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Übermäßiges Fortschreiten der Myopie stoppen

Hoya optimiert seine D.I.M.S.-Technologie

Mit seinem Myopie-Brillenglas „MiYOSMART“ sorgte Hoya vor vielen Jahren im wahrsten Sinne für einen Umbruch in der Sicht auf progressive Myopie. Jetzt möchte der Brillenglas-Hersteller mit einem verbesserten Design seiner D.I.M.S.-Technologie nachlegen und Kurzsichtigkeit sogar stoppen.

Hoya Vision Care: Miyosmart iQ (Pressebild Linse)
Die Optimierung des MiYOSMART-iQ-Brillenglases gegenüber der ersten Generation liege hauptsächlich an drei „Stellschrauben“ (Bild: Hoya Vision Care)

Ein kurzer Rückblick: Im Frühjahr 2021 präsentierte Hoya in der DACH-Region sein damals neues ­Brillenglas „MiYOSMART“ fürs Myopie-Management bei Kindern. Mittels der patentierten D.I.M.S.-Technologie (Defocus Incorporated Multiple Segments), entwickelt in Zusammenarbeit mit der Hong Kong Polytechnic University, ließ sich laut einer zweijährigen klinischen Studie von 2019 das Fortschreiten der Myopie bei Kindern im Alter von 8 bis13 Jahren um durchschnittlich 60 Prozent verlangsamen.

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Das Brillenglas heimste Auszeichnungen der Branche ein, wie etwa den SILMO d’Or, und bescherte Augenoptik-Betrieben ein völlig neues, wenn auch spezielles Betätigungsfeld. Weitere Erkenntnisse, Studien-Ergebnisse sowie neue Produktlösungen und Mess-Technologien sorgten in den vergangenen Jahren für Bewegung und Spezialisten in diesem Tätigkeitsfeld – und auch für eine vermehrte interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Augenärzten und Orthoptistinnen.

Weiterentwicklung und neue Zahlen

Auch Hoya blieb nicht stehen, tüftelte weiter und kündigte für dieses Frühjahr eine Weiterentwicklung an: „MiYOSMART IQ“. Gemäß einer aktuellen Studie vermag das weiterentwickelte Brillenglas-Design, das ebenfalls auf der D.I.M.S.-Technologie basiert, das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit nicht nur zu verlangsamen, sondern im ersten Jahr im Durchschnitt sogar zu stoppen. „Dies ist die höchste jemals bei dieser Art von Brillengläsern gemeldete Wirksamkeit und das erste Mal, dass eine Studie bei Kindern bereits im Alter von vier Jahren durchgeführt wurde“, hieß es in einer ersten Mitteilung.

Hoya Vision MiYOSMART iQ Pressebild Girl
Bild: Hoya Vision Care

Die Optimierung des IQ-Brillenglases gegenüber der ersten Generation liege hauptsächlich an drei „Stellschrauben“, erklärt Kazuma Kozu, Forschungs- und Entwicklungsleiter bei Hoya Vision Care. Das Defokussierungs-Segment liege nun näher am geometrischen Zentrum des Brillenglases, mit der Absicht, die nah-periphere Netzhaut kontinuierlich zu aktivieren. Zudem gebe es eine höhere Defokussierungs-Stärke der kleinen Segmentpunkte sowie eine erweiterte Behandlungszone, die ein breites myopisches Defokussierungs-Signal gewährleiste. Forschungs- und Entwicklungs-Partner war auch hier wieder die Hong Kong Polytechnic University.

Weitere Studie mit neuem Brillenglas

Auch das neue Glasdesign wurde in einer klinischen Studie getestet, das erste Mal mit sehr jungen chinesischen Kindern aus Hongkong. Die Probanden waren unterteilt in drei Gruppen, eine mit herkömmlichen Einstärkengläsern (64 Probanden), eine weitere mit Miyosmart-Gläsern (65 Probanden) und die dritte mit der neuen IQ-Generation (67 Probanden). Getestet wurde über einen Zeitraum von zwölf Monaten, und besonders die letztere Gruppe habe sich gut an das neue Glasdesign anpassen können.

Je früher desto effektiver

Dass die Testkinder dieses Mal gezielt bereits ab einem Alter von vier Jahren mit einer früh einsetzenden Myopie für die Studie rekrutiert wurden, hatte einen guten Grund, so Prof. Dr. med. Serge Resnikoff, PhD. Kurzsichtigkeit stelle ein sehr erhebliches Risiko für Netzhaut-Erkrankungen dar. Und dieses Risiko steige exponentiell an, frühzeitiges Handeln sei also unglaublich wichtig.

