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Rekrutierung-Methode Active Sourcing

Fachkräfte-Situation bei KMU

Der Fachkräfte-Mangel bleibt gerade für KMU ein großes Thema und verschärft sich in bestimmten Berufen sogar weiter. Damit kommen zusätzliche Rekrutierungs-Methoden in den Blick, wie Active Sourcing, das gezielte Ansprechen von Talenten.

Personal-Suche
Gutes Personal finden gleicht heutzutage der Suche nach dem Schatz – welche Strategien können helfen? (Bild: Pixabay / pexels)

KMU (kleine und mittlere Unternehmen) tragen den Großteil des Fachkräfte-Mangels – wie eine Studie des KOFA aus dem Juni deutlich macht. Die Situation ist in den einzelnen Bundesländern ganz unterschiedlich, auch welche Berufe besonders häufig gesucht werden.

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In Deutschland konnten im Jahresdurchschnitt rund 393.000 von insgesamt 1,1 Millionen offenen Stellen rechnerisch nicht besetzt werden. Davon entfielen 71,7 Prozent auf KMU. Damit liegt der größte Teil der Engpässe im Mittelstand. Die hohe Fachkräfte-Nachfrage von KMU hänge auch damit zusammen, dass sie den deutschen Arbeitsmarkt durch ihre große Zahl an Unternehmen und Beschäftigten maßgeblich prägen.

Wie stark KMU betroffen sind, hänge jedoch auch stark vom Standort ab. Bundesweit konnte rund ein Drittel der offenen Stellen in KMU rechnerisch nicht besetzt werden. In Bayern blieb etwa jede zweite offene Stelle in KMU unbesetzt, während es in Nordrhein-Westfalen rund ein Viertel war. In Berlin lag der Anteil sogar nur bei etwa jeder fünften Stelle. Dennoch ist auch in Bundesländern mit geringeren Engpässen die Stellen-Besetzung eine Herausforderung.

Für KMU bedeutet das: Der Fachkräfte-Mangel belastet KMU bundesweit, aber die Intensität unterscheidet sich. Da KMU überwiegend regional rekrutieren und zugleich meist an ihren Standort gebunden sind, wirken sich die regionalen Unterschiede unmittelbar auf ihre Stellen-Besetzung aus.

Unterschiede zwischen Stadtstaaten und ländlichen Bundesländern

In vielen ländlich geprägten Bundesländern entfällt der Großteil der offenen Stellen in Engpassberufen auf KMU. In Mecklenburg-Vorpommern sind es rund 79,9 Prozent, in Sachsen etwa 77,8 Prozent. KMU tragen dort die Hauptlast des Fachkräfte-Bedarfs.

In den Stadtstaaten ist die Situation anders. In Berlin und Hamburg liegt der Anteil der KMU-Stellen in Engpassberufen jeweils bei 54,2 Prozent. Gleichzeitig bedeutet das einen besonders starken Wettbewerb mit Groß-Unternehmen: Dort kommen in Engpassberufen nur etwa 1,2 KMU-Stellen auf eine Stelle in einem Groß-Unternehmen. Für KMU bedeutet das:

  • In ländlichen Bundesländern dominieren KMU die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt.
  • In den Stadtstaaten konkurrieren KMU deutlich stärker mit großen Unternehmen um Fachkräfte.

KMU fehlen vor allem beruflich qualifizierte Fachkräfte. Rund zwei Drittel aller Engpässe entfallen auf dieses Qualifikations-Niveau. Besonders stark betroffen sind Berufe in:

  • Produktion und Fertigung,
  • Handwerk,
  • Gesundheits- und Sozialberufen.

Zu den häufigsten Engpassberufen zählen unter anderem ausgebildete Bauelektriker, Kfz-Techniker und Altenpfleger. Diese Berufe gehören in vielen Bundesländern zu den größten Engpassberufen

Engpässe unterscheiden sich stark nach Bundesland und Beruf

Nicht nur die Stärke, sondern auch die Konzentration der Engpässe variiert. In Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen entfallen über 40 Prozent der Fachkräfte-Lücke in KMU auf die zehn größten Engpassberufe. In Bayern und Brandenburg liegt dieser Anteil nur bei gut einem Viertel. Das bedeutet:

  • In einigen Bundesländern konzentrieren sich die Engpässe auf wenige zentrale Berufe.
  • In anderen verteilt sich die Fachkräfte-Lücke auf viele verschiedene Berufe.

