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Welche digitalen Beratungstools machen im Verkaufsraum Eindruck?

Kauf-Entscheidungen, die verständlich und erlebbar werden

Brillenfassungen lassen sich vor dem Kauf anprobieren und im Spiegel beurteilen. Bei einem Brillenglas allerdings sehen Kundinnen und Kunden erst bei der Abholung, wie Randdicke, Entspiegelung, Tönung etc. wirklich aussehen. Kein Idealzustand, denn die Vorstellung, wie die komplette Brille am Ende aussehen wird, beeinflusst direkt die Kaufentscheidung. Demogläser und mündliche Erklärungen können hier an ihre Grenzen stoßen.

Kauf-Entscheidung Beratung Tools c Shutterstock PeopleImages
Ohne Tablet oder ein vergleichbares mobiles Device kommt heutzutage kaum eine Augenoptikerin aus, die ihren Kunden anschauliche Beratung bieten möchte. (Foto: Shutterstock / PeopleImages)

Genau an dieser Stelle ergänzen digitale Beratungslösungen den Verkaufsprozess. Sie ermöglichen es, Glaslösungen miteinander zu vergleichen oder unterschiedliche Seheindrücke zu simulieren. Dieser Artikel zeigt an konkreten Beratungssituationen, mit welchen digitalen Tools Sie die Verkaufsreise für Ihre Kunden nicht nur verständlich, sondern erlebbar machen.

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Fassungsauswahl: Das reale Sortiment erweitern

Bei der Fassung ist die klassische Beratung nicht zu schlagen. Kein Bildschirm kann das Gefühl der Fassung im Gesicht und den echten Blick in den Spiegel ersetzen. Doch auch das beste Sortiment hat Grenzen. Nicht jede Farbe, Größe oder Modellvariante kann im Geschäft vorrätig sein. Und der Brillenkauf beginnt längst online. Die meisten Kundinnen informieren sich erst digital, bevor sie physisch das Fachgeschäft betreten. Hier kann die virtuelle Anprobe das reale Sortiment erweitern oder sogar der erste Anlaufpunkt für Kunden auf der eigenen Webseite sein. Hier drei spannende Beispiele:

Die Fittingbox Virtual Try-On bringt einen der größten digitalen Fassungsbestände der Branche direkt ins Geschäft, über 190.000 Modelle von rund 1.200 Marken. Kunden probieren die Fassungen über die Kamera ihres Smartphones, Tablets oder Laptops virtuell an.

Zeiss Visufit 1000 verbindet die virtuelle Anprobe mit der digitalen Zentrierung. Neun Kameras nehmen das Gesicht in wenigen Sekunden dreidimensional auf und erzeugen einen Avatar, an dem sich Fassungen aus dem digitalen Katalog anprobieren lassen. Zusätzlich können die Fassungen mit allen Gläsern aus dem Zeiss-Produktkatalog virtuell bestückt werden. So lassen sich vor der Fertigung beispielsweise Tönungen und Verspiegelungen testen. Wer ohnehin über eine neue Zentrierlösung nachdenkt, erhält hier zusätzlich einen Mehrwert für die Fassungsberatung.

pickz ai ist nicht nur ein einfaches Try-On-Tool, es soll den Beratungsprozess rund um die Brillenberatung revolutionieren. Kundinnen werden online oder während der Wartezeit im Geschäft durch einen KI-gestützten Prozess anhand von Gesichts- und Bedarfsanalyse zu einer ersten Auswahl passender Brillenfassungen geführt. Diese Auswahl können sie zuerst online am eigenen Bild testen, im Geschäft reservieren und dann physisch anprobieren. Ein Tool, das aktuell zwar noch in den Kinderschuhen steckt, sich aber mit Sicherheit in Zukunft schnell weiterentwickeln wird.

Glasdesign: Schnell und einfach am Tablet

Insbesondere die Glasberatung kann für Kundinnen abstrakt wirken. Tönungen, Verspiegelungen oder spezielle Filter lassen sich mit physischen Demogläsern besonders gut darstellen und erleben. Wenn es darum geht, den späteren Seheindruck durch das Glas oder die endgültige Glasdicke zu simulieren, wird es meist schon schwieriger. Statische Vergleichskarten für Gleitsichtgläser oder nicht individualisierte Randdickenvergleiche helfen Kunden nur bedingt dabei, sich das Endresultat tatsächlich vorzustellen. Mit einigen digitalen Lösungen lassen sich individualisierte Demonstration und Berechnungen schnell und einfach am Tablet realisieren.

OptikamPad ist ein Zentriersystem und wird in Deutschland von verschiedenen Glasherstellern vertrieben. Per Tablet und einem Zentrieraufsatz lassen sich schnell und einfach die Zentrierdaten der Kundinnen aufnehmen und in der App speichern. Mit diesen individuellen Parametern und der Refraktion können die Randdicken der späteren Brillengläser im Vergleich dargestellt werden. Zusätzlich können in der App die Vorteile von verschiedenen Filtern oder Glasdesigns direkt gegenübergestellt werden. Dank AR-Technologie können Kunden die Wirkung verschiedener Gleitsichtgläser im Livebild erleben.

MPO Beratungs-App verbindet geschickt physische mit digitaler Demonstration. Auch in dieser App können Brillengläser mit unterschiedlichen Glasdicken, Farben und Veredelungen gezeigt oder Gleitsichtgläser durch die AR-Funktion demonstriert werden. Zusätzlich bietet MPO abgestimmte physische Demotools für Blaufilter, UV-Schutz oder Polarisation, die anhand von Veranschaulichungen in der App demonstriert werden können. Damit steht Augenoptikern das Beste aus zwei Welten zur Verfügung.