Wie der internationale Experte und Berater in den Bereichen globale öffentliche Gesundheit, Augenheilkunde und Augengesundheit und Vorstands-Vorsitzende des „International Myopia Institute“ erläutert, sei bei der Versorgung eines immens wichtig: Je früher der progressiven Myopie begegnet würde, desto mehr Fälle von hoher Myopie könnten weltweit vermieden werden.

Hoya Vision: Erstaunliche Messwerte

Das Ergebnis der Refraktionen: Bei der Gruppe mit Einstärkengläsern schritt die Myopie-Progression der Kinder innerhalb von zwölf Monaten im Durchschnitt um etwa –0,53 Dioptrien fort, bei der Miyosmart-Gruppe um etwa eine Viertel-Dioptrie. Beim neuen Glas gab es laut der Forscher gar kein Fortschreiten der Kurzsichtigkeit.

Die Daten zur axialen Verlängerung zeigten bei der Single-Vision-Gruppe eine Zunahme um etwa 0,346 Millimeter. Bei der Miyosmart-Gruppe waren es etwa 0,2 Millimeter. Und in der Miyosmart-IQ-Gruppe war die Verlängerung mit 0,075 Millimetern nur minimal.

Auch nach Altersgruppen wurden die Ergebnisse aufgeschlüsselt: Bei der Gruppe der Vier- bis Sechsjährigen mit Einstärken-Brille habe sich die Myopie um etwa –0,63 Dioptrien verschlechtert, bei den Trägern von Miyosmart-IQ jedoch nur um –0,22 Dioptrien. Bei der älteren Gruppe der 7- bis 9-Jährigen oder der 10- bis 12-Jährigen gab es keine Myopie-Progression.

Traum der Myopie-Forscher

Überrascht waren die Wissenschaftler hier von einigen gemessenen Veränderungen bei den Kindern ab sieben Jahren Richtung Pluswerte. Myopie überhaupt stoppen zu können, sei schon eine beeindruckende Leistung, so Prof. Chi-ho To, Gastprofessor für Experimentelle Optometrie an der Hong Kong PolyU und Gründungsdirektor sowie leitender Berater des „Centre for Eye and Vision Research“ (CEVR) im Hong Kong Science Park. Vielleicht könne sich der Traum der Myopie-Forscher erfüllen, Myopie-Werte sogar zu reduzieren, oder wenigstens das Risiko einer hochgradigen Kurzsichtigkeit deutlich zu verringern: mit dieser ­Technologie scheint das tatsächlich möglich. Eine Umkehrung der Myopie scheint zumindest keine völlige Fantasie mehr zu sein, meinte der Miterfinder des D.I.M.S.-Brillenglases.

Die Daten seien jedenfalls beeindruckend und läuteten laut Hoya eine neue Ära des Myopie-Managements ein, die im Durchschnitt bereits im ersten Jahr nach dem Tragen des „MiYOSMART IQ“ erreicht werden kann. Die Studie werde fortgesetzt, die bisherigen Ergebnisse wurden Anfang Mai ausführlich auf der ARVO-Jahrestagung 2026 in Denver der internationalen Fachwelt vorgestellt.

Umdenken der Krankenkassen?

Neben einem frühzeitigen Einsatz regte Prof. Resnikoff ­außerdem an, mit staatlichen Stellen zusammenzuarbeiten wie Regierungen oder Krankenversicherungen, um den ungleich verteilten Zugang und die je nach Land unterschiedliche Erschwinglichkeit auszugleichen. Es erfordere aber auch Maßnahmen auf Systemebene, wie zum Beispiel die Integration von Sehtests, insbesondere für sehr kleine Kinder und vor allem für Kinder im Vorschulalter.

Sollte die nachgewiesene Wirksamkeit der Produkte die Verantwortlichen im Gesundheitsbereich tatsächlich zum Nachdenken anregen? Warum nicht: Frankreich habe laut Resnikoff im Juli 2025 als erstes EU-Land beschlossen, die Kosten für „MiYOSMART“ zu erstatten, wodurch mehr als 500.000 Kindern in Frankreich der Zugang ermöglicht wurde. Ein Lichtblick für Eltern, die sich die speziellen Myopie-Brillengläser für ihren Nachwuchs nicht leisten können.

Auch wenn man schnell so viele myope Kinder wie möglich erreichen möchte, wird das neue Brillenglas in verschiedenen Ländern erst nach und nach erhältlich sein; in Deutschland wird es wohl ab Herbst dieses Jahres verfügbar sein.

/// PE

 

Artikel aus der eyebizz 3.2026 (Mai/Juni)