Wie Augenoptiker unter Druck die richtige Bezahlung wählen
Der Schleifautomat funktioniert nicht mehr – und jetzt?
von Thorsten Boss,
Montagmorgen, der Schleifautomat macht keinen Mucks mehr. Die Reparatur lohnt sich vermutlich nicht. Der Händler hat ein Gerät auf Lager: 26.990 Euro netto. Das Problem scheint gelöst. Ist es aber nicht, zumindest nicht optimal. Wer unter Zeitdruck kauft, kauft selten optimal. Denn die richtige Frage lautet nicht „Woher nehme ich das Geld?“, sondern: „Welche Finanzierungsform passt am besten zu meiner Situation und was kostet mich diese wirklich?“
Wer unter Zeitdruck kauft, kauft selten optimal – lieber alle Optionen durchrechnen (Bild: Pixabay)
Das Geld liegt auf dem Konto – warum nicht einfach davon bezahlen?
Auf den ersten Blick die einfachste Lösung. Kein Kredit, keine Zinsen. Aber Eigenkapital hat einen Preis, nur erscheint der auf keiner Rechnung. Aber: Wer 26.990 Euro für acht Jahre auf einem Festgeldkonto oder in einem Geldmarktfonds zu drei Prozent Zinsen anlegt, hat am Ende rund 7.200 Euro mehr. Steckt das Geld hingegen im Gerät, ist dieser Ertrag weg, vielmehr er ist nie entstanden. Das ist der Preis des Eigenkapitaleinsatzes.
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Beim Einzelunternehmer gibt es nur einen Topf. Betriebs- und Privatvermögen sind rechtlich nicht getrennt. Wer gleichzeitig betrieblich investiert und privat finanziert – den Kapitalbedarf fürs Eigenheim, die monatliche Altersvorsorge – belastet dieselbe Liquidität und dieselbe Bonität. Wer das nicht berücksichtigt, plant an der Realität vorbei. All das summiert sich, oft unbemerkt, bis der nächste Investitionsbedarf kommt.
Kredit:
Laufzeit zur Nutzungsdauer passend wählen
Ein Bankkredit über 26.990 Euro bei sechs Prozent Zinssatz kostet bei acht Jahren Laufzeit monatlich ungefähr 355 Euro. Wer die Laufzeit auf sechs Jahre verkürzt, zahlt 447 Euro – also 92 Euro mehr pro Monat. Kürzere Laufzeit bedeutet also vor allem höhere Pflichtrate, nicht weniger Belastung. Der bewährte Grundsatz: Langfristige Nutzung, langfristige Finanzierung. Ein Schleifautomat läuft acht Jahre. Acht Jahre Kreditlaufzeit ist die richtige Antwort darauf.
Wer zusätzlich eine Sondertilgungsmöglichkeit vertraglich vereinbart, behält Flexibilität in beide Richtungen: Läuft der Betrieb gut, kann die Restschuld (nach sechs Jahren sind es noch rund 8.000 Euro) mit einer Einmalzahlung abgelöst werden. Läuft es schlechter, bleibt die niedrige Pflichtrate. Diese Option kostet nichts, wenn sie von Anfang an im Vertrag steht.
Mietkauf:
Eigentum sofort – aber die Umsatzsteuer auch
Mietkauf ist wirtschaftlich ein Kredit. Der Unterschied: Das Gerät geht sofort mit der ersten Rate ins Eigentum des Käufers über; nicht erst am Laufzeitende. Was dabei leicht übersehen wird: Mit dem Eigentumsübertrag wird die Umsatzsteuer auf den gesamten Kaufpreis sofort fällig – bei 26.990 Euro netto sind das 5.128 Euro mit der ersten Zahlung. Es ist zwar möglich, diesen Betrag als Vorsteuer zurückzuholen, aber die Liquidität fehlt bis dahin. Die monatliche Rate wirkt auf den ersten Blick günstiger als sie ist, weil dieser Block separat erscheint.
Wird ein Teil des Kaufpreises ans Laufzeitende verschoben, zum Beispiel zehn Prozent als Restwert, spricht man auch von einem Ballonkredit. Die monatliche Rate sinkt, dafür wird am Ende eine größere Zahlung fällig. Diese ist kein optionaler Aufschlag, sondern vertraglich fixiert und von Anfang an einzuplanen.
Praxistipp
Der Zinsanteil der monatlichen Rate wird von vielen Anbietern nicht sauber ausgewiesen. Doch nur der Zinsanteil ist steuerlich als Betriebsausgabe absetzbar. Fordern Sie die Aufschlüsselung in Tilgung und Zins schriftlich an, vor Vertragsabschluss.
Leasing:
Nutzung ohne Eigentum
Leasing ist keine Finanzierung, es ist eine Nutzungsüberlassung. Der Leasinggeber bleibt Eigentümer, der Leasingnehmer zahlt für die Nutzung. Am Ende der Laufzeit geht das Gerät zurück. Kein Restwert, kein Eigentumsübertrag, kein Vermögensaufbau.
Das hat einen steuerlichen Vorteil: Die monatlichen Raten sind vollständig als Betriebsausgaben absetzbar, weil das Gerät nicht als Eigentum aktiviert wird. Für Betriebe, die regelmäßig auf aktuelles Gerät wechseln wollen, kann das sinnvoll sein. Für Betriebe, die langfristig mit demselben Gerät arbeiten, ist Leasing auf Dauer die teuerste Variante: Sie zahlen dauerhaft, ohne je Vermögen aufzubauen.
