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Permanent-Make-up und Augen-Gesundheit

Wenn das Lidstrich-Tattoo ins Auge geht

Morgens aufwachen und sofort perfekt geschminkt aussehen? Mit diesem Versprechen werben Anbieter von Permanent-Make-up und Wimpern-Extensions. Doch Lidstrich-Tattoos und Wimpern-Verlängerungen sind nicht vollkommen unbedenklich für die Augen-Gesundheit, warnt die DOG (München).

Verführerisches Make-up mit langen Wimpern
Verführerisches Make-up mit langen Wimpern – doch Lidstrich-Tattoos und Wimpern-Verlängerungen sind nicht vollkommen unbedenklich für die Augen-Gesundheit, warnt die DOG (Bild: Pixabay / Mohamed Hassan)

Ekzeme und Entzündungen, Infektionen, Wimpern-Verlust und Trockenes Auge zählten zu den unerwünschten Komplikationen, die häufiger auftreten, so die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V. (DOG), München.

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Die globale Augen-Make-up-Industrie floriert. Nach Schätzungen von Analysten wird der weltweite Umsatz 2028 bei mehr als 23 Mrd. US-Dollar liegen und von den Produkten Mascara, Eyeliner und Lidschatten dominiert. Doch viele Frauen wollen nicht mehr täglich Wimperntusche oder Lidstrich neu auftragen und ziehen längerfristige Make-up-Lösungen vor – etwa in Form von Wimpern-Verlängerungen („Extensions“) oder Lidstrich-Tätowierungen.

Solche kosmetischen Behandlungen, die von Kosmetikstudios und Make-up-Artists angeboten werden, sind jedoch nicht unbedenklich. „Sie können zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen, dessen muss man sich bewusst sein“, sagt Prof. Dr. med. Elisabeth M. Messmer von der Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Nebenwirkungen bei Wimpern-Verlängerung

So könnten Wimpern-Verlängerungen akute, aber auch chronische Nebenwirkungen auslösen. „Zu den häufigsten akuten Störungen zählt das behandlungs-bedürftige allergische Kontakt-Ekzem am Lidrand, meist ausgelöst durch den verwendeten Klebstoff“, berichtet die DOG-Expertin. Auch infektiöse Entzündungen des Lidrands und der Bindehaut würden beobachtet.

„Ein langfristiger negativer Effekt ist die Verkalkung der Wimpern-Basis sowie der Verlust von eigenen Wimpern durch eine Verletzung am Haarschaft“, so Messmer. Schwerwiegende Nebenwirkungen wie eine Hornhaut-Erosion oder eine Infektion der Hornhaut seien selten.

Unbedingt zu bedenken: Wimpern-Extensions können während kleinerer Eingriffe am Auge, bei denen zur Blutstillung mit Hitze gearbeitet wird, in Flammen aufgehen. „Sie müssen daher vor einer Augen-Operation entfernt werden“, betont Messmer.

Komplikationen bei Lidstrich-Tattoo

Wer sich einen Lidstrich als Tattoo stechen lässt, muss nach der Behandlung mit Lid-Schwellungen und -Rötungen rechnen – diese Folgen sind nach Tätowierungen normal und klingen in der Regel nach Stunden bis Tagen wieder ab. „Es können aber auch allergische Reaktionen in Form von Ekzemen auftreten oder langwierige Entzündungen“, zählt Messmer auf. „Auch Infektionen mit Staphylokokken, Streptokokken, Hepatitis und HIV sind beschrieben, vor allem bei unhygienischem Arbeiten.“

Untersuchungen zeigten ferner, dass Lidstrich-Tattoos längerfristig die Talgdrüsen des Lidrandes schädigen, die für den öligen Tränenfilm verantwortlich sind, und somit zu einem Trockenen Auge führen können; Tattoos stünden außerdem im Verdacht, Schuppenflechte und Neurodermitis zu verschlechtern. Zu den weiteren vermeidbaren Komplikationen gehörten chemische Verätzungen und mechanische Verletzungen im Bereich des Auges durch die Behandelnden.

Toxischer Pigmente-Mix

„All dies sollte man vor einer Behandlung bedenken“, meint Messmer. Die DOG-Expertin weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass keine Berufs-Ausbildung zur Kosmetikerin erforderlich ist, um sich im Bereich Permanent-Make-up selbstständig zu machen. „Schulungen umfassen oft nur wenige Tage, anschließend erhalten die Absolventen ein Zertifikat, das die Qualifikation offiziell bestätigt“, berichtet die Augen-Expertin.

Und auch, wenn Einmal-Nadeln verwendet und Farben von vertrauenswürdigen Herstellern bezogen werden, enthalten moderne Tattoo-Tinten Pigmente mit Bestandteilen wie Antimon, Cadmium, Eisen, Chrom, Cobalt, Nickel und Arsen. „Es handelt sich bei Tattoo-Tinten somit um potenziell äußerst toxische Substanzen“, stellt Messmer fest.

Gefährliche Treatments: Weißfärbung und Augapfel-Tattoo

Die DOG-Expertin rät von Wimpern-Verlängerung und Lidstrich-Tattoo daher ab. „Vor drei weiteren kosmetischen Prozeduren an der Binde- und Hornhaut ist aus augenärztlicher Sicht sogar dringend zu warnen“, betont Messmer. Dazu zähle die I-Brite-Prozedur, eine Behandlung, die eine komplette Weißfärbung bei chronisch geröteter Bindehaut verspricht.

„I-Brite kann schwerste Komplikationen wie Geschwüre der Horn- und Bindehaut, Ausdünnen der Lederhaut oder eine Schädigung der Augenmuskeln mit Doppeltsehen auslösen“, erläutert Messmer. Ebenso warnt die DOG-Expertin vor Augapfel-Tattoos, bei denen die gesamte weiße Bindehaut farbig tätowiert wird. „Nach dieser Form des Tattoos wurden Verletzungen beschrieben, die zum Augenverlust führten“, so Messmer.

Hände weg von der Kerato-Pigmentierung

Neuerdings lässt sich sogar der Wunsch erfüllen, die Augenfarbe zu ändern – mittels Kerato-Pigmentierung. Dabei macht der Augenchirurg einen Laserschnitt, klappt die vordere Schicht der Hornhaut um und bringt ringförmig Farbpigmente in die mittlere Hornhaut-Schicht ein.

Nach diesem Eingriff wurden nicht nur Probleme mit der Farb-Pigmentierung beklagt. „Es wurden auch funktionelle und anatomische Probleme berichtet, wie störende Licht-Empfindlichkeit, Reduktion von Kontrast-Wahrnehmung, Verlust von Endothel-Zellen der Hornhaut, Trockenes Auge, Bildung von Gefäßen und behandlungs-bedürftige Aussackungen an der Hornhaut“, sagt Messmer. Inzwischen warne auch die American Academy of Ophthalmology, der weltweit größte Verband von Augenärztinnen und Augenärzten, vor diesem Verfahren zu kosmetischen Zwecken.

Alarmzeichen ernst nehmen

In jedem Fall sollte man Alarmzeichen nach einer kosmetischen Prozedur am Auge ernst nehmen. „Wenn Lid- oder Augenrötung länger als wenige Tage anhalten, sollte man umgehend eine Augenärztin oder einen Augenarzt aufsuchen“, empfiehlt die DOG-Expertin. „Das gilt auch für Schmerzen nach der Prozedur oder eine Seh-Beeinträchtigung.“

 

Quelle und Referenzen: DOG

 

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