Die Ergebnisse 2025 des Vereins EinDollarBrille (Erlangen) zeigen, wie die Organisation die Herausforderung der „Letzten Meile“ in der Augengesundheit schließt: mit lokalen Teams, mobilen Augencamps, Ausbildung, Weiterentwicklung digitaler Tools und enger Zusammenarbeit mit staatlichen Partnern.
EinDollarBrille ist weltweit tätig, auch in Nepal (Bild: GoodVision Nepal / Antje Christ)
Zum World Sight Day im vergangenen Jahr wird der Marktplatz von Koudougou in Burkina Faso zur Bühne. Ein Theaterforum zeigt mit Humor und Einfühlungsvermögen, was Augen-Erkrankungen im Alltag bedeuten und welche Stigmatisierung daraus entstehen kann. Und es bleibt nicht bei Applaus: Am nächsten Tag kommen zahlreiche Menschen zum Sehtest – viele davon zum ersten Mal in ihrem Leben. „In dem Moment, in dem jemand merkt, „Ich muss mich nicht länger schämen. Ich kann Hilfe bekommen. Und es gibt einen Weg“, beginnt die Arbeit der EinDollarbrille“, so der Verein in seinem aktuellen Jahresbericht.
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2025 wurden in elf Programmländern rund 272.000 Menschen mit Brillen versorgt. Etwa 755.000 Menschen profitierten von kostenlosen Sehtests, knapp 7.000 Menschen wurden durch Unterstützung bei Katarakt-Operationen vor dem Erblinden bewahrt. Gleichzeitig erreichte die EinDollarBrille einen Meilenstein: die millionste Brille seit Gründung.
Auch organisatorisch stellt sich die EinDollarBrille breiter auf: Mit der Gründung von GoodVision France und EinDollarBrille Österreich erhöht die Organisation ihren internationalen Bekanntheitsgrad und stärkt das Fundament ihrer Arbeit.
EinDollarBrille: Teil nationaler Gesundheits-Systeme
Was 2025 besonders macht: Die EinDollarBrille wächst nicht nur in Reichweite, sondern auch in institutioneller Tragfähigkeit. Die Organisation arbeitet eng mit Gesundheits-Behörden zusammen, zunehmend mit Gesundheits-Ministerien, um nationale Augenversorgungs-Systeme zu stärken.
In Afrika zeigen sich dafür starke Signale: Burkina Faso hat das einjährige Ausbildungs-Programm zum „GoodVision Technician“ offiziell anerkannt und in sein nationales Bildungssystem integriert. Und GoodVision Malawi ist die erste und bislang einzige Nichtregierungs-Organisation, die vom Medical Council of Malawi zertifiziert wurde.
Parallel wird Versorgung dort verankert, wo Wege weit und Fachkräfte selten sind: In Burkina Faso und Liberia bildet die lokale Organisation Krankenpfleger aus, in abgelegenen Gesundheits-Zentren Sehtests vorzunehmen und Brillen anzupassen.
Eine Million Brillen, eine Million Geschichten
Hinter den beeindruckenden Zahlen und Meilensteinen stehen vor allem unzählige persönliche Wendepunkte. Gründer Martin Aufmuth beschreibt einen Moment, der diese Dimension greifbar macht: Als ein älterer Mann plötzlich klar sehen konnte, „fingen seine Augen an zu leuchten, er sah seine eigene Hütte, die seines Nachbarn – es war, als würde sich die Welt für ihn neu öffnen“.
Diese Wirkung zeigt sich auch in den Programmen:
São Paulo (Brasilien): In Zusammenarbeit mit der Stadt wurde ein groß angelegtes Schulprogramm abgeschlossen: Mehr als 230.000 Kinder an 567 Schulen erhielten eine vollständige Augenuntersuchung, über 49.000 Brillen wurden ausgegeben.
Indien: Beim Maha Kumbh Mela gab GoodVision India im Rahmen eines Sozialprogramms der Regierung etwa 30.000 Brillen an Bedürftige aus.
Nepal: Ein junges Team bringt Sehtests und Brillen dorthin, wo sonst niemand hinkomme, egal wie beschwerlich der Weg sei.
Bolivien: Im letzten Jahr wurden 14.416 Brillen ausgegeben und 28.756 Sehtests durchgeführt. Gleichzeitig zeigt das Land, wie EinDollarBrille regional skaliert: Von Santa Cruz aus gehen heute sorgfältig geprüfte Lieferungen auch nach Kolumbien, Peru, Paraguay und Brasilien – Bolivien ist damit ein zentraler Knotenpunkt für die Versorgung in Lateinamerika.
Innovation, die Entfernungen überwindet
Um Qualität auch in entlegenen Regionen zu stärken, wird Telerefraktion Bestandteil der GoodVision App: Sie ermöglicht fachliche Unterstützung durch Optometristen aus Ballungszentren und verbessert Diagnostik und Versorgung in abgelegenen Regionen. Zudem geht der VALY (Vision Adjusted Life Years) in die Umsetzungs-Phase – eine von der EinDollarBrille entwickelte Kennzahl, die zeigt, wie stark sich das Sehen durch die Versorgung verbessert und wie lange dieser Effekt anhält.
„Wir haben noch nie so vielen Menschen Zugang zu einer augenoptischen Grundversorgung verschafft wie 2025, gerade in sehr abgelegenen Regionen”, kommentiert Gründer Martin Aufmuth. „Vor allem aber sehen wir, wie wir mit unserer Arbeit das Angebot von Gesundheits-Systemen verbessern können. Das erzielt eine Wirkung, von der zukünftig noch sehr viel mehr Menschen profitieren werden.”
Der Jahresbericht 2025 des EinDollarBrille e.V. steht hier zum Download zur Verfügung (unter „Jahresberichte”).