Jeder zweite Augen-Patient leidet unter Milben-Befall
von Redaktion,
Brennende, juckende, gerötete Augen, Fremdkörper-Gefühl, verklebte Lidränder und Seh-Schwankungen: Hinter solchen Beschwerden steckt laut der DOG (Berlin) oft eine erhöhte Besiedlung der Wimpern-Wurzeln und Lidränder mit Demodex-Milben. Sie können die Symptome eines Trockenen Auges oder eine Lidrand-Entzündung auslösen.
Auch Wimpern und Lidränder müssen gepflegt werden, so wie hier: Wer aber bestimmte anhaltende Augen-Beschwerden hat, sollte den Wimpern-Ansatz augenärztlich genau anschauen lassen, rät die DOG (Bild: Marta Carrassi auf Pixabay)
Doch die winzigen Hautparasiten werden neuen Studien zufolge meist übersehen. Wie man einen verstärkten Milben-Befall am Auge erkennt und welche Therapien helfen, erläuterte eine Expertin anlässlich des 124. Kongresses der DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft) Ende September in Berlin.
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Demodex-Milben, kleine Spinnentiere, gehören zur natürlichen Hautflora des Menschen und leben überwiegend auf behaarten Arealen. Problematisch für die Augen wird ihr Auftreten, wenn sie massiv Wimpernwurzeln, Talg- und Liddrüsen besiedeln und Entzündungen am Lidrand und der Augen-Oberfläche verursachen. Wie Untersuchungen zeigen, sei das häufiger der Fall als bisher angenommen.
„Einen krankhaften Befall mit Demodex-Milben weisen 55 Prozent der Patientinnen und Patienten auf, die eine Augenarztpraxis aufsuchen“, berichtete Privatdozentin Dr. med. Christina Jacobi vom Augen & Haut Zentrum Nürnberg. Mit dem Alter steige das Risiko weiter an. „Dennoch bleibt der vermehrte Milben-Befall leider häufig unerkannt“, stellte die DOG-Expertin fest.
Typische Beschwerden werden oft falsch eingeordnet
Grund: Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass die milbenbedingte Lidrand-Entzündung oft mit Trockenem Auge allein, der entzündlichen Haut-Erkrankung Rosazea, einer allergischen Reizung oder einer unspezifischen Lidrand-Entzündung verwechselt wird. „Viele Patientinnen und Patienten werden deshalb über längere Zeit ohne nachhaltigen Erfolg behandelt“, sagte Jacobi.
Die DOG-Expertin rät: „Wenn sich Augenbeschwerden wie Juckreiz, Brennen, Fremdkörper-Gefühl und schwankende Sehfähigkeit trotz Tropfen, Salben oder allgemeiner Lidpflege nicht bessern, sollte auf augenärztlicher Seite gezielt nach einem verstärkten Milben-Befall als Ursache gesucht werden.“
Zylindrische Schuppen als entscheidender Hinweis
Das erfordere keinen großen Aufwand. Für die frühzeitige Diagnose genüge häufig ein genauer Blick durch die Spaltlampe auf den Wimpern-Ansatz. „Das typische klinische Zeichen sind sogenannte Kollaretten, also Schuppen, die die Wimpern wie ein kleiner Kragen umschließen“, erläuterte Jacobi.
Die Ablagerungen gelten als hochspezifischer Hinweis auf eine Demodex-Blepharitis. „Besonders gut sind die Hautparasiten an der Spaltlampe am oberen Lidrand zu erkennen, wenn die Patientinnen und Patienten nach unten blicken“, ergänzte die DOG-Expertin. Um ganz sicher zu gehen, können einzelne Wimpern zur Milben-Zählung entnommen und unter dem Mikroskop untersucht werden.
Tägliche Lidrandpflege mit Teebaumöl-Präparaten
Die beste verfügbare Behandlung sei derzeit die tägliche Lidrandpflege mit Teebaumöl-haltigen Präparaten, um die Milben-Last zu reduzieren und Entzündungen einzudämmen. Die Präparate mit dem Wirkstoff Terpinen-4-ol gibt es als Schaum, Gel und fertige Einmaltücher, die man in der Apotheke freiverkäuflich erhalten kann – für die Anwendung die Augen schließen und mit Tuch oder benetzten Wattestäbchen sanft entlang des Lidrands und der Wimpern-Ansätze wischen.
„Dabei die schuppigen Ablagerungen entfernen und den Wirkstoff nicht abspülen“, erläuterte Jacobi. Anschließend können die Lidranddrüsen zusätzlich sanft mit sauberen Fingern oder einem Wattetupfer massiert werden. „Entscheidend ist, die Behandlung täglich konsequent über mindestens vier bis sechs Wochen durchzuführen, um den Lebenszyklus der Milben lückenlos abzudecken“, betonte die Augenärztin.
Weitere Verfahren – und ein neues Medikament
Zusätzlich können weitere Verfahren gegen die Parasiten eingesetzt werden, etwa eine gründliche, augenärztliche Reinigung der Lidkante oder eine Behandlung mit Licht-Impulsen. Auch das Auftragen der entzündungs-hemmenden Wirkstoffe Ivermectin oder Metronidazol zeige Wirksamkeit gegen Demodex-Milben, zählt jedoch zu den Off-Label-Therapien.
„Diese Optionen können sinnvoll sein, ersetzen aber nicht die regelmäßige Lidrand-Hygiene als Basis der Behandlung“, sagte Jacobi. Unterdessen ist vor kurzem in den USA mit Lotilaner 0,25 Prozent die erste antiparasitäre Augentropfen-Therapie zugelassen worden, die Milben gezielt lähmt. Das Präparat kostet eine vierstellige Summe. Wann die Augentropfen in Deutschland verfügbar sein werden, ist offen.
DOG: Vielfach verkannte Ursache
„Die gute Nachricht lautet, dass wir mit den Teebaumöl-Wirkstoffen über eine vergleichsweise preiswerte, effektive Therapie gegen die Parasiten verfügen“, sagte Jacobi. „Denn Milben am Auge sind kein Schauermärchen, sondern eine reale, vielfach verkannte Ursache für chronische Augenbeschwerden, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen können“, betonte die DOG-Expertin.