In letzter Zeit häufen sich Meldungen über einen möglichen Zusammenhang zwischen UV-Strahlung und der Eindämmung des Corona-Virus. Manch einer könnte daher auf die Idee kommen, sich intensiver UV-Strahlung auszusetzen, um das Corona-Virus loszuwerden. Es geht in diesen Meldungen aber allein um die Keimfreiheit von Oberflächen oder Sachen, nicht um eine Abtötung des Virus auf oder in Lebewesen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) weist daher darauf hin, dass UV-Strahlung nicht zur Heilung von Covid-19 geeignet ist.
UV-Strahlung schädlich für den Menschen
Wird über UV-Strahlung in Zusammenhang mit dem Corona-Virus gesprochen, ist UV-C-Strahlung gemeint. Dass UV-C-Strahlung Viren und Bakterien abtötet, ist allgemein bekannt. Man kann diese künstlich erzeugen und so die Vorzüge nutzen: Zur Entkeimung werden standardmäßig UV-C-Lampen eingesetzt – zum Beispiel an steril zu haltenden Arbeitsplätzen von Laboren oder in Entkeimungsanlagen für Teiche oder andere Gewässer. Auch im Kampf gegen Corona kommen diese Lampen zum Einsatz, um Oberflächen wie etwa in Flugzeugen von diesem Virus zu befreien.
UV-Strahlung: C-, B- und A- und ihre Wellenlängen (Bild: Bundesamt für Strahlenschutz)
UV-C-Strahlung kommt auch von der Sonne – ebenso wie UV-A- und UV-B-Strahlung. Aber die besonders energiereiche UV-C-Strahlung wird von der Erdatmosphäre vollständig ausgefiltert, sodass natürliche UV-C-Strahlung die Erdoberfläche nicht erreicht – nur so konnte Leben auf der Erde entstehen.
Wer denkt, Sonnenstrahlen würden den Virus in uns abtöten und damit Covid-19 heilen, der irrt. Im Gegenteil: UV-Strahlung kann unter anderem dazu führen, dass die körpereigene Immunabwehr unterdrückt wird. Wer krank ist, sollte darum besser nicht in die pralle Sonne – egal, bei welcher Erkrankung.
Hinzu kommt laut BfS: UV-C-Strahlung ist wie UV-A- und UV-B-Strahlung schädlich für den Menschen. Keinesfalls sollte man in UV-C-Lampen hineinsehen, darunter stehen oder auch nur Körperteile darunter halten. Denn:
UV-C-Strahlung kann auf ähnliche Art und Weise wie UV-B-Strahlung das Erbgut schädigen und ist darum wie auch UV-A- und UV-B-Strahlung krebserregend für den Menschen. Und das schon bei niedrigeren Intensitäten als den für eine Entkeimung notwendigen.
Außerdem kann UV-C-Strahlung unterschiedliche gesundheitsschädliche Wirkungen in den Augen und auf der Haut verursachen:
Auge: UV-C-Strahlung kann das Oberflächengewebe des Auges schädigen. Studien über die versehentliche Exposition des Auges mit Werten, die über den Grenzwerten liegen, ergeben zwar im Allgemeinen, dass die Augensymptome in der Regel innerhalb von etwa einer Woche abklingen. Bei hoher Exposition können die Augenprobleme jedoch viel länger bestehen bleiben.
Haut: UV-C wird hauptsächlich von der Hornschicht der menschlichen Epidermis (Oberhaut) absorbiert. Die akuten Auswirkungen auf die Haut, wie beispielweise Erytheme (Sonnenbrände), sind als vorübergehende Erscheinungen bekannt.
Weder für die Bestrahlungsstärke noch für die Dosis (Bestrahlungsstärke multipliziert mit der Expositionszeit) von UV-C-Strahlung – und ebenso von UV-B- und UV-A-Strahlung – gebe es laut Bundesamt für Strahlenschutz einen Schwellenwert, unter dem man sicher vor den Langzeitwirkungen auf Augen und Haut geschützt ist.
Sich Sonnenstrahlen nicht ungeschützt aussetzen
Der kürzlich geäußerte Vorschlag des US-Präsidenten Donald Trump bezog sich auf Erkenntnisse von US-Forschern, die bei einem Experiment beobachtet haben wollen, dass direktes Sonnenlicht das Virus schnell tötet. Die Untersuchung wurde bisher noch nicht veröffentlicht und muss noch von anderen Forschern bewertet werden. Eine Studie des Journal of Virological Methods kam bereits 2004 zum Schluss, das eine 15-minütige Bestrahlung des verwandten SARS-Virus mit UV-Strahlung dieses inaktiv mache. Dabei musste das Virus allerdings mit der für Menschen sehr schädlichen UV-C-Strahlung „behandelt“ werden. Die von der Sonneneinstrahlung bekannten UV-A-Strahlen zeigten keinen Effekt (Quelle: futurezone.at)
Ungeachtet dessen warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO auch davor, sich ungeschützt übermäßig der Sonne auszusetzen, da auch die UV-A- und UV-B-Strahlung für die menschliche Haut gefährlich werden und zu Hautkrebs führen kann. Die WHO rät deshalb auch davon ab, UV-Lampen zur Desinfektion der Hände oder anderer Hautbereiche in der Corona-Krise zu verwenden.
Auch sich oder einen Gegenstand der Sonneneinstrahlung – also der UV-A- oder UV-B-Strahlung – auszusetzen, ist nicht zielführend. Denn auch hier ist die notwendige Dauer unklar, abhängige Faktoren sind zudem Tageszeit, Wetter, Jahreszeit und Ort. Und ist das Virus erst einmal im Körper, hilft sowieso keine UV-Strahlung mehr. Einige Forscher hätten die Hoffnung aber noch nicht ganz aufgegeben, dass die Ausbreitung des Erregers in den Sommermonaten nachlassen könnte.