Auch fehlen nicht überall die gleichen Fachkräfte. Erzieherinnen gehören nur in 5 von 16 Bundesländern zu den Top-3-Engpassberufen, stellen dort aber jeweils den größten Engpass dar. In Berlin und Sachsen besteht in diesem Beruf hingegen rechnerisch kein Fachkräfte-Mangel. Für KMU zeigt sich: Die Herausforderungen unterscheiden sich nicht nur nach Bundesland, sondern auch nach konkreten Berufsprofilen.

Empfehlungen für KMU

KMU können verschiedene Ansätze nutzen, um den Fachkräfte-Engpässen zu begegnen:

  • Mit Employer Branding die Arbeitgeber-Attraktivität gezielt stärken, um sich im Wettbewerb um Fachkräfte besser und sichtbarer zu positionieren.
  • Weiterbildung systematisch einsetzen, um vorhandene Beschäftigte gezielt zu qualifizieren.
  • Ausbildung im eigenen Betrieb ausbauen, um langfristig Fachkräfte bedarfs-orientiert zu sichern und Engpässe in zentralen Berufsbereichen zu reduzieren.
  • Bestehende Beschäftigte nachhaltig binden, insbesondere in Bundesländern mit steigenden Engpässen.

Fachkräfte gezielt finden und ansprechen

Active Sourcing kann KMU helfen, passende Fachkräfte direkt zu erreichen, auch dann, wenn diese nicht aktiv auf Jobsuche sind. Damit der Einstieg gelingt, braucht es laut KOFA keine große Kampagne, sondern eine klare Zielgruppe, passende Kanäle und persönliche Kommunikation.

Active Sourcing ist die gezielte und aktive Ansprache von passenden Kandidatinnen und Kandidaten. Unternehmen suchen gezielt nach konkreten Anforderungs-Profilen und versuchen, durch eine direkte Ansprache Interesse bei geeigneten Fachkräften zu wecken, auch wenn sich diese bereits in einer Anstellung befinden. Active Sourcing kann über verschiedene Kanäle, online wie offline, erfolgen.

Der Vorteil von Active Sourcing sei laut KOFA, dass auch Kandidatinnen und Kandidaten erreicht werden, die nicht aktiv auf Jobsuche, aber mit den passenden Rahmen-Bedingungen offen für einen Jobwechsel sind. Das Erreichen dieser passiv Suchenden und Wechselwilligen ist insbesondere bei Fachkräften in Mangelberufen ein entscheidender Vorteil gegenüber klassischen Recruiting-Strategien. Durch die gezielte Auswahl geeigneter Kandidatinnen und Kandidaten kann zudem die Passung auf das Stellenprofil erhöht werden.

Ist Active Sourcing für Unternehmen sinnvoll?

Active Sourcing ist eine starke Strategie bei der Personalgewinnung. Die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland, die es nutzen, bewerteten es in einer repräsentativen Unternehmens-Befragung des KOFA als sehr erfolgreich. Erfolgreicher lassen sich Stellen aus Unternehmens-Sicht nur durch Mitarbeiter-Empfehlungen besetzen. Trotzdem werde Active Sourcing nur von gut 40 Prozent der Unternehmen genutzt.

Ob Active Sourcing sinnvoll ist, hängt nicht nur vom allgemeinen Fachkräfte-Bedarf ab, sondern vor allem davon, ob aktuelle Recruiting-Wege an Grenzen stoßen und ob im Unternehmen Ressourcen für eine aktive Ansprache vorhanden sind. Die Methode benötigt Zeit, Vorbereitung und kommunikatives Geschick. Profile müssen recherchiert, passende Kanäle ausgewählt und Kandidatinnen und Kandidaten individuell angesprochen werden.

Besonders geeignet sei Active Sourcing für schwer zu besetzende Positionen, spezialisierte Fachprofile, Engpassberufe oder Schlüssel-Positionen, bei denen passende Personen selten aktiv suchen. Entscheidend ist, ob die jeweilige Zielgruppe über geeignete direkte Ansprache-Wege erreichbar ist. Für Stellen, die über klassische Kanäle zuverlässig besetzt werden können, ist der zusätzliche Aufwand dagegen nicht immer erforderlich.

 

Quelle: KOFA / IW Köln

 

Die vollständige Studie über Fachkräfte und KMU enthält detaillierte Daten zu einzelnen Bundesländern, Berufen und Entwicklungen über die Zeit.

 

Das „Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung“ (KOFA) unterstützt kleine und mittlere Unternehmen (KMU) dabei, Fachkräfte zu finden, attraktive Arbeitgeber zu werden sowie mit qualifizierten Belegschaften wettbewerbsfähig zu bleiben. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln e. V. mit der Umsetzung, Durchführung und Fortentwicklung des Projektes Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung beauftragt.