Seit 25 Jahren ist Satoshi Waki als Brillendesigner für bekannte Marken im In- und Ausland tätig. Vor einigen Jahren startete der Japaner mit der Marke Taylor with Respect als Designer und CEO ein neues Kapitel. Schwerpunkt ist die Ausgewogenheit der drei Elemente Qualität, Ästhetik und Komfort, gepaart mit großem Respekt vor handwerklichem Können.
Satoshi Waki holt sich für sein Design unter anderem Inspirationen aus der Mythologie, der Philosophie und der Natur – aber ebenso tragen Struktur und Funktionalität, die sich aus der praktischen Notwendigkeit eines Objekts ergeben, zu neuen Ideen bei (Bild: Taylor with Respect)
Satoshi Waki wird 1972 in Kobe geboren und wächst in Kakogawa Kakogawa auf, beides in der Präfektur Hyogo gelegen. Später macht er seinen B.A. in Kunsthandwerk und einen M.A. auf dem Kanazawa College of Art. Im Jahr 2000 startet er als Designer im Brillenbereich, entwirft für verschiedene Marken, ist in den Jahren aber auch in der Produktionsleitung und im Vertrieb für große Brillengeschäfte tätig.
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Heute werden seine Entwürfe auf Messen regelmäßig ausgezeichnet, sodass seine gesammelten Erfolge mittlerweile in einem Museum in der Präfektur Fukui gezeigt werden. Zum Glück gibt er sein Können und seine Erfahrung gerne weiter, als Gastprofessor an der Kyoto Seika University im Fachbereich Produkt-Kommunikation, speziell im Kurs Brillendesign.
Waki: Drei Elemente ausgewogen vereinen
Die Brillenmarke Taylor with Respect sei laut Waki für Menschen gedacht mit hohen Ansprüchen, die Freude haben am Tragen guter „Schneiderkunst“ (von engl.: taylor). Für den Designer bedeutet das, viel Wert auf Qualität, Funktion beziehungsweise Komfort und Ästhetik zu legen und diese Aspekte auf höchstem Niveau zu vereinen.
Wobei es wichtig sei, diese drei Elemente im Gleichgewicht zu halten, wie es beinahe typisch japanisch auf der Website heißt: „Wenn man auf Festigkeit setzt, geht die Ästhetik verloren. Wenn man auf Komfort setzt, geht die Festigkeit verloren. Wenn man auf Ästhetik setzt, geht der Komfort verloren. Wir stimmen diese drei Elemente auf hohem Niveau aufeinander ab und schaffen so überzeugende Brillen.“
Ein näherer Blick auf die Elemente zeigt, auf welche Details der Designer bei den Brillen achtet.
Stichwort Qualität:
Zum Beispiel die Titanbrücke: Das Rohr für eine Schraube wird normalerweise gelötet, aber hier ist das Rohr in das Brückenteil integriert und sorgt für die Langlebigkeit des Fassung.
Oder das Scharnier: Das Sparta-Scharnier wird anhand dreidimensionaler Daten hergestellt. Dadurch unterliege es weniger Abweichungen, sei beim Schneiden äußerst präzise und verhindere, dass die Bügelenden beim Halten der Fassung gegen diese stoßen.
Die Befestigungsschraube und die Endstücke werden in einem integrierten Formpressverfahren hergestellt, um Schäden durch langfristigen Gebrauch zu vermeiden. Dieses Verfahren verbessere die Präzision der Teile und sorge für mehr Festigkeit, und so können die Teile auch leichter ausgetauscht werden.
Stichwort Funktion / Komfort:
Die Marke nutzt den flexibel gebogenen S-Line-Bügel. Der nach innen gebogene Bügel verringere den Abstand zwischen dem Schläfenbereich und der Fassung, wodurch auch das raffinierte Design der Fassung zur Geltung komme.
Um die Passformprobleme von Kunststoff-Fassungen zu lösen, wurde die doppelte S-Linie für Bügel entwickelt. Diese und die T-förmigen Bügelenden machten die Kunststoff-Fassung flexibler und angenehmer zu tragen. Die doppelte S-Linie hat lange Bügelenden aus Acetat, wodurch die Fassung wie eine aus Vollkunststoff aussieht, und sie sei unverzichtbar für das Hybrid-Design, das die Vorteile von Metall und Kunststoff vereint.
Stichwort Ästhetik:
Für den Look setzt Satoshi Waki auf verschiedene Methoden der Oberflächen-Behandlung.
