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Lieferanten befragen, Kunden steuern

Bei Optik Angst denkt man an die Enkel

„Wenn du hochwertig verkaufen möchtest, musst du einen größeren Aufwand betreiben“, sagt der Augenoptik- und Hörakustikmeister Bernd Angst. Er betreibt dafür großen Aufwand: Im Rahmen seiner Dienstleistungen und Beratung, aber auch um seine Kundschaft zu informieren und zu steuern. Das Ziel des Ganzen neben seinem eigenen nachhaltigen Engagement für die Branche ist ein großes: Er möchte seinen Enkeln eine möglichst lebenswerte Erde hinterlassen.

Optik Angst: Brillen mit QR-Code zu Nachhaltigkeit des Lieferanten
Der QR-Code (hier rechts oben) liefert detaillierte Informationen über den Lieferanten der Brillen, hier von Wissing (Bild: Optik Angst)

Die hochmoderne Technologie und auch die optometrische Ausrichtung des Augenoptik- und Hörakustikbetriebes in Deißlingen fällt der Kundschaft schnell auf. Dass Optik Angst mitsamt dem mehr als ein Dutzend Köpfen starken Team seit rund fünf Jahren bilanziell klimaneutral wirtschaftet, muss man dagegen nachlesen. Dass Bernd Angst, der das Geschäft in dritter Generation führt, wiederum großen Wert auf Individualität legt, lässt sich anhand der Geschäftsausstattung leichter erahnen: Ein noch stärkeres Indiz dafür liefert die Philosophie des Unternehmens, das im vergangenen Jahr sein 100-jähriges Jubiläum feierte.

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„Jeder Mensch ist einzigartig. Jeder Mensch hat eine individuelle Anatomie und Physiologie, individuelle Seh- und Höranforderungen, ein individuelles Umfeld und individuelle Bedürfnisse“, heißt es auf der Geschäfts-Website. Oder kurz: Der Mensch steht im Mittelpunkt des Handelns bei Optik Angst.

Optik Angst
Bild: Optik Angst

Dass Kundschaft wie Mitarbeitende, besser gesagt, dass Menschen ohnehin die Hauptrolle bei all dem einnehmen, was sich rund um Optik Angst abspielt, lässt sich ebenfalls recht weit hinten auf der Homepage finden. Dort klappen weder bei der Technologie und optometrischen Ausstattung, noch bei der mit Meisterbriefen, Optometristen-Titeln oder Hochschulabschlüssen dekorierten Belegschaft die Menüpunkte so weit auf wie beim Thema Nachhaltigkeit.

Augen, Ohren, Enkel

Neben den Augen und Ohren der Kundschaft habe das Team auch das Ziel im Blick, seinen Enkeln eine intakte, lebenswerte Erde zu überlassen und dem Gemeinwohl zu dienen. Dass der Betrieb mit einem eigenen Brennstoffzellen-Blockheizkraftwerk etwa 50 Prozent des Strombedarfs und mit Öko-Methan den kompletten Wärmebedarf deckt, erfährt nicht jeder. Die zum Verkauf stehenden Produkte – insbesondere Brillenfassungen – sind dagegen mit Etiketten gekennzeichnet, über deren QR-Codes gezielte Informationen zum Produkt und dessen Hersteller zur Verfügung stehen.

Optik Angst: Inhaber Bernd Angst
Bernd Angst (Bild: Optik Angst)

Bernd Angst macht weder einen Hehl aus seinem Faible für Optometrie noch Wind um seine Akribie in Sachen Nachhaltigkeit. Der staatlich geprüfte Augenoptiker, Augenoptik- und Hörakustikmeister sieht sich schlichtweg in der Pflicht: „Wir leben in einer Zeit der Multikrise, jeder muss einen Beitrag leisten! Für mich war es wichtig, klimaneutral zu sein.“

Ökostrom, das könne heute jeder, sagt er in einem beinahe schüchternen Ton, der gerade deswegen eher eine Forderung zu formulieren scheint. Angst hat in jedem Raum des Betriebs einen Schalter installiert, der alle Geräte gleichzeitig vom Strom nimmt, weil er sich mit Ruhe- und Betriebsstrom beschäftigt, weil er ihn gemessen hat.