Creditreform:
Was steckt dahinter – und was kann ich tun?
Creditreform ist Deutschlands älteste Wirtschaftsauskunftei. Sie bewertet die Bonität von Unternehmen auf einem Bonitätsindex von 100 bis 600 – je niedriger, desto besser. Banken, Lieferanten und Leasinggesellschaften nutzen diese Bewertung bei jeder Kreditentscheidung und bei der Vergabe von Zahlungszielen.
Die Daten kommen aus öffentlichen Registern: Handelsregister, Insolvenzregister, Mahnbescheide, sowie aus Zahlungserfahrungen der Mitgliedsunternehmen. Lieferanten melden, wer nicht oder nicht pünktlich zahlt. Für Einzelunternehmer gilt: Betriebliche und private Bonität fließen ineinander. Eine private Zahlungsstörung trifft den Betrieb.
Der stärkste Hebel ist pünktliches Zahlen – jede verspätete Zahlung hinterlässt eine Spur. Mehrere gleichzeitige Kreditanfragen bei verschiedenen Banken können den Score kurzfristig belasten, weil jede Anfrage registriert wird. Ein schlechter Score hat direkte Konsequenzen: Wer statt sechs Prozent einen Zinssatz von sieben Prozent zahlt, zahlt bei diesem Kredit über fünf Jahre rund 760 Euro mehr – ohne jede Gegenleistung.
Praxistipp
Einmal pro Jahr hat jeder Unternehmer das Recht auf eine kostenfreie Eigenauskunft bei Creditreform. Fehlerhafte Einträge, erledigte Forderungen oder veraltete Adressen sind häufiger als man denkt. Wer einen Fehler findet, kann schriftlich Korrektur verlangen. Das kostet nichts und kann bei der nächsten Kreditverhandlung den Zinssatz maßgeblich beeinflussen.
Sieben „Takeaways“
Eigenkapital ist nicht kostenlos. 7.200 Euro entgangene Erträge über acht Jahre sind real, auch wenn sie auf keiner Rechnung stehen.
Beim Einzelunternehmer gibt es nur einen Topf. Auto, Haus, Altersvorsorge und Betriebsinvestition belasten dieselbe Kasse und dieselbe Bonität gleichzeitig.
Laufzeit zur Nutzungsdauer passend wählen – mit Sondertilgungsoption. Acht Jahre Laufzeit bei acht Jahren Gerät. Keine sechs Jahre, weil es kürzer klingt.
Beim Mietkauf sofort 5.128 Euro Umsatzsteuer einplanen. Die monatliche Rate wirkt günstiger als sie ist.
Leasing ist Mieten – Kauf und Mietkauf sind Vermögensaufbau. Wer dauerhaft least, zahlt dauerhaft, ohne Gegenwert.
Das Gerät rechnet sich ab 22 Brillen pro Monat, aber nur im Vergleich zum Vollservice. Wer Fernrandung nutzt, braucht andere Argumente.
Creditreform einmal im Jahr kostenfrei prüfen. Fehlerhafte Einträge kosten Geld. Auskunft anfordern, Fehler korrigieren lassen.
Was der Schleifautomat kosten wird – und was er verdienen muss
Die AfA (Absetzung für Abnutzung) verteilt den Kaufpreis steuerlich über die Nutzungsdauer. Bei 26.990 Euro und acht Jahren: ungefähr 281 Euro pro Monat. Dieser Betrag läuft, ob das Gerät arbeitet oder steht.
Die monatliche Mindestkostenbelastung des eigenen Geräts:
AfA (281 EUR) + Wartung (ca. 67 EUR) + Energie (ca. 30 EUR) = rund 378 Euro Fixkosten pro Monat
Hinzu kommen variable Kosten pro Glas: Arbeitszeit, Energie, Wartung und Verbrauchsmaterial, geschätzt rund 1,50 Euro pro Glas.
Wer heute einen Vollservice-Einschleifbetrieb nutzt, zahlt rund 10,10 Euro pro Glas – fertig montiert. Beim Wechsel auf das eigene Gerät entfällt dieser Preis, dafür fallen Fixkosten und variable Kosten an. Die unten stehende Übersicht zeigt, ab welchem Volumen das eigene Gerät wirtschaftlich ist.
Quelle: Thorsten Boss
Wer die Fernrandung nutzt, zahlt durchschnittlich rund 1,00 Euro pro Glas – montiert aber selbst. Die eigenen variablen Kosten des Schleifautomaten liegen im Vergleich mit 1,50 Euro pro Glas bereits darüber. Ein rein kostenbasierter Break-even ist hier rechnerisch nicht erreichbar. Die Entscheidung für das eigene Gerät liegt in diesem Fall woanders: kürzere Lieferzeit, direktere Qualitätskontrolle, weniger Abhängigkeit von externen Partnern. Das sind legitime Gründe, aber sie sollten bewusst benannt und individuell entschieden werden.
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Artikel aus der eyebizz 4.2026 (Juli/August)
Thorsten Boss ist Strategieberater und hat die in diesem Artikel verwendeten Zahlen und Berechnungen bewusst vereinfacht. Sie dienen ausschließlich der betriebswirtschaftlichen Veranschaulichung. Sie stellen keine Steuer-, Rechts- oder Finanzberatung dar und begründen keine Haftung. Jeder Betrieb ist anders: Zinssätze, Steuersätze, Laufzeiten und Förderbedingungen variieren individuell. Bevor Sie eine Investitions- oder Finanzierungsentscheidung treffen, sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater und Ihrer Hausbank.