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Interview: Optik Horn nutzt Rodenstock-Tool

Experience Wall: Blickfang, Beratung, Entscheidungs-Hilfe

Die Künstliche Intelligenz „Claude“ schätzt, dass „je näher ein Tool an ein Selbst-Erleben herankommt (echte Brille aufsetzen, eigenes Gesicht als Avatar), desto überzeugender wirkt es vermutlich auf Kunden und Kundinnen – reine Bildschirm-Visualisierung wirkt eher unterstützend als entscheidend.“ 

Rodenstock Experience Wall Optik Horn Würzburg Beratung
Mit der Experience Wall finden weite Teile des Beratungsgespräch vermutlich fortan im Stehen statt.

Um an diese Einschätzung durch die KI zu gelangen, musste sie zunächst gefüttert werden mit unterschiedlichen Lösungen am Markt, die in diesem EXTRA vorgestellt werden. Sie alle verfolgen ähnliche Ziele, letztlich immer den Verkauf. Nicht alle setzen auf Emotionalität, die einen zielen mehr auf strukturierte Beratung, andere auf haptische oder gar körperlich zugängliche Informationen. Viele sind niedrigschwellig und schnell einsetzbar, erzeugen aber vermutlich weniger „Wow-Effekt“ als eine VR-Brille oder ein 3D-Avatar.

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Auch Rodenstocks „Lift & Learn Wall“ dürfte nicht unbedingt beim einzelnen Aha-Erlebnis besonders stark sein, sondern vielmehr bei Vertrauensaufbau und Verständlichkeit. Das haptische Element (Brillenglas physisch aufsetzen) gepaart mit der großen, gut sichtbaren Visualisierung eignet sich besonders für Kunden, die erklärt bekommen wollen, warum ein Premiumglas den Aufpreis wert ist. Bildschirm und Wand wirken zudem als Eyecatcher im Geschäft, was gerade bei Erstbesuchen oder Laufkundschaft die Wahrnehmung verstärken sollte, dass hier professionell beraten wird.

Während zum Beispiel Eyecast von EssilorLuxottica als ein reines Software-/ Bildschirmtool daherkommt, also niedrigschwelliger, aber auch mit weniger „Schaufenster-Wirkung“ im Verkaufsraum, bietet die Wand mit RFID-Gläsern eher ein Erlebnis. Rodenstocks Wand ist die einzige Lösung mit physischer RFID-Glas-Interaktion – die anderen setzen stärker auf App, Kamera oder AR- bzw. VR-Brille. Oder wie Eyecast auf einen großen im Beratungstisch eingelassenen Bildschirm mit dem Ziel der Produktberatung direkt im Verkaufsgespräch.

Kunden sind auch auf Erlebnis aus

Was da besser funktioniert, kommt wohl auch auf den Anwender an. Aus der Sicht des Kunden, der auch auf Erlebnis aus ist, könnte die Experience Wall aus München zumindest Eindruck erhaschen. eyebizz hat sich die Möglichkeiten einmal angesehen, wie Rodenstock eine der größten Herausforderungen im Verkaufsgespräch zu beantworten versucht. Die Aufgabe: Zum Beispiel komplexe Gleitsichtgläser in wenigen Sätzen erklären, ohne den Kunden oder die Kundin mit Fachbegriffen zu überfordern. Im Zentrum des digitalen Beratungssystems steht mit einer auffallenden physischen Präsenz im Verkaufsraum die interaktive Wand: die Experience Wall.

Sie soll den Effekt eines Brillenglases unmittelbar sichtbar machen. Zwölf thematisch angeordnete Brillengläser stehen für unterschiedliche Technologien und Funktionsweisen zur Verfügung. Nimmt der Berater eines aus der Halterung und setzt es in die freie, sensorbestückte Fassung an der Wand, erkennt ein RFID-Reader das Glas automatisch und startet auf dem großformatigen Touchscreen die passende Visualisierung. Das macht für die meisten schon einmal mehr her als Mustergläser oder Broschüren.

Rodenstock Experience Wall Optik Horn Würzburg Beispiel
Eines der Ziele bei der „Wand-Beratung“ ist es, der Kundschaft unmittelbar zu vermitteln, wie sich Nah-, Zwischen- und Fernsicht bei unterschiedlichen Glastypen unterscheiden.

Ziel dabei ist es, der Kundschaft unmittelbar zu vermitteln, wie sich zum Beispiel Nah-, Zwischen- und Fernsicht bei unterschiedlichen Glastypen unterscheiden. Die Glaseffekte lassen sich über Schieberegler auf dem Bildschirm im direkten Vergleich gegenüberstellen, im Hauptmenü finden sich die verschiedenen Sehbereiche und Brillenglas-Technologien. Auch weitere Produktmerkmale können eingeblendet werden.

Gewohnter Ablauf

Der Ablauf orientiert sich laut Rodenstock am gewohnten Beratungsgespräch, ergänze ihn aber um eine visuelle Ebene. Außerdem werden die meisten Beratungsgespräche zu großen Teilen im Stehen zu absolvieren sein: Startet die Darstellung auf dem Touchscreen, können Kunde oder Kundin gemeinsam mit dem Berater die wichtigsten Funktionen der Brillengläser erkunden. Hierfür ist der Vergleichsmodus besonders hilfreich.

