Produkt: eyebizz  4/2019
eyebizz 4/2019
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Unternehmen und Mitarbeiter

Plötzlicher Personal-Engpass: Springer als Multiplikatoren

Fachkräftemangel bleibt Dauerthema bei Augenoptikern. Ist die Personal-Decke eng, wird es noch schwieriger, wenn plötzlich jemand krank wird oder wegen erhöhten Kundenzulaufs mehr Mitarbeiter gebraucht werden. eyebizz fragte Augenoptiker, wie sie mit solchen Personal-Engpässen umgehen, ob sie Mitarbeiter haben, die dann einspringen, oder ob es andere Lösungen gibt. Die Antworten waren überraschend.

Pixabay - Personal Engpass
Ein Personal-Engpass muss oft schnell behoben werden – da können Springer helfen (Bild: Pixabay)

„Wer als Springerin arbeitet, dem kann man nichts mehr vormachen. Er hat Sicherheit und Routine in den Abläufen“, sagt Karin Wildermann. Bei der Blickfelder-Gruppe, unter der Geschäftsführung von Thomas Heimbach, ist die 52-jährige Augenoptikerin für Vertrieb und Entwicklung zuständig, wechselt aber häufig als Springerin von einem Geschäft zum anderen. Die Blickfelder-Gruppe unterhält 16 augenoptische Betriebe in Nordrhein-Westfalen mit über 100 Mitarbeitern. Bis zu 200 Kilometer liegen die Geschäfte auseinander. Karin Wildermann kennt viele davon.

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Zum Zeitpunkt des Gespräches war sie gerade aus dem Urlaub zurückgekommen. Den Montag half sie wegen Krankenvertretung in einem Geschäft in Bochum aus (rund 13 Kilometer von ihrem Wohnort Recklinghausen entfernt), jetzt, am Dienstag, ist sie gerade auf dem Weg nach Düsseldorf (50 Kilometer Entfernung), wo sie zwei Tage in einem Geschäft bedient. Und sie hat an diesem Tag erfahren, dass sie den Donnerstag abermals in Bochum sein wird. Dort hat gerade ein neuer Mitarbeiter angefangen, zur Entlastung des Geschäftsleiters soll sie bei der Einarbeitung helfen.

Personal - Engpass - Blickfelder Springer Karin Wildermann
Karin Wildermann: Springerin bei der Blickfelder-Gruppe

Disziplin und Strukturiertheit von Vorteil

Für Thomas Heimbach, der auch dem Betriebswirtschaftlichen Ausschuss beim ZVA vorsitzt, ist das fast schon Alltag. Mal wird jemand krank, mal fallen zwei Leute auf einmal aus, dann muss in dem entsprechenden Geschäft rasch für Ersatz gesucht werden. Die einzelnen Geschäfte lösen das dann lokal. Einmal wurden etwa fast zeitgleich drei Augenmeisterinnen schwanger. Das war eine besondere Herausforderung. „Als Springer zu arbeiten“, meint Heimbach, „ist nicht immer ein dankbarer Job. Man kann sich leicht als Notnagel fühlen und weniger als Teil eines Teams.“ Doch Karin Wildermann fühlt sich nicht so. Im Gegenteil. „Ich finde das super. Nur blöd, wenn ich im Stau stehe, wie gerade jetzt.“


„Wer als Springer arbeitet, dem kann man nichts mehr vormachen.“


Jedes Mal anderer Ort, andere Umgebung, andere Menschen. Wildermann findet das gut. „In Düsseldorf an der Kö sind unsere Kunden zum Beispiel ganz anders als in Wattenscheid. Man muss also mit den unterschiedlichen Mentalitäten umgehen können. Und Spaß daran haben, auf fremde Menschen zuzugehen.“ Um als Springerin den Job gut zu machen, seien zudem Strukturiertheit und Disziplin von Vorteil. „Man muss die Arbeit am Tagesende so gut und transparent abschließen, dass man den Kollegen keine offenen Baustellen hinterlässt.“

Auch in der 1982 gegründeten Brillenwerkstatt in Berlin mit zwei Geschäften, in Kreuzberg und eines in Mitte, geht es nicht ohne Springer. Für Klaus Meier, einer der beiden Inhaber, ist es schon wichtig, dass es einen Mitarbeiter gibt, der bereit ist, bei Bedarf diese Funktion zu übernehmen. Besonders während der letzten Grippewelle wäre es nicht ohne gegangen. Diesen Part übernimmt Mitarbeiterin Marion. Sie arbeitet wie ihr Chef eigentlich im Kreuzberger Geschäft in der Oranienstraße, ist aber springbereit. Derzeit ist sie einen Tag in der Woche im zweiten Geschäft in Kreuzberg am Mehringdamm. „Ein angesagter Hotspot, viele Touristen sind dort. Die meisten sprechen Englisch. Ich dann auch.“