 

„Wir leben in einer Zeit der Multikrise, jeder muss einen Beitrag leisten!“

 

Er hat auch nicht gezögert, alle alten Lampen gegen 120 LED-Strahler zu einer Zeit auszutauschen, als das noch um einiges teurer war als heute. „Trotzdem hat sich das innerhalb kürzester Zeit amortisiert, weil wir damit unseren Stromverbrauch erheblich gesenkt haben.“

Wer es ernst meint, schaut auf die Lieferketten

Neben dem Bewusstsein für den Energieverbrauch und dem bald erfüllten Wunsch nach Klimaneutralität befasste sich Angst wenig später unter anderem mit dem Recycling und den verwendeten Rohstoffen für die von ihm verkauften Produkte – „wenn du es mit der Nachhaltigkeit ernst meinst, bist du schnell bei den Lieferketten“, ergänzt er. Vieles von dem Engagement und noch mehr von dem Wissen, das Angst sich in den vergangenen Jahren angeeignet hat, lässt sich nicht richtig veranschaulichen.

Optik Angst: Fragebogen Hersteller Brillen-Fassungen
Optik Angst: Fragebogen für Hersteller von Brillen-Fassungen (Quelle: Optik Angst)

Im Gegensatz dazu können die Ergebnisse der Lieferanten-Befragung gut in Szene gesetzt werden. Was Angst auch macht, obwohl die 2020 gestartete Aktion aufgrund von immer noch fehlenden oder un-zureichenden Antworten einiger Hersteller bis heute nicht wirklich beendet ist.

Angst kennt die Überlegenheit individualisierter Brillenfassungen, Brillengläsern, Kontaktlinsen und Hörgeräten gegenüber Standardprodukten und stellt das gerne heraus. Er möchte seine Kundschaft aber darüber hinaus informieren, was ein nachhaltiges Produkt und damit zumindest für ihn ein empfehlenswertes ist. Die wenigsten Leute kommen deswegen hierher, aber immer mehr der eher konservativen Menschen zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb lassen sich davon begeistern. Das ist die Intention, denn Angst wollte von Anbeginn der Befragung nicht seine Lieferanten aussortieren, sondern seine Kundschaft steuern.

Vor rund drei Jahren gingen die Fragebögen aus Deißlingen bei den Brillenglas-Partnern ein, lagen die zehn Fragen bei Kontaktlinsenherstellern im E-Mail-Postfach und suchten die Fassungsdesigner nach befähigten Personen in ihrem Unternehmen. Sie alle sollten Antworten liefern. Angst hatte sich zunächst an den Außendienst der jeweiligen Firmen gewandt, um die richtige Ansprechperson herauszufinden. Das war nicht immer einfach, und zu häufig kamen später die Antworten aus der Marketingabteilung der Lieferanten, manchmal sogar in Form von bunten Produktflyern.

Manche spielen in einer besonderen Liga

Angst bewertete die Antworten für sich mit jeweils bis zu zehn Punkten, und er lernte dabei, Werbung und Marketing in Sachen Nachhaltigkeit von echtem Engagement zu trennen. „Silhouette zum Beispiel spielt in puncto Nachhaltigkeit in einer anderen Liga, ohne das ständig hervorheben zu müssen“, sagt der Chef, der auch immer noch von der Schnelligkeit und der Qualität der Antworten von Markus T begeistert ist.

Dass sich Fassungsdesigner Markus Temming und Angst jetzt in der Interessengemeinschaft Nachhaltigkeit regelmäßig sehen und gemeinsam konkrete Projekte für die Branche anstoßen, macht die Story rund – die ohnehin schon gute Bewertung der Fassungen aus der Manufaktur aber nicht noch besser. Mehr als 80 Punkte hat ohnehin niemand gesammelt!