Von der Visualisierung und Erklärung unterschiedlicher Technologien einmal abgesehen, punktet die Wand auch in anderer Hinsicht. Natürlich ist sie ein Blickfang und wertet die Ladengestaltung in der Regel auf. Zumal in einem Umfeld, in dem sich Fachgeschäfte zunehmend über das Einkaufserlebnis differenzieren müssen. Hinzu kommt ein Argument, das im Alltag oft unterschätzt wird: die Standardisierung der Beratung. Mit einer klaren Storyline kann jeder Mitarbeitende im Team das Seherlebnis in vergleichbarer Qualität erklären, unabhängig von seiner individuellen Erfahrung oder Verkaufsroutine. Und nicht zuletzt lässt sich der Bildschirm auch außerhalb der Beratung nutzen, etwa um zusätzliche Inhalte für die Ladenkommunikation abzuspielen und die Sichtbarkeit im Geschäft zu erhöhen, wie Alexander Horn als Rodenstock-Kunde im nachfolgenden Interview erklärt.

Technisch besteht die Lösung aus einem Touchscreen in 43, 55 oder 65 Zoll inklusive Wandhalterung und einem Mini-Rechner, der unsichtbar hinter dem Bildschirm verbaut ist. Hinzu kommt der RFID-Reader mit der Leiste für die zwölf Demonstrationsgläser. Auch eine Wandverkleidung aus MDF mit einem beleuchteten Schriftzug ist möglich, so dass die Wand als Ganzes in das Ladenbild integriert werden kann.

 


Kunden bei Optik Horn schätzen das visuelle Beratungserlebnis

Interaktive und emotionalisierte Glasberatung

Alexander Horn hat die „B.I.G. Vision Lift & Learn Wall“ bereits in sein Geschäft in Würzburg integriert. eyebizz hat das Rodenstock-Testimonial gesprochen, um herauszufinden, wie sich die Wand in der Praxis bewährt. Denn klar ist, alleine schafft sie keine fachliche Beratung, sie unterstützt, aber ersetzt nicht.

Rodenstock Experience Wall bei Optik Horn in Würzburg - Alexander Horn
Für Alexander Horn und sein Team in Würzburg ist die Wand eine Unterstützung, für die Kundschaft von Optik Horn ist sie ein Erlebnis.

eyebizz: Herr Horn, wo ist die Experience Wall in Ihrem Geschäft in Würzburg untergebracht?

Alexander Horn: Das Lift & Learn System von Roden-stock ist zentral im Geschäft, direkt gegenüber unserer Theke untergebracht.

Fragen Kunden danach? Wie ist das Feedback der Kunden?

Für uns stellt das System eine Premium-Shop-Experience dar, also ein hochmodernes, interaktives Beratungstool, das uns unterstützt, Kunden den Nutzen eines Brillenglases zu veranschaulichen. Es macht die Sehbereiche für unsere Kunden visuell erlebbar und zeigt schnell und verständlich die Produktvorteile auf. Unsere Kunden sind davon begeistert, denn statt einer klassischen Kundenberatung, die meist verbal ausgerichtet ist, bekommen sie bei uns ein innovatives, visuelles Kundenerlebnis.

Sie glauben also, dass die Wall zu einem Einkaufserlebnis beiträgt?

In jedem Fall! Das Lift & Learn System ist interaktiv und emotionalisiert die Glasberatung. In einer konkreten Beratungssituation setzt man eines der Demogläser aus der Leiste ein, so dass der Vorteil des jeweiligen Glases sofort visuell erlebbar wird. Über den Touchscreen kann ein Regler verschoben werden, der im direkten Vergleich visualisiert, wie man mit und ohne ein bestimmtes Glas sieht. Das ist für unsere Kunden viel intuitiver und verständlicher als über rein verbale Kommunikation mit statischen Bildern zur Erklärung.

Wie hat sich Ihre Beratung mit der Nutzung der Wand verändert?

Durch den Einsatz der Wall ist unsere Glasberatung effizienter und zeitsparender geworden. Statt einer rein technischen Beratung, was ein konkretes Glas leisten kann, ermöglicht sie ein visuelles Beratungserlebnis für unsere Kunden, das für sie leicht verständlich ist. Dadurch sind unsere Kunden wesentlich entscheidungsfreudiger.

Also kommt die Wand immer zum Einsatz oder nur in bestimmten Fällen?

Wir versuchen die Beratungs-Wall so häufig wie möglich zu benutzen, denn Bilder bleiben stärker in Erinnerung als das gesprochene Wort. Dadurch ist dem Kunden alles plausibler erklärbar.

Wie integrieren Sie die Wand in Ihren Beratungs- und Verkaufsprozess?

Sie kommt meist nach erfolgter Refraktion und Fassungsberatung zum Einsatz.

Hat sich Ihr Umsatz verändert, verkaufen Sie hochwertiger durch diese Art der Beratung?

Das Lift & Learn-System unterstützt uns enorm, sowohl qualitativ als auch quantitativ beim höherwertigen Verkauf.

Können Kunden die Wand auch alleine nutzen?

Für uns ist das Beratungsgespräch der Schlüssel zum Erfolg, weshalb wir die Experience Wall immer gemeinsam mit unseren Kunden nutzen. Im Ruhezustand lassen wir jedoch individuelle Filme über den Screen laufen, die unsere Kunden für bestimmte Themen sensibilisieren und informieren. Zudem verkürzt es ihnen so manchmal kurze Wartezeiten.

Ist das aber in Summe eher eine Hilfe für Ihre Mitarbeitenden oder für die Kunden?

Es unterstützt uns beide. Mein Team und mich bei der Beratung und unsere Kunden durch ein interaktives, modernes Einkaufserlebnis, das letztlich die Entscheidungsfreudigkeit bei ihnen weckt.

Wann stößt die Wand an ihre Grenzen, was müssen Sie Ihren Kunden nach wie vor anders erklären?

Bei seltenen Fehlsichtigkeiten und wirklichen Sonderfällen, die die Sehversorgung angeht, müssen wir natürlich anders beraten.


/// Text und Interview: Ingo Rütten

 

Fotos: Rodenstock, Optik Horn

 

Artikel aus der eyebizz 5.2026 (September/Oktober)