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DOG zu neuen Studien

Sport kann helfen, Glaukom zu vermeiden

Regelmäßige körperliche Aktivität senkt das Risiko, an einem Glaukom zu erkranken. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie. Möglicherweise könnte Sport auch das Fortschreiten des Augenleidens verlangsamen. So belegen verschiedene Untersuchungen eine Senkung des Augeninnendrucks nach Aktivitäten wie Fahrradfahren oder Laufen, berichten Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).

Sport kann helfen, ein Glaukom zu vermeiden - hier Fahrrad fahren
Sport kann helfen, ein Glaukom zu vermeiden – hier Fahrrad fahren (Pixabay / Skitterphoto)

Das Glaukom (Grüner Star) zählt zu den häufigsten Ursachen für Erblindung in Deutschland. Etwa eine Million Menschen leiden hierzulande an der Erkrankung, die den Sehnerven schädigt. Wie schnell der Sehverlust voranschreitet, wird von mehreren Einflüssen bestimmt. Der größte Risikofaktor ist der erhöhte Augeninnendruck.

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Nun belegt eine prospektive Beobachtungsstudie an 9.519 Männern und Frauen im Alter zwischen 40 und 81 Jahren, dass bei sportlichen und körperlich aktiven Menschen die Neuerkrankungsrate an einem Glaukom geringer ist als bei inaktiven Personen (1). „Dieser Effekt zeigte sich in der fast sechsjährigen Beobachtungsphase selbst dann, wenn andere Faktoren wie Ernährung, Alkoholgenuss oder Rauchen herausgerechnet worden waren, die oft mit dem Fitnessniveau einhergehen“, erläutert Professor Dr. med. Hagen Thieme, Direktor der Augenklinik am Universitätsklinikum Magdeburg.

Der DOG-Experte hält eine positive Wirkung von Sport bei Glaukom für durchaus plausibel. „Aerobe Sportarten wie Fahrradfahren oder Laufen senken vorübergehend den Augeninnendruck, das haben schon sehr viele Studien nachgewiesen“, erklärt Thieme (2). „Die Senkung hielt je nach vorausgegangener sportlicher Intensität zwischen zehn Minuten und zweieinhalb Stunden an.“

Ein weiterer förderlicher Effekt: Bei sportlichen Menschen sei der Sehnervenkopf nachweislich besser durchblutet (3). Außerdem stimuliere Bewegung vielfältige neuronale Reparaturmechanismen im Gehirn (4). „Das ist für einige Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie etwa den Schlaganfall belegt. Es ist vorstellbar, dass es auch für Nervenzellen und -fasern am Sehnervenkopf gilt“, meint Thieme. Diese Faktoren könnten erklären, warum sportlich Aktive seltener am Glaukom erkrankten.

Und bei schon bestehender Glaukom-Erkrankung?

Ob sportliche Betätigung auch hilft, eine bereits bestehende Glaukom-Erkrankung aufzuhalten, ist gegenwärtig nicht ausreichend untersucht. Eine Querschnittsuntersuchung (5) an 141 Glaukom-Patienten kam kürzlich zu dem Schluss, dass 1.000 zusätzliche Schritte pro Tag den Sehverlust über das Jahr hinweg zwar verzögerte. Insgesamt waren die Effekte aber sehr gering. „Ginge man unter diesen Voraussetzungen von einer schützenden Wirkung aus, müssten Patienten etwa 5.000 Schritte oder zwei Stunden körperliche Aktivität zusätzlich pro Tag ausüben, um die jährliche Sehverschlechterung bei der Glaukom-Erkrankung um zehn Prozent zu reduzieren“, stellt Thieme fest.

Von entscheidender Bedeutung bleiben beim Glaukom deshalb die Vorsorge und eine frühe Diagnose. Denn einen erhöhten Augeninnendruck spüren die Betroffenen über längere Zeit oft nicht. Stellen sich Sehstörungen ein – Ausfälle im zentralen oder äußeren Blickfeld –, ist die Erkrankung meist schon stark fortgeschritten und muss medikamentös behandelt werden, um weitere Schäden abzuwenden. „Es ist daher sinnvoll, den Sehnerven ab dem 40. Lebensjahr beim Augenarzt untersuchen zu lassen, ab dem 60. Lebensjahr ist ein jährlicher Sehnervencheck anzuraten“, empfiehlt der Magdeburger Augenexperte.

 

Quellen:

(1) Meier NF, Lee DC, Sui X, Blair SN. Physical Activity, Cardiorespiratory Fitness, and Incident Glaucoma. Med Sci Sports Exerc. 2018 Nov;50(11):2253-2258.

(2) Zhu MM, Lai JSM, Choy BNK, Shum JWH, Lo ACY, Ng ALK, Chan JCH, So KF. Physical exercise and glaucoma: a review on the roles of physical exercise on intraocular pressure control, ocular blood flow regulation, neuroprotection and glaucoma-related mental health. Acta Ophthalmol. 2018 Sep;96(6):e676-e691.

(3) Schmitz B, Nelis P, Rolfes F, Alnawaiseh M, Klose A, Krüger M, Eter N, Brand SM, Alten F. Effects of high-intensity interval training on optic nerve head and macular perfusion using optical coherence tomography angiography in healthy adults. Atherosclerosis. 2018 Jul;274:8-15.

(4) Benedict, C. et al. Association between physical activity and brain health in older adults. Neurobiol Aging. 2013 Jan;34(1):83-90.

(5) Lee, Moon Jeong et al. Greater Physical Activity Is Associated with Slower Visual Field Loss in Glaucoma Ophthalmology, Volume 126, Issue 7, 958 – 964. https://doi.org/10.1016/j.ophtha.2018.10.012

 

Die Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 7.750 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste augenärztliche Fachgesellschaft der Welt und die älteste fachärztliche Gesellschaft Deutschlands.

 

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