Design- und Versorgungs-System im gut strukturierten Markt
Wave: Es gibt noch Platz für Spezialisten
von Maik Stach,
Braucht es wirklich noch einen weiteren Kontaktlinsenanbieter? Diese Frage stellt sich wohl zurecht in einem Markt, der doch auf den ersten Blick bereits gut strukturiert erscheint. Doch bei genauerem Blick zeigt sich, dass es offensichtlich noch Platz gibt für Spezialisten. Wir haben einen dieser Spezialisten für dieses EXTRA gebeten, uns seine Idee einer individuellen Kontaktlinsenversorgung einmal näher zu bringen. Wave Contact Lens System sieht sich weniger als klassischer Kontaktlinsenanbieter, sondern reiht sich lieber als spezialisiertes Design- und Versorgungssystem ein. Warum, erfahren Sie auf diesen Seiten direkt aus der Sicht des Unternehmens.
Autor Maik Stach im Kundengespräch bei der zurückliegenden opti im Januar. Seit 2025 ist Wave zunehmend im DACH-Raum aktiv. (Foto: Wave Contact Lens System)
Viele Kontaktlinsensysteme sind für reguläre Hornhautverhältnisse ausgelegt, die Fertigungsprozesse sind standardisiert, die Ergebnisse zuverlässig aber einheitlich. In der praktischen Versorgung funktioniert dies oft, aber nicht uneingeschränkt. Denn dort, wo individuelle Geometrien, hohe Ametropien oder stark unregelmäßige Augenoberflächen vorliegen, stoßen standardisierte Konzepte schon mal an ihre Fertigungsgrenzen. Tragekomfort und Sehleistung des Kunden können in der Folge unter den Erwartungen bleiben – auch Drop Outs sind eine mögliche Folge.
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Wave ist seit 1999 am Markt und damit das Ergebnis einer langfristigen technologischen Entwicklung. Von Beginn an basierte das System auf einem topographiegestützten Ansatz, bei dem nicht die Kontaktlinse, sondern die individuelle Geometrie des Auges im Mittelpunkt steht. Diese Grundhaltung prägt die Plattform bis heute. Die Wave-Software fungiert nicht als reines Bestelltool, sondern als CAD/CAM-System, das Messdaten verarbeitet, visualisiert und in vom Nutzer frei gestaltbare Linsengeometrien überführt. Entscheidend ist dabei, dass die Verantwortung für das finale Design beim Anpasser bleibt. Die Linse entsteht softwaregestützt und kann gezielt modelliert und an die individuale Tragesituation angepasst werden.
Dieser offene Ansatz setzt sich in der Integration von Messtechnologie fort. Wave ist nicht an ein einzelnes Gerätesystem gebunden, sondern verarbeitet Daten aus einer Vielzahl etablierter Messinstrumente. Neben klassischen Topographie- und Tomographiesystemen wie den Oculus-Keratographen 4/5M und Topcons Myah lassen sich auch der Eaglet Eye Surface Profiler sowie die Oculus-Pentacam integrieren. Gerade Letztere ermöglichen eine differenzierte Erfassung der Augenoberfläche über die Hornhaut hinaus und liefern wertvolle Informationen für komplexe, insbesondere sklerale Versorgungen.
Produktpalette folgt einheitlicher Logik
Inhaltlich folgt die Produktpalette einer einheitlichen Logik. Corneale formstabile Linsen, multifokale Designs, Orthokeratologie und sklerale Linsen werden nicht als getrennte Produktwelten verstanden, sondern als unterschiedliche Ausprägungen eines individualisierten Designansatzes. Jede Linse ist ein Einzelstück, entwickelt aus der konkreten Anatomie des jeweiligen Auges. Besonders deutlich wird dies bei den skleralen Versorgungen. Die Wave-ScleraLens-Designs berücksichtigen nicht nur die zentrale Optik, sondern auch den Übergang zur Sklera. Variable Durchmesser, frei definierbare Zonen und individuell gestaltete Auflagebereiche ermöglichen eine gleichmäßige Druckverteilung und eine stabile Positionierung, insbesondere bei ausgeprägten Irregularitäten an Cornea und Sklera wie zum Beispiel dem Pterygium und der Pinguecula, aber auch bei postoperativen Veränderungen.