Visall I-DNAmics misst mittels einer VR-Brille die individuelle Blickdynamik der Kundinnen. Dabei werden unter anderem Augen- und Kopfbewegungen sowie Fixation und Verweildauer erfasst. Aus diesen Informationen wird dann ein individuelles Gleitsichtglasdesign entwickelt. Die Ergebnisse und Visualisierung dieses individuellen Designs können den Kunden im Webportal von Visall gezeigt werden. Der Mehrwert entsteht hier weniger im Simulieren der Sehbereiche, sondern darin, dass Kunden die Besonderheiten ihres Blickverhaltens verstehen.

Komplettlösungen: Die Kundenreise begleiten

Neben der Darstellung verschiedener Glasoptionen wird die individualisierte Beratung immer wichtiger. Kundinnen sollen den Mehrwert vom ersten Kontakt im Geschäft bis zur Verabschiedung spüren. Gleichzeitig soll der Beratungsprozess für Augenoptiker so effizient wie möglich sein. Dafür setzten Hersteller heute nicht nur auf einfache Beratungstools, sondern auf digitale Lösungen, die die Kundenreise begleiten.

MyVisioniXperience begleitet Kundinnen von der Refraktion (Refraction Experience) über die Brillenglasberatung (Lenses Experience) bis hin zum Screening-Angebot (Eye Health Experience). Vorhandene Visionix-Geräte werden miteinander verknüpft und die Messergebnisse können in die Beratung einfließen. Die Brillenglasempfehlung beruht auf Anamnese und zusätzlichen biometrischen Messdaten und kann durch anschauliche Erklärvideos ergänzt werden. Damit können Augenoptiker den positiven Einfluss höherwertiger Gläser zugeschnitten auf das Kundenprofil herstellerunabhängig veranschaulichen.

Rodenstock CNXT vernetzt alle Rodenstock-Geräte des Geschäfts miteinander. Daten aus Vormessung, Zentrierung und Funduskamera werden per Schnittstelle zusammengeführt und können für eine individuelle Beratung und zur Demonstration von spezifisch berechneten Sehbereichen genutzt werden. Bestellungen können direkt getätigt und überwacht werden. Ebenfalls integriert ist ein Tool für die Beratung und Verlaufsüberwachung von kurzsichtigen Kindern.

Zeiss Visoconsult 100 ist ein digitaler Assistent für die Beratung. Augenoptikerinnen erstellen zunächst über einen Fragenkatalog ein individuelles Sehprofil ihrer Kunden. Auf dieser Grundlage werden passende Glaslösungen vorgeschlagen und anschließend visualisiert. Refraktions- und Zentrierdaten sowie die Beratungsergebnisse können zusammengeführt und direkt an das Zeiss-Bestellsystem übergeben werden.

Seiko Vision Xperience Center ist eine physische Beratungseinheit. Zusammen mit den Kundinnen werden individuelle Sehprofile und Zentrierung angelegt. Damit lassen sich interaktive digitale Demonstrationen der passenden Brillengläser zeigen. Eine integrierte Musterglas-Kollektion verbindet digitale Beratung mit haptischem Erleben. Das Center bietet zusätzlich die Möglichkeit, die Kundenfrequenz und das Kundenprofil automatisch auszuwerten und darauf abgestimmte Werbung zu zeigen.

Myopie-Management: Digitale Tools im Vorteil

Die Versorgung von Kindern mit fortschreitender Myopie ist nicht nur wichtig, sondern häufig auch beratungsintensiv. Besonders Eltern, die selbst nicht myop sind, wollen verstehen, warum ihre Kinder mehr als nur eine einfache Brille benötigen. Das physische Vorhalten von Plusgläsern zur Myopie-Simulation kann dabei ein Aha-Erlebnis sein. Doch wenn es um Risikoeinschätzung und Verlaufskontrollen geht, sind digitale Tools klar im Vorteil.

Myopie-Software von Oculus konsolidiert die Messergebnisse von Achslänge, Refraktion und Keratometrie in einer wissenschaftlich validierten Wachstumskurve des Kindes. Anhand von Daten zu Sehverhalten und äußeren Einflüssen wird eine Risikobewertung für das Kind abgegeben. Das Ergebnis dieser Risikobewertung dient der Beratung der Eltern und kann zusätzlich in einem verständlichen Patientenbericht mitgegeben werden.

MyoConsult von Zeiss fasst alle Kerndaten des Kindes wie Alter, Lebensstil, Familiengeschichte, Refraktion und Achslänge zu einem Profil zusammen. Das Profil kann mit dem gesamten Zeiss-Ökosystem aus Biometer, Zentriersystem, Beratungstool und Bestellsystem nahtlos verknüpft werden. Messergebnisse, Empfehlungen und Verlaufskontrollen können auch hier in einem Patientenbericht ausgegeben werden.

Digitale Beratung bleibt Beratung

Digitale Tools können Prozesse vereinfachen und Erklärungen veranschaulichen, aber sie nehmen Augenoptikerinnen und Augenoptikern die Beratungsleistung nicht ab. Sie erweitern die Beratungsmöglichkeiten und unterstützen dabei, die Kundenreise besonders lebendig und nachvollziehbar zu machen. Augenoptiker können hier ein echtes Erlebnis schaffen und sich nachhaltig im Kundenbewusstsein verankern. Welche Technik dabei sinnvoll ist, hängt vom Betrieb, vom Beratungskonzept und vor allem von den Bedürfnissen der Kundeninnen ab. Entscheidend ist nicht, möglichst viel zu digitalisieren. Entscheidend ist, die richtige digitale Unterstützung dort einzusetzen, wo sie die Beratung tatsächlich besser macht.

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Artikel aus der eyebizz 5.2026 (September/Oktober)