Farbverläufe werden von Hand hergestellt. Dies ist die schwierigste Technik und macht eine Massenproduktion unmöglich. Es sind langjährige Erfahrung und Fähigkeiten der Handwerker erforderlich.
Beim Stippling wird ein Muster mittels Laser unter Verwendung von Punkten in die Oberfläche eingraviert. Diese Methode sei haltbarer als der Druck. Laut Markenkommunikation: Das erste Experiment dieser Art in der Brillenindustrie.
Oder das Beispiel „Beschädigt“: Ein Edelmetall wird auf ein Edelmetall einer anderen Farbe aufgebracht und die Oberfläche wird durch eine spezielle Technik „beschädigt“. Die „beschädigten“ Farben bestehen aus zwei Schichten Metallplatten
Made in Japan
Die Kollektion umfasst 35 Modelle aus Titan und 20 Mix-Modelle aus Titan und Acetat. Müßig zu erwähnen, dass bei so viel Gewicht auf Handwerkskunst alle Teile der Fassungen in Japan hergestellt werden und dass man darauf bei Taylor with Respect sehr stolz ist. Gefertigt werden sie in der japanischen Optik-Hochburg Sabae. Die Stadt in der Präfektur Fukui ist weltweit bekannt in der Branche, in etwa jeder Sechste der 69.000 Einwohner ist in der Brillenindustrie tätig.
Bild: Taylor with Respect
Taylor with Respect mit seinen sorgfältig ausgewogenen und hochwertigen Brillenfassungen nutzt hier Fähigkeiten und Erfahrungen, die über Jahre in dieser Region gesammelt wurden. Und „wir sind auch stolz darauf, dass wir eine echte Partnerschaft mit anderen ‚Taylors‘ pflegen, die unsere ideale Vision für Brillen teilen“, freut sich Waki über diese weiteren Mitwirkenden an seiner Marke, die zu den Erfolgen beitragen.
Der Name ist Programm
Diese Wertschätzung wird auch deutlich nach außen getragen, zum Beispiel durch das Erwähnen aller (29!) Herstellungs-Partner mit Firmennamen auf der Website – die Fertigung dieser maßgeschneiderten Fassungen „könne nur durch die Zusammenarbeit aller ‚Taylors‘ und Spezialisten für die Brillenherstellung erreicht werden. Ihre zuverlässigen Fähigkeiten und Erfahrungen sowie ihre unermüdliche Neugierde in der Brillenherstellung gewährleisten die Qualität der Brillen, die wir uns vorstellen“. Mit diesem Hintergrund erklärt sich auch der Markenname: „Taylor with Respect wurde gewählt, um all den Menschen Respekt zu zollen, die zu unserer Marke beitragen“, sagt der CEO und Designer.
Doch die respektvollen Schneider um Satoshi Waki wollen sich nicht auf dem Status Quo des bisher Erreichten ausruhen: „Wir entwickeln unsere Marke weiter, indem wir die Auswahl der Materialien, die Struktur, die Größe, die Form, den Herstellungs-Prozess und die Passform von Brillenfassungen beobachten und verbessern.“ Eines bleibt dabei aber unangetastet: Mit jedem neuen Design gilt es wieder, die Elemente im Gleichgewicht zu halten.
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Interview mit Satoshi Waki
„Der Beitrag jedes einzelnen Partners ist unverzichtbar“
eyebizz: Herr Waki, wie sind Sie zum Design im Allgemeinen und zum Brillendesign im Besonderen gekommen?
Satoshi Waki: Ich habe ursprünglich Bildende Kunst studiert und als Künstler gearbeitet. Später entdeckte ich, dass sich eine der wichtigsten Regionen Japans für die Brillenproduktion in der Nähe meines Wohnortes befand, was mich dazu veranlasste, bei einem Brillenhersteller in Sabae zu arbeiten. Dort faszinierte mich die Brille als Produkt, das sowohl ein funktionales Werkzeug als auch ein Modeaccessoire ist. Diese Entdeckung war der Ausgangspunkt für meinen heutigen Weg.
Gibt es einen Designer oder Stil, der Sie nachhaltig beeinflusst oder geprägt hat?
Le Corbusier und Gustav Klimt.
Sie haben Brillen für eine Reihe von Marken entworfen. Ist Ihre eigene Marke nun die Essenz all dieser Jahre des Designs? Oder sind dies die Modelle, die den Stil von Satoshi Waki am besten repräsentieren?