Optik Angst: Schnitt am besten bei Nachhaltigkeit ab - Fassung von Markus T
Schnitt am besten bei Optik Angst bezüglich Nachhaltigkeit ab: Markus T (Bild: Optik Angst)

Für manchen Hersteller ist es gewiss ein Vorteil, dass nicht der Chef bei Optik Angst den Großteil der Brillenfassungen einkauft und sie auch nicht verkauft. Es gehe ja nun auch nicht nur um Nachhaltigkeit, sondern auch um modische Aspekte. Zudem seien nachhaltige Produkte eben oft immer noch teurer. Da zudem die Kundschaft kaum Fragen zu diesem Thema stellt, wird sie in Deißlingen konkret und nachdrücklich darauf hingewiesen.

Das Preisetikett mit dem darauf befindlichen Blatt gibt die Bewertung der Befragung wieder: ein massives Blatt ist gut, eines ohne Füllung nicht schlecht. Findet sich kein Blatt auf dem Etikett, muss der an allen Fassungen befindliche QR-Code die Erklärung dafür liefern, warum das nach Meinung des Fachmanns kein nachhaltiges Produkt ist.

Gutes Gewissen verkaufen

„Der QR-Code liefert detaillierte Informationen über den Lieferanten des Produktes. Die Leute müssen die komplette Story kennen, damit sie sich auch ein gutes Gewissen kaufen können“, meint Angst. Gut informiert entscheide sich mancher eben doch für das nachhaltige, teurere, aber oft auch langlebigere Produkt. Ob das auch für das doppelt so teure neue, natürlich nachhaltig hergestellte Brillenputztuch gilt, weiß der Handwerksmeister und Optometrist noch nicht, eingeführt hat er es dennoch. Es sei für alle einfacher geworden, nachhaltiger einzukaufen, „jetzt fehlten nur noch die günstigen nachhaltigen Produkte“.

Optik Angst Nachhaltigkeit Neubau Silhouette
Silhouette spiele in puncto Nachhaltigkeit in einer anderen Liga, ohne das ständig hervorheben zu müssen, so Bernd Angst (Bild: Optik Angst)

Neben der Information und Steuerung seiner Kundschaft hat Angst durch die Befragung und den unterschiedlichen Herangehensweisen der Firmen bei der Beantwortung für sich einiges mitgenommen. Er hat keine Firma aus dem Portfolio verbannt, aber für sich die „Blender“ von den wirklich Engagierten getrennt. In der Hörakustik wartete er im Schnitt länger auf die Antworten, hier möchte man vor allem von den Batterien der Hörgeräte loskommen und das immense Verpackungsproblem lösen.

 

„Jetzt fehlen nur noch die günstigen nachhaltigen Produkte.“

 

In der Augenoptik bleiben auch die Lieferketten häufig und wohl noch auf Dauer ein Problem, nicht nur in ökologischer Hinsicht. Etliche Brillenfassungen, die heute in Deutschland verkauft werden, kommen aus Asien. Informationen über die Herstellung, die Produktionsstätten und die dort arbeitenden Menschen haben oft nicht minder schwierige Wege vor sich und schaffen es im Gegensatz zum Produkt nie so richtig nach Europa.

„Dass ein Unternehmen wie die DAO die Rezeptfertigung von Brillengläsern aus Asien zurückgeholt hat, nötigt mir Respekt ab“, sagt Bernd Angst. Dass man davon nicht allzu viel mitbekommt, ist nicht überraschend: Die Nachhaltigen sind eben selten die Lauten in der Augenoptik. Optik Angst im beschaulichen Deißlingen ist ein nahezu perfektes Beispiel dafür.

/// IR

www.optik-angst.de

 

Artikel aus der eyebizz 4.2023 (Juni/Juli)

 

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