Sich gemeinsam für optimale Versorgung und Teilhabe engagieren und vieles mehr gehört zur Schwerhörigen-Selbsthilfe, deren Beginn sich 2026 zum 125. Mal jährt. Der Deutsche Hörverband (DHV) lädt ein, dieses Jubiläum mit Aktionen zu feiern. Höhepunkte im Jubiläumsjahr sind ein Aktions-Tag am 3. März sowie eine Aktionswoche vom 17. bis 20. September in Berlin.
125 Jahre Schwerhörigen-Bewegung in Deutschland – bei den Gottesdiensten, die Margarethe von Witzleben ab 1901 initiierte, kamen erstmals schwerhörige und ertaubte Menschen zusammen, um die eigene Lebenssituation selbsttätig zu verbessern (Foto: Witzlebenstiftung)
Der Beginn der Schwerhörigen-Bewegung in Deutschland war ein Gottesdienst: Zu diesem trafen sich am 26. Mai 1901 zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie ein Pastor in der Wohnung Margarethe von Witzlebens (1853–1917) in der Tieckstraße 17 in Berlin. Drei Jahre später zählten bereits 157 Personen zum Witzleben-Kreis. Auf ihre Initiative hin kamen erstmals schwerhörige und ertaubte Menschen zusammen, um die eigene, schwierige Lebenssituation selbsttätig zu verbessern – durch Teilhabe am Gottesdienst und den damit verbundenen seelischen Beistand sowie durch vielfältige gegenseitige Unterstützung im Alltag. In den Folgejahren entstanden in zahlreichen weiteren deutschen Städten örtliche Strukturen der Selbsthilfe sowie ein erster bundesweiter Verband.
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Höhen und Tiefpunkte deutscher Geschichte veränderten und prägten das Leben schwerhöriger Menschen und ebenso ihre Bewegung, die auch ein Spiegelbild dieser Geschichte ist. Einschneidende Veränderungen gab es zudem durch Entwicklungen in Hörtechnik, Medizin, Therapie und Pädagogik, durch die Etablierung von Hörgeräten und Hör-Implantaten und durch die Anerkennung der lange unterdrückten Gebärden-Sprache.
Ein gemeinsamer Bundesverband geplant
Mit dem Deutschen Schwerhörigen-Bund e. V. (DSB), der sich 1949 in der Tradition Margarethe von Witzlebens gründete, sowie mit der 1987 gegründeten Deutschen Cochlea- Implantat Gesellschaft e.V. (DCIG) entstanden zwei Bundesverbände, die sich vielfältig für die Belange ihrer schwerhörigen Mitglieder engagieren, und denen zahlreiche regionale und lokale Strukturen der Selbsthilfe angehören.
125 Jahre Schwerhörigen-Bewegung in Deutschland – Aktive der Schwerhörigen-Bewegung bei einem Treffen des Deutschen Hörverbandes (DHV) (Foto: DHV)
Für die kommenden Jahre planen die beiden Bundesverbände DSB und DCIG ihre Fusion in einem gemeinsamen, starken Bundesverband, dem Deutschen Hörverband (DHV), dem sich zudem möglichst alle Regional- und Landesverbände sowie alle weiteren Strukturen von DSB und DCIG anschließen sollen. Aktuell sind neben den Bundesverbänden von DSB und DCIG 15 Regional- und Landesverbände Mitglied im DHV.
Impulse durch Jubiläum
Das diesjährige Jubiläum soll zugleich wichtige Impulse für die zukünftige Selbsthilfe schwerhöriger Menschen geben, ihrer Lebenswirklichkeit und ihren Anliegen mehr denn je zu Sichtbarkeit verhelfen. Ein Veranstaltungs-Höhepunkt wird ein Aktionstag sein, der am 3. März, dem Welttag des Hörens, in Berlin stattfindet.
Weiteres Highlight ist eine Aktionswoche mit Selbsthilfetag, die vom 17. bis 20. September ebenfalls in Berlin stattfindet. Darüber hinaus laden DHV, DSB und DCIG alle Aktiven der Selbsthilfe ein, das Jubiläum mit lokalen und regionalen Aktionen zu begehen. Ob Info-Stände oder Vortrags-Veranstaltungen, kleine Ausstellungen und Workshops, Podiums-Gespräche oder Erzähl-Nachmittage mit Schulklassen – es gibt vielfältige Möglichkeiten, um das Jubiläum mit Leben zu füllen und es zugleich für Aufklärung und Dialog zu nutzen.
Informations-Papier und Bildmaterial
„Sowohl die lange und eindrucksvolle Geschichte von 125 Jahren als auch die Vitalität unserer heutigen Bewegung wollen wir gemeinsam feiern“, so Dr. Harald Seidler, Vorstands-Vorsitzender des Deutschen Hörverbandes. „Ob DSB und DCIG oder auch die junge Selbsthilfe mit Bundesjugend (BuJu) und Deaf Ohr Alive (DOA) – ganz viele Menschen jeden Alters sind heute Teil dieser großen Bewegung und engagieren sich vielfältig für die Belange schwerhöriger Menschen. Die Erlebnisse und Erfahrungen, die jeder einzelne von uns hat, sind ein Teil dieser Geschichte. Also lasst uns das Jubiläumsjahr nutzen, um davon zu berichten, um auf andere zuzugehen, Einblicke zu geben, aufzuklären und die wichtigen Anliegen schwerhöriger Menschen einmal mehr in die Öffentlichkeit zu tragen! Jeder, der uns hierbei unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen.“
Zur Ausgestaltung von Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr bietet der Deutsche Hörverband das Informations-Papier „Stationen der Geschichte: 125 Jahre Schwerhörigen-Bewegung in Deutschland“ sowie ergänzend auch Bildmaterial an – unter diesem Link.
Darüber hinaus bietet der DHV auch die Möglichkeit, Vorträge und Workshops zu 125 Jahren Schwerhörigen-Bewegung zu buchen. Anfragen bitte an info@hoerverband.de.