Sie repräsentiert den Höhepunkt langjähriger Erfahrung, aber es gibt noch viel Raum für Wachstum.
Die drei Elemente Qualität, Funktionalität und Ästhetik sollten in Ihrem Design ausgewogen sein. Woran erkennen Sie, wann ein Modell ausgewogen ist?
Das erkenne ich an den Reaktionen und Bewertungen der Kunden, wenn sie die Brille tragen.
Was inspiriert Sie bei Ihrer Arbeit?
Mythologie, Philosophie und Natur, neben anderen Inspirationsquellen. Die Struktur und Funktionalität, die sich aus der praktischen Notwendigkeit des Objekts ergeben.
Sie legen großen Wert auf Respekt: Respekt gegenüber den Kunden, die die Brillen tragen werden, und gegenüber der Handwerkskunst der Mitarbeitenden, die sie herstellen. Warum ist es Ihnen so wichtig, dass dies im Markennamen zum Ausdruck kommt?
Um eine einzige Brillenfassung herzustellen, sind unzählige Arbeitsschritte und die Fähigkeiten vieler Handwerker erforderlich. Jeder Schritt und jeder Handwerker spielt eine wesentliche Rolle, und nur wenn alle zusammenkommen, kann ein Brillengestell wirklich Gestalt annehmen. Wir glauben, dass der tiefe Respekt vor diesen Handwerkern eines der wichtigsten Elemente bei der Herstellung wirklich guter Brillen ist.
Auf Ihrer Website erwähnen Sie alle Unternehmen, die bei der Herstellung mit Ihnen zusammenarbeiten. Ist es in Japan üblich, dies zu erwähnen? Oder ist es ein besonderes Zeichen der Wertschätzung für die außergewöhnliche Handwerkskunst dieser Partner?
Dies ist in Japan oder anderen Teilen Asiens keine gängige Geschäftspraxis. In der Vergangenheit neigten Unternehmen, die Marken auf den Markt brachten, dazu, solche Informationen geheim zu halten, da die Gefahr bestand, dass durchgesickerte Informationen ihren Wettbewerbsvorteil gefährden könnten.
Hohe Qualität und Handwerkskunst bei der Fertigung in Japan (Bild: Taylor with Respect)
Der Grund, warum ich mich dafür entschieden habe, die Namen unserer Produktionspartner zu nennen, ist, dass die Herstellung einer einzigen Brille nicht von einer Person allein bewältigt werden kann. Der Beitrag jedes einzelnen Partners ist unverzichtbar, und ich halte es für wichtig, diese Tatsache auch denen zu vermitteln, denen sie möglicherweise nicht bewusst ist. Diese Entscheidung entspringt meinem tiefen Respekt für ihr Handwerk und ihre Rolle in diesem Prozess.
Wie kam es dazu, dass Sie Gastprofessor an der Kyoto Seika University im Fachbereich Produkt-Kommunikation wurden? Was unterrichten Sie dort und was bedeutet Ihnen diese Lehrtätigkeit?
Ich begann zu unterrichten, nachdem ein Professor aus dem Fachbereich Produktdesign der Universität auf mich zugekommen ist und mir erklärte, dass Brillen alle wesentlichen Elemente des Produktdesigns umfassen – Ergonomie, Materialwissenschaft, Produktionsprozesse, Design und Ästhetik – und er sie daher in den Lehrplan aufnehmen wollte.
Ich unterrichte die Studenten in der Geschichte der Brillen, der Konzept-Entwicklung, Design, handwerkliche Herstellung von Brillenfassungen und den Ansätzen für den Markt. Infolgedessen sind talentierte junge Menschen aus anderen Regionen in die Brillenproduktions-Region Sabae in Japan gezogen und tragen dort zur Entwicklung der nächsten Generation der Branche bei.
Sie haben 2025 verschiedene Messen besucht, darunter die opti und die SILMO Paris. Wie waren Ihre Eindrücke, wie hat das Fachpublikum Ihre eigenen Designs aufgenommen?
Trotz der damals noch geringen Bekanntheit der Marke wurden unsere Produkte aufgrund ihrer raffinierten Verarbeitung, ihrer hervorragenden Balance beim Tragen und ihres Gesamt-Erscheinungsbildes sehr geschätzt. Außerdem konnten wir Verträge mit Distributoren, Vertretern und Einzelhändlern in mehreren Ländern abschließen.