Die Macherinnen der Augenoptik - Dieses Mal ist es:

Die Pionierin – Rita Kirchhübel von Oculus

„Das Leben besteht aus Kompromissen“, … … sagt Rita Kirchhübel, Marketingleiterin bei Oculus (Wetzlar). Der Satz ist visionär gemeint, setzt er doch ein Konkurrenzgebaren außer Kraft, das von manchen Platzhirschen gerne gepflegt wird: „Ich muss der Gewinner sein!“ – „Unsinn“, sagt die gebürtige Schwäbin mit einer Resolutheit und Wärme, dass man sofort denkt, diese Frau ist für Führungsaufgaben bestens geeignet. „Man möchte ein Ziel erreichen, aber deswegen muss doch keiner verlieren. Beide können gewinnen.“

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Die Pionierin hat die Marketingabteilung bei Oculus in Dutenhofen in den letzten 30 Jahren überhaupt erst aufgebaut. Als Hersteller von Optikgeräten zur Diagnostik und vitreoretinalen Chirurgie hat das 1895 als „A. Mager Spezialfabrik Ophthalmologischer Instrumente“ gegründete Unternehmen mittlerweile rund 150 Produkte im Angebot. Technik hat sie schon als Kind fasziniert. Ein Heinkel Motor zum Auseinanderschrauben war ihr lieber als eine Puppenstube. Als gelernte Technische Zeichnerin machte sie auf dem zweiten Bildungsweg die Fachhochschulreife.

Nach einem kurzen Zwischenstopp an der Uni, wo sie ihren Mann kennenlernte, arbeitete sie als Klimatechnikerin in der Konstruktion und auf Großbaustellen. Damals waren Frauen dort noch Exotinnen. Es war kein Zuckerschlecken, sich durchzusetzen. Rita Kirchübel lobt ihr zehnköpfiges Team, das für die weltweite Vermarktung der Oculus-Produkte zuständig ist. „Wir lachen viel. Denn nur in einer entspannten Atmosphäre ist kreatives Arbeiten möglich.“ Wichtig ist ihr, dass jeder im Team Verantwortung übernimmt und eigene Projekte leitet. Scheu vor Fehlern sollte keiner haben, „denn daraus lernen wir.“

Berta Benz, die Pionierin des Automobils, Käthe Kruse, die Puppenmacherin, und Einsteins unterschätzte Ehefrau Mileva Marić sind Frauen, deren Lebensleistung Rita Kirchhübel bewundert. Doch für Geschlechterkämpfe ist sie nicht zu haben. Respekt ist die zwischenmenschliche Währung, um die es ihr geht. Und da sieht sie durch Internet und Digitalisierung eine Verrohung, die ihr Herzklopfen bereitet: „Hoffentlich schwappt das nicht auf die Geschäftswelt über.“

Derzeit fände ein schneller, tiefer Wandel im Bereich Marketing statt. Die größte Herausforderung sei dabei, gegenüber den Blendern und Marktschreiern, die auf schnellen Gewinn aus sind, als seriöser Anbieter zu bestehen. Doch Rita Kirchhübel ist optimistisch: „Wir bei Oculus setzen auf die gute, gewachsene Partnerschaft mit unseren Kunden, die wir immer gelebt haben.“ ||| JUEB

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Hallo Team,

    sehr interessant zu erfahren, dass es in unserer Region (Mittelhessen) Menschen gibt, welche solch eine Firmenpolitik betreiben / leben und erfolgreich damit sind.

    Gerne würde ich diese Firmenkultur selber kennenlernen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Siegfried Leo Kitzia

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