männlich zu weiblich oder lächerlich zu großartig verändern können. Bevor ich eine Brillenfassung auf den Markt bringe, frage ich mich: Gibt es etwas Ähnliches schon im Regal? Ist es ein einzigartiges Produkt im Vergleich zu dem, was sonst erhältlich ist? Kann es verkauft werden? Und ist es aufregend genug, um bei einer Dinnerparty ein Gespräch auszulösen?

Die Wahrheit ist, dass ich ein Brillenlabel besitze, weil ich es liebe, Brillen zu entwerfen. Die Inspiration ist immer da, ich übernehme sie von Dingen, die ich noch nicht gemacht habe.

Was ist die größte Herausforderung beim Entwerfen?

Wir entwerfen (und verkaufen) ein Produkt, das die Menschen als erstes sehen, wenn sie in den Spiegel schauen, es muss also zu jedem Outfit passen und in jeder Umgebung funktionieren. Der Schlüssel ist die Kombination aus interessant, ohne verrückt zu sein, und unaufdringlich, ohne langweilig zu sein.

Innerhalb von 18 Jahren hat sich AM zu einer globalen Lifestyle-Marke entwickelt. Übt das Druck auf Sie aus?

Ich liebe, was ich tue, deshalb ist die Herausforderung nichts Negatives, sondern etwas, das ich genieße. Ich liebe das Netzwerk von Geschäften und Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten.

Weltstars wie Lady Gaga oder Johny Depp tragen Ihre Brillen. Was bedeutet das für Sie?

Bevor ich AM Eyewear gründete, verbrachte ich viel Zeit in der Musikindustrie und habe deshalb enge Freunde, die berühmte Musiker sind. Es sind ganz normale Menschen, manche nur ein bisschen schrullig, die auch normal behandelt werden wollen. Man muss auch sagen, bevor es Social Media gab, erfuhr man kaum, wenn Prominente bestimmte Brillen tragen. Das ist neu. In den Anfängen meines Unternehmens trugen bestimmte Prominente Brillen von uns, weil ich mit ihnen hinter der Bühne abhing (und Spaß hatte) und ihnen eine Brille schenkte, um mich für die schöne Zeit zu bedanken.


 

AM Eyewear

Sydney Office, Po Box 408, Darlinghurst NSW 1300, Australia

info@ameyewear.com, www.ameyewear.com

Gründung: 2003; 2015: Eintritt in den deutschen Markt

Gründer: Andhra-Kumar Ponnusamy (Simon)

Büros: in Sydney und Amsterdam

Mitarbeiter: sieben

 

Artikel aus der eyebizz 5.2022 (August/September)

 

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