Der Tag der Optometrie von IVBS, VDCO und ZVA fand in diesem Jahr am 11. Oktober in Berlin statt und bildete erneut den Abschluss der Sicht.Kontakte, die von Freitag bis Sonntag bis zu 600 Teilnehmer in die Hauptstadt lockte.
Tag der Optometrie 2026: (von links) Stephan Hirschfeld (Vorsitzender VDCO), Beate Göpel (IVBS-Präsidentin) und Kai Jaeger (ZVA-Präsident) eröffnen den diesjährigen Tag der Optometrie in Berlin (Bild: ZVA / Peter Magner)
Am Sonntag erwartete die Besucher ein vielseitiges Vortragsprogramm, das aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, innovative Versorgungs-Ansätze und praxisrelevante Fragestellungen aus Augenoptik und Optometrie miteinander verband. Im Mittelpunkt standen unter anderem das Myopie-Management, Screening und Versorgung von Kinderaugen, moderne Intraokularlinsen sowie der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der optometrischen Praxis.
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Versorgung von Kinderaugen
Nach der Begrüßung durch ZVA-Präsident Kai Jaeger stellte Moderator Maarten Hobé den ersten Referenten des Tages vor. Dr. Fabian Conrad, Mitbegründer von nthalmic Technologies in Sydney und Dozent an der University of New South Wales, ordnete in einem Vortrag unter dem Titel „Myopie-Management 2026 – Stand der Wissenschaft: Evidenz, Effektstärken und kritischer Blick auf die Studienlage“ die etablierten Interventionsklassen – Brillengläser, weiche Kontaktlinsen, Ortho-K und Atropin sowie Rotlicht – nach aktueller Datenlage ein und betrachtete Dauerhaftigkeit, Rebound und Cessation differenziert. Ein methodischer Fokus zeigte, wie Superiority- versus Non-Inferiority-Designs und die Wahl der Kontrollgruppe die Effektzahlen prägen.
Anschließend widmete sich Johanna Reckzeh der optometrischen Versorgung von Kinderaugen in Deutschland. Auf Basis einer bundesweiten Befragung beleuchtete die Augenoptikerin mit Masterabschluss in Augenoptik/Optometrie, wie Eltern und Beschäftigte in augenoptischen Betrieben die Versorgung von Kindern einschätzen. Dabei ging sie insbesondere auf Unterschiede zwischen der elterlichen Wahrnehmung und der tatsächlichen Versorgungspraxis sowie auf die Bekanntheit der Berufsbilder Augenoptiker und Optometrist ein.
Bernhard Peuckert zeigt anhand des Projekts „Besser Sehen – Besser Starten“, wie eine interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Kinderoptometrie gelingen kann (Bild: ZVA / Peter Magner)
Wie interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Kinderoptometrie gelingen kann, zeigte Bernhard Peuckert anhand des Projekts „Besser Sehen – Besser Starten“. Aufbauend auf den Erfahrungen eines seit 2017 bestehenden frühkindlichen Seh-Screenings im Landkreis Gifhorn, bei dem Daten von rund 11.000 Kindern erhoben wurden, stellte er die Weiterentwicklung des Versorgungskonzepts vor. Im Mittelpunkt steht dabei die stärkere Vernetzung und Kommunikation aller an der visuellen Entwicklung von Kindern beteiligten Berufsgruppen. Bernhard Peuckert ist M.Sc. Augenoptik/ Optometrie und seit 2019 bei Niemand Optik in Berlin für die Bereiche Optometrie und Kinderoptometrie verantwortlich.
Sehen im Alter
Nach der Kaffeepause rückten die Versorgung älterer Menschen, die Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz und die wissenschaftliche Bewertung prismatischer Korrektionen in den Fokus.
Den Auftakt zum zweiten Vortragsblock machte Prof. Wolfgang Sickenberger mit seinem Beitrag „Sehen im Alter – Möglichkeiten und Grenzen der Presbyopie-Versorgung mittels Intraokularlinsen (IOL)“. Der Professor für Optometrie und Physiologische Optik an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena erläuterte physiologische Veränderungen des Sehens im Alter und stellte aktuelle Möglichkeiten der Presbyopie-Korrektion vor. Besonderes Augenmerk galt modernen Intraokularlinsen und der Bewertung ihrer visuellen Leistungs-Parameter anhand wissenschaftlicher Studien.
Mit dem „KI-gestützten Management von Refraktionsfehlern“ beschäftigte sich anschließend Prof. Dr. Werner Eisenbarth. Sein Vortrag beleuchtete, wie Künstliche Intelligenz bei der Erkennung, Überwachung und Versorgung von Refraktionsfehlern eingesetzt werden kann. Anhand aktueller Studien zeigte er Möglichkeiten bildbasierter Vorhersagemodelle, automatisierter Screening-Verfahren und individualisierter Therapieplanung auf, ordnete zugleich aber auch die Grenzen der bisherigen wissenschaftlichen Evidenz ein. Werner Eisenbarth ist Professor für Physiologie des Sehens an der Hochschule München, wo er den Studiengang Augenoptik/Optometrie leitet.
Zum Abschluss der Vortragsreihe präsentierten Lennart Degen und Nils Frohn ihre Untersuchung zu den Auswirkungen MKH-basierter prismatischer Korrektionen auf visuelle Leistungsparameter. Die Internationale Vereinigung für Binokularsehen (IVBS) entwickelte das Projekt zum objektiven Beweis des Nutzens von Maßnahmen zur Verbesserung von binokularen Sehfunktionen und führt es weiter. Im Mittelpunkt standen die möglichen Einflüsse prismatischer Korrektionen auf Stereosehschärfe, Konvergenz-Nahpunkt, AC/A-Gradient und Akkommodations-Genauigkeit.
Ziel der Untersuchung ist es, anhand wiederholter Messungen und statistischer Auswertungen die Wirkung prismatischer Korrektionen objektiv zu bewerten und damit zur wissenschaftlichen Einordnung der Mess- und Korrektions-Methodik nach H. J. Haase (MKH) beizutragen. Beide Referenten studieren beziehungsweise studierten Augenoptik/Optische Gerätetechnik an der Technischen Hochschule Brandenburg.
Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit
„Der Tag der Optometrie bot neben fundierten wissenschaftlichen Vorträgen erneut Gelegenheit zum fachlichen Austausch zwischen Augenoptik, Optometrie und angrenzenden Disziplinen. Die Themen verdeutlichten, wie vielfältig sich die optometrische Versorgung weiterentwickelt – von der frühzeitigen Erkennung visueller Auffälligkeiten über individualisierte Korrektions-Möglichkeiten bis hin zu datenbasierten und KI-gestützten Verfahren. Zugleich unterstrich die Veranstaltung die Bedeutung wissenschaftlicher Erkenntnisse und interdisziplinärer Zusammenarbeit für eine qualitäts-orientierte Versorgung“, so das Fazit der Veranstalter.