Aus der Formmasse wird die Real-Shape-Kontaktlinsengeometrie erstellt, ein Verfahren, das dem Formabdruck beim Zahnarzt ähnelt. Die Ergebnisse sind erstaunlich und zum Beispiel bei Kriegsversehrten häufig entscheidend, um eine höhere Lebensqualität (Visus und Benetzung) zu ermöglichen. (Foto: Wave Contact Lens System)
Wie auch beim Myopie-Management verfolgt Wave bei der Orthokeratologie ebenfalls diesen individualisierten Ansatz. Die NightLens-Designs entstehen nicht aus festen Designfamilien, sondern werden vollständig aus den topographischen Daten abgeleitet. Dadurch lassen sich auch komplexe Ausgangssituationen, hohe Korrekturen oder Ortho-K-Versorgungen in höheren Pluswirkungen und multifokal abbilden.
Begleitung der Kontaktlinsenanpasser
Ein weiterer Aspekt ist die flexible Einbindung und Begleitung der Kontaktlinsenanpasser. Nicht jeder Betrieb möchte oder kann von Beginn an selbst ein Kontaktlinsendesign erstellen. Hier bietet Wave ein gestuftes Onboarding mit Schulung, Zertifizierung und optionalen Design-Services. Über einen Concierge-Ansatz können Messdaten übermittelt und das Linsendesign durch erfahrene Spezialisten ausgearbeitet werden. Dies erleichtert insbesondere den Einstieg in komplexe Versorgungen und erlaubt eine schrittweise Spezialisierung.
Für Fälle, in denen selbst umfangreiche Messdaten nicht ausreichen, wird das System durch EyePrint-Prosthetics ergänzt. Dieses Verfahren basiert auf einem präzisen Formabdruck der Augenoberfläche und kommt gezielt bei stark irregulären Geometrien zum Einsatz, etwa nach Traumata oder bei ausgeprägten skleralen Asymmetrien. Der Formabdruck bildet die reale Anatomie der Augenoberfläche direkt ab und ermöglicht ein sklerales Linsendesign, das nicht angenähert, sondern geometrisch exakt auf die individuelle Situation abgestimmt ist. In der praktischen Versorgung zeigt sich dies häufig in einer stabileren Auflage, einer verbesserten Druckverteilung und einem höherem Tragekomfort, insbesondere bei Patienten, die zuvor als schwer oder nicht versorgbar galten.
Die Software fungiert nicht als reines Bestelltool, sondern als CAD/CAM-System, das Messdaten verarbeitet, visualisiert und in vom Nutzer frei gestaltbare Linsengeometrien überführt. (Foto: Wave Contact Lens System)
In der praktischen Kontaktlinsenversorgung zeigt sich dadurch bei vielen Patienten eine deutlich verbesserte Sehqualität, die mit konventionellen Anpassverfahren zuvor nicht erreichbar war. Das Verfahren gilt als sicher und folgt klar definierten Protokollen; bei entsprechender Einweisung ist es auch für Augenoptiker fachgerecht anwendbar.
Nach einer langen Etablierung im nordamerikanischen Markt erfolgt seit einigen Jahren eine schrittweise Einführung in Europa. Seit 2025 ist Wave auch im DACH-Raum aktiv präsent. Die Fertigung der Linsen erfolgt in Italien und wird durch strukturierte praktische Unterstützung im Betrieb ergänzt.
In der Gesamtschau adressiert Wave keinen Massenmarkt, sondern ein klar umrissenes Segment der Kontaktlinsenversorgung. Die Kombination aus langjähriger technologischer Entwicklung, diagnostischer Offenheit, softwaregestützter Modellierung und ergänzenden Verfahren für extreme Geometrien erklärt, warum das System dort eingesetzt wird, wo standardisierte Konzepte an ihre Grenzen stoßen. Die Frage nach einem weiteren Anbieter tritt damit in den Hintergrund. Entscheidend ist vielmehr, ob es Lösungen gibt, die individuelle Sehgeometrien konsequent als solche behandeln?
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Maik Stach ist International Business Development Manager bei Wave Eye Care. Der Augenoptikermeister ist seit 2008 in der Augenoptik tätig und auf die Anpassung von Speziallinsen sowie Freiformlinsen von Wave und EyePrint spezialisiert. Sein Schwerpunkt liegt auf dem globalen Ausbau der Marktaktivitäten, dem Aufbau von Vertriebsstrukturen und der Betreuung von Anpassern weltweit. Darüber hinaus unterstützt er Anwender bei der Einführung moderner Mess- und Designtechnologien sowie bei der Umsetzung individueller Kontaktlinsenversorgungen in der Praxis.