„Wo liegen jetzt die Schrauben?“

Das Geschäft ist ihr allerdings vertraut, vor vielen Jahren hat sie dort ihre Ausbildung gemacht, deshalb fühlt sich Marion auch nicht als Notnagel, sondern ganz anders, nämlich „als Teil von sogar zwei Teams“. Brillenwerktstatt-Inhaber Klaus Meier weiß seine Mitarbeiterin zu schätzen. „Als Springer muss man sich wirklich gut auskennen, muss überall genau wissen: Wo liegen jetzt die Schrauben?“ Er selbst sei da nicht so flexibel, gibt er zu, er arbeitet lieber immer im selben Geschäft.

Bei Jonen, einer regionalen Augenoptikkette mit 17 Niederlassungen, hat man keine speziellen Springer unter den Mitarbeitern. Was auch daran liegt, dass man, wie Geschäftsführerin Ines Jones sagt, über eine ausreichend große Personaldecke verfügt. Bei Engpässen helfen sich die Geschäfte in unmittelbarer Nähe unkompliziert aus. Jonen spricht hier von „Nachbarschaftshilfe“. Von der Idee, einen Mitarbeiter zum Springer zu berufen, hält sie wenig. Nicht nur, weil dann vielleicht das ihr so wichtige Team-Gefühl fehlen könnte, sondern auch aus einem anderen Grund: „Für Kunden ist es auch nicht so schön, wenn sie von einem Augenoptiker bedient werden, der ihnen nicht vertraut ist.“

Personal - Engpass - Blickfelder - Thomas Heimbach
Thomas Heimbach, Geschäftsführer der Blickfelder-Gruppe

Thomas Heimbach ist hingegen überzeugt: „Die Person des Springers ist ein wichtiger Multiplikator. Er kann berichten, was im Betrieb A besonders gut funktioniert und für Betrieb B übernommen werden kann. Das setzt eine Dynamik in Gang, die Lernprozesse ermöglicht und ein Unternehmen auch voranbringen kann.“ Für stationäre Augenoptiker mit ganz dünner Personaldecke oder auch solche, die ihr Geschäft sogar allein führen, stellt sich das Problem verschärft: Was tun im Urlaub oder Krankheitsfall, wenn man das Geschäft nicht schließen möchte?

Übergabe in 60 bis 90 Minuten

Auch hier gibt es Lösungen. Seit April 2018 ist Augenoptikermeister Michael Kurzner Geschäftsführer von Oneoptix in Regensburg. Oneoptix ist eine Beratungsfirma für Augenoptiker, die feste Mitarbeiter vermittelt, aber auch bei vorübergehenden Personal-Engpässen hilft. „Innerhalb von 24 Stunden können wir in der Regel eine Lösung finden“, erzählt Kurzner.

Personal - Engpass - Oneoptix - Michael Kurzner
Michael Kurzner, Geschäftsführer von Oneoptix

Die Anfragen sind unterschiedlich: Einmal wird ein Spezialist für Kontaktlinsenanpassung gesucht, das andere Mal jemand, der vorübergehend das komplette Management eines Geschäftes übernimmt. Das Unternehmen arbeitet bundesweit, man hat auch schon Augenoptiker nach Schweden vermittelt. Zur Vorbereitung erarbeitet Kurzner eine detaillierte Checkliste mit allen wichtigen Informationen für den „Springer“: Struktur des Ladens, Struktur der Kunden, eingesetzte Software und ähnliches mehr. Die Übergabe erfolgt dann innerhalb von 60 bis 90 Minuten.

Augenoptiker, so Kurzners Erfahrung, sind in der Regel extrem gut organisiert, sodass Übergaben reibungslos erfolgen. Gerade wenn Chefs ihr Geschäft schon lange führen, haben sie in der Regel alle wichtigen Zahlen und Informationen sofort parat. Die Kosten bei der Urlaubsvertretung bewegen sich bei Oneoptix übrigens zwischen 40 bis knapp 50 Euro – zuzüglich Mehrwertsteuer. Personal-Vermittlungsgebühren fallen nicht an.

// JUEB

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Produkt: eyebizz  2/2019
eyebizz 2